Willkommen an Bord der Aplysia
Willkommen an Bord der Aplysia

Aufgewirbelter Staub                                                                           Tazacorte / La Palma  9.02.2020 – 7.03.2020

 

 

Der Monat Februar ist auf La Palma immer mit erhöhter Feinstaubbelastung verbunden.

Schließlich gibt es den Karneval in Los Llanos, der mit viel buntem Pulver gefeiert wird.

Und außerdem ist da noch der weiße Karneval in der Inselhauptstadt Santa Cruz, bei dem nicht nur das Tragen weißer Kleidung, sondern auch das gegenseitige Bepudern mit weißem Talkumpulver Tradition hat.

 

Wir konnten uns in diesem Jahr nur zu einer Teilnahme am bunten Treiben auf unserer Inselseite in Los Llanos entschließen. Zumal wir beide Veranstaltungen bereits aus dem Vorjahr kannten.

 

Staub hing aber auch schon vor den eigentlichen Parties in der Luft, denn der Calima schickte uns einen ersten leichten Sandgruß zu Beginn des Monats aus der Sahara. Und auch nach dem großen Faschingstreiben sorgte ein zweiter, viel heftiger Sandsturm für flächendeckendes Rot auf allen Inseln der Kanaren. Beim Einatmen knirschte es zwischen unseren Zähnen und jede sportliche Aktivität im Freien verbot sich von selbst. Unsere Aplysia war nicht nur von außen rötlich eingestaubt. Und somit musste ich, ob ich nun wollte oder nicht, mit einem Wasserschlauch bewaffnet den Mast unseres Schiffes erklimmen, um es von der Mastspitze an vom Dreck befreien zu können.

Grundsätzlich hat der Sturm den Inselbewohnern aber deutlich mehr geschadet als uns, denn die heftigen Windböen haben in den Bananen- und Avocadoplantagen für viel Chaos gesorgt. Auf Gran Canaria und Teneriffa kam es zu Waldbränden. Flughäfen und Straßen mussten gesperrt werden.

 

Der Wind wehte aber auch den einen oder anderen netten Gast zu uns aufs Schiff.

So zum Beispiel kam der Hector, ein junger Palmero, der in Deutschland studiert und zu einem kurzen Heimatbesuch auf der Insel war. Wir hatten ihn und seine Freundin, die Tiermedizin in Leipzig studiert, bereits im letzten Jahr kennengelernt.

Es kamen Andi und Sylvi, die auf unserem Steg spazieren gingen und durch Zufall mit Holger ins Gespräch kamen. Wir verbrachten einen interessanten Nachmittag miteinander. Sie haben ihre Segelyacht im Mittelmeer liegen und sich für die Wintermonate eine Wohnung auf La Palma gekauft.

Gestern standen plötzlich Tino und Angela vor unserer Tür. Wir erkannten die beiden erst gar nicht, da wir mit Besuch aus unserer Heimatstadt Parchim ganz und gar nicht gerechnet haben. Umso größer war die Freude! Die beiden verbringen eine Urlaubswoche auf der Insel. Morgen wollen wir zusammen segeln gehen.

Und es kam dann auch noch George Clooney, zwar nicht zu uns aufs Schiff, aber nach La Palma. Der halbe Hafen wurde mit Sicht- und Wachschutz abgesperrt, da der George und seine Crew die große Freifläche nutzten, um per Helikopter täglich auf den „Roque de los Muchachos“ geflogen zu werden. Dort drehten sie dann einen Science-Fiction-Film.

Einer unserer Bootsnachbarn wurde von den Bewachern des großen Filmstars mit den Worten geschockt: „Der George möchte nicht gesehen werden und deshalb verschwinden Sie jetzt mal ganz schnell unter Deck!“ Ansonsten ließ der ganze Auftritt des „Super-George“ die Insulaner ziemlich unberührt und wirbelte wohl kaum ein Staubkorn auf!

 

„On the road again“                                                                         Tazacorte / La Palma 19.01.2020 – 8.02.2020

 

 

Hinter uns liegen zwei Wochen Mobilität mit einem kleinen Citroen C1.

Was ändert sich, wenn man ein Auto zur Verfügung hat?

 

Unsere erste Fahrt führt uns immer zu unserem Lieblingssupermarkt „Mercadona“. Der befindet sich auf der anderen Inselseite und wäre mit dem Bus nur durch mehrfaches Umsteigen zu erreichen.

Im „Mercadona“ gibt es einige Leckereien zu kaufen, wie zum Beispiel frischen Fisch, gegrillte Hähnchen, meinen Lieblingsschinken, Krebssalat, leckeren Kuchen etc. Ich kaufe dort Mülltüten mit meinem Lieblingsgeruch, Taschentücher mit Aloe Vera-Duft und und und….

Immer wieder freuen wir uns sehr auf diese Einkaufstouren, wobei andere Segler das gar nicht nachvollziehen können. Geschmäcker sind eben bekanntlich und glücklicherweise verschieden!

Dieses Mal hatte ich im Markt verschiedene Parfümproben ausprobiert. Da aber meine Arme irgendwann nicht mehr genügend Aufsprühfläche boten, missbrauchte ich Holgers. Der bekam sofortige Niesanfälle und Atemnot. Ich werde es nie wieder tun! Versprochen!

Die spanischen Düfte sind aber auch sehr intensiv und werden nicht gerade sparsam verwendet. Selbst beim Joggen muss der Spanier duften und manchmal glaube ich, dass sogar Hunde nicht ohne Rosenduft vor die Tür dürfen. (Scherz!)

 

Zwei Mal ermöglichte uns unser Auto die umstandslose abendliche Fahrt zu einer Musikkneipe in El Paso. Freitagabends treffen sich dort Musiker, die in wechselnden Bandkonstellationen musizieren. Sie spielen keine bekannten Songs nach und haben auch kein eigenes Repertoire. Einer von ihnen gibt einfach einen Rhythmus vor und die anderen steigen mit ein. So entsteht ein in der Regel gelungenes Musikstück. Ich glaube man nennt das „Jamsession“?!

Bei unserem ersten Besuch fanden wir das Ganze noch gewöhnungsbedürftig: zu laut und zu weit weg von bisher Gehörtem. Beim zweiten Mal erschien uns der Abend allerdings nicht mehr ganz so anstrengend, trotz des gut mit Gästen gefüllten und dadurch aufgeheizten Raumes.

 

Im Nordwesten der Insel gibt es zahlreiche steile und schmale Straßen, die beinahe bis hinab ans Meer führen, eine davon zum „Playa Veta“.

Diesen Strand kannten wir nur aus dem kurz zuvor gesehenen Kinofilm „La Palma“ und wollten ihn uns nun auch einmal mit eigenen Augen anschauen. Nach einem halbstündigen anspruchsvollen Abstieg erreichten wir die Ansammlung kleiner Häuschen und Hütten, die teilweise vor vielen Jahren in die Felswand hinein gebaut wurden.

Früher wurde dieser Ort als Hafen genutzt, denn viele Plätze der Insel waren einfach nur vom Meer aus zu erreichen. Noch bis vor 50 Jahren gab es keine vernünftigen Versorgungswege über Land. Es ist für uns einfach unvorstellbar, wie schwere Lasten vom Hafen in die mehrere hundert Meter höher gelegenen Orte transportiert werden konnten. Die Pfade dorthin, oftmals die heutigen Wanderwege, sind sehr steil, voll mit Geröll und komplett der erbarmungslos scheinenden Sonne ausgesetzt. Die Palmeros waren ein echt hartes Leben gewohnt.

Die heutige junge Generation dagegen scheint, wie wohl überall auf der Welt, nur beim Herumtragen ihrer Handys kraftvoll und ausdauernd zu sein.

 

„Charco Verde“ ist ebenfalls ein Badestrand, befindet sich aber im Südwesten der Insel. Hier lief vor wenigen Wochen ein Katamaran auf Land. Dessen Besitzer ließ seinen Anker vor dem Badebereich fallen und ging ganz arglos von Bord, um Zigaretten zu holen. Währenddessen geschah wohl das Unglück.

Bei unserem Besuch vor Ort war davon allerdings nichts mehr zu sehen.

Wer weiß schon, was mit dem Wasserfahrzeug passiert ist? Der Atlantische Ozean ist tief und verschwiegen!

 

Auf einer unserer anspruchsvollen Wanderungen wurden wir von unserer Bootsnachbarin Gabi begleitet. Auf unserem Rückweg wollte Holger den Wagen für uns fußlahme Damen etwas vorfahren. Deshalb warteten Gabi und ich und unterhielten uns ein wenig. Auf einmal kam aus dem Haus gegenüber eine Frau herausgeschossen. Aufgeregt beschimpfte sie uns, dass wir neben ihrem Schlafzimmerfenster stehen würden und sie in ihrer Mittagsruhe gestört hätten. Nur zur Erklärung, es war bereits 16.30 Uhr! „Außerdem lasse ich jetzt meine drei Hunde raus!“, und damit verschwand sie. Keine 5 Sekunden später rannten drei Bellos auf uns zu, sprangen an uns hoch und kläfften uns an. Wir waren entzückt von so viel Herzlichkeit, mussten aber noch ein paar Minuten aushalten bis Holger uns aus dieser misslichen Lage befreien konnte.

 

Auf einer weiteren Wanderung fanden wir Pilze: einen Steinpilz und zahlreiche kleine runde Wurzeltrüffel. Holger war begeistert und am nächsten Morgen gab es einen sehr übersichtlichen Happen für jeden von uns.

Mir war trotz der geringen Menge gar nicht so wohl beim Verzehr: ´Sieht ein Steinpilz hier wirklich wie in Deutschland aus? Sind die Wurzeltrüffel eventuell schon überreif? Muss ich jetzt sterben?´ Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, während ich meine Pilzstücke herunterschluckte.

Außer ein paar verirrten Blähungen passierte uns aber zum Glück nix. Gott sei es gedankt!

 

Wir gönnten uns eine zweite Tagesfahrt auf den höchsten Gipfel der Insel, den „Roque de los Muchachos“. Vor mehr als einem Jahr waren wir zum ersten Mal hier oben und in der Zwischenzeit wurde ein weiterer großer Teleskopspiegel für die Erforschung des unendlichen Weltalls aufgestellt. Der Neubau eines Besucherzentrums nähert sich ebenfalls allmählich seiner Fertigstellung.

Bei bestem Wetter genossen wir erneut die wunderbaren Ausblicke von rund 2500m Höhe bis hinab aufs blaue Meer.

La Palma lag uns buchstäblich zu Füßen! Wir fühlten uns wie Könige der Welt! Unbeschreiblich!

Schön!

 

Der Februar 2020 begann mit extremen Wetterbedingungen. Es war Calima, das heißt, es war sehr warm, auch und gerade in den Bergen. Nach anfänglicher relativer Windstille frischte es dank des Südwindes in der Marina in Böen bis auf Sturmstärke auf.

Das Unangenehme daran war, dass dieser Wind aus der Sahara sehr viel Sand im Gepäck hatte und deshalb nicht nur den Himmel verschleierte, sondern auch für die Atemwege äußerst ungesund war. Darum verließen die Einheimischen ihre Häuser nur, wenn sie mussten. Der Deutsche jedoch ging wandern, joggen oder radfahren.

Wir passten uns an und verließen Aplysia nicht oft. Außerdem war Holger mit der Überprüfung unserer Stromversorgung stark beschäftigt. Er hatte einen Fehler im System entdeckt, der ihn selbst nachts nicht zur Ruhe kommen ließ. Holger wäre aber nicht Holger, wenn er das Rätsel nicht früher oder später lösen könnte! Und so entdeckte er nach zahllosen Kabelveränderungen und Messungen das Übel.

 

Der Vorteil von warmen Wetter in den Bergen ist, dass es viel Freude macht, draußen zu feiern!

Der erste Sonntagnachmittag im Februar gehörte der „ Fiesta del flor de los almendras“, dem „Mandelblütenfest“. Um die Mittagszeit fanden wir uns zu Musik, gesalzenen Mandeln und Rotwein ein. All diese Verführungen gab es hier kostenlos!

Die Rotweinfässer kamen direkt aus dem Keller des Rathauses von Puntagorda. Wir erfuhren, dass immer Arbeitslose die Weinherstellung für dieses Gemeindefest erledigen und somit genügend „Freiwein“ zur Verfügung steht.

Demzufolge gut war die Tagesstimmung unter den Partygästen. Wir tanzten draußen zu zackigem spanischen Aerobic-Beat und unter tropischen Bedingungen mit den älteren Palmeros auch im Kultursaal des Ortes.

Wir trafen unsere ortsansässigen Bekannten Kirsten und Andy und verbrachten den amüsanten Nachmittag gemeinsam.

Rüdiger lief uns über den Weg. Er ist ein ehemaliger Marinefunker aus Salzwedel bei Magdeburg. Auch er will sich fest auf La Palma niederlassen, bewohnt momentan aber noch einen Wohnwagen. Unsere Bootsnachbarn Roland und Maria tanzten uns beschwingt über den Weg. Wir freuten uns und machten Erinnerungsfotos.

Die Insel und ihre Bewohner werden uns zunehmend vertrauter!

 

Seit vorgestern sind wir wieder ohne Auto unterwegs. Hat uns der Mietwagen noch ca. 5,00 Euro pro Tag gekostet, so würden wir momentan zwischen 15,00 und 20,00 Euro pro Tag für einen solchen bezahlen. So groß sind hier die Preisunterschiede! Dafür kann man dann doch billiger Bus fahren.

 

Während ich hier sitze und schreibe, putzt Holger unsere Aplysia von außen. Der Sandwind aus Afrika hat auf und in unserem Schiff reichliche Spuren hinterlassen.

Er wird uns einfach nicht langweilig, unser Ausstieg auf Zeit!

 

Nachtrag:

Und wenn ich mir Deutschlands politische Ereignisse der letzten Tage und den dortigen Wetterbericht für die kommenden Tage „reinziehe“, schüttelt es mich ordentlich und ich lächle unserer sich täglich zeigenden Sonne entgegen, um ihr zu sagen: „Danke, dass ich genau hier sein darf!“

 

Feliz ano nuevo!                                                                    Tazacorte / La Palma 1.01.2020 - 18.01.2020

Mit zwölf Schlägen der Kirchenglocke von Tazacorte wurde für uns das Jahr 2020 eingeläutet. Zu jedem Gong muss man traditionell eine Weintraube herunterwürgen, damit einem das Glück im neuen Jahr hold ist. Mir gelang gerade mal der Verzehr von sechs der kernigen Obstkugeln. Hoffentlich kein böses Vorzeichen!

Die alkoholische Flüssignahrung hingegen stellte keinerlei Probleme dar, und so starteten wir beschwingt und leicht besäuselt in ein neues Jahrzehnt.

Was es uns wohl bescheren mag? Die Zeichen der Zeit deuten ja weltweit eher auf Aggression als auf Entspannung. Sogar deutsche Silvesterpartys wurden in unserer Googlezeitung als „Krieg“ übertitelt. Da lassen wir besser die friedlich relaxte Inselstimmung von La Palma weiterhin auf uns wirken und klinken uns noch etwas aus.

 

Weihnachten zieht sich hier in Spanien ja bis zum 6. Januar hin. Erst dann bringen Melchior, Balthasar und Caspar die Geschenke. Und so steht auch meine bescheidene Weihnachtsdeko noch bis zu diesem Feiertag bei uns an Bord herum. Abends werden die elektrischen Flackerkerzchen von Lidl angezündet und es wird urgemütlich. Aber auch diese festliche Zeit hat irgendwann ein Ende und bunte Elche, Schneemänner und Weihnachtsbäume aus Holz verschwinden wieder aus der Öffentlichkeit.

Holger ist von Jahresbeginn an mit kleineren Reparaturen beschäftigt. Die Pumpe einer unserer nagelneuen Toiletten hat schon wieder ein Leck und muss ausgetauscht werden. Also, Bestellung nach Deutschland schicken, Ausbau, Einbau, kaputtes Teil zurück nach Deutschland versenden. Das hört sich alles recht simpel an, ist aber in Wirklichkeit ein Vorgang, der sich über mehrere Wochen erstreckt. Außerdem braucht man jemanden, der das beschädigte Teil in seinem Gepäck mit zurück nach Deutschland nimmt, da die Retoure nur innerhalb deutscher Grenzen kostenfrei ist.

Eine weitere kleine Baustelle ist unser Teakdeck. Einige Fugen müssen neu abgedichtet werden und an zwei Stellen hat sich das Holz vom Deck gelöst. Für die Reparatur benötigt Holger Epoxy-Kleber. Da wir den schon einmal preiswert auf der Insel gekauft haben, wissen wir sofort, wohin wir gehen müssen. Wir packen uns auch noch die Rechnung von damals ein, da wir glauben, die Verkaufsstrategie der Spanier durchschaut zu haben. Aber hier wird man immer wieder überrascht! Vor Ort erhalten wir auf unsere Anfrage folgende Antwort: „Vor zwei Wochen hätten wir euch den Epoxy-Kleber noch verkaufen können. Heute dürfen wir das nicht mehr! Lo siento!(=Tut uns leid!)“ Wir sind baff und trollen uns. Aber ein echter Ossi findet immer eine Alternativlösung! Somit kommt Holger momentan gut mit den Ausbesserungsarbeiten voran.

 

Gemeinsam mit unseren netten Bootsnachbarn Wolfgang und Gabi haben wir in der vergangenen Woche zwei Wanderungen unternommen. Für die erste haben wir uns echtes Inselmistwetter ausgesucht. Bei gefühlten und auch tatsächlichen 10 Grad kletterten wir in kurzen Hosen im nebelverhangenen Gebirge herum. Und so drehten sich dabei unsere Unterhaltungen auch um Glühwein und Winterurlaub. Wieder zurück an Bord habe ich dann den ersten Kräutertee dieses Winters zu mir genommen- gemeinsam mit „Captain Morgan“.

Unsere zweite Wanderung war der Suche nach den wunderschönen Mandelblüten gewidmet. Schon vor vier Wochen zeigten sich die ersten mutigen Schönen in rosa. Demzufolge hatten wir uns im Inselnordwesten so Einiges erhofft, wurden jedoch enttäuscht. Woran es genau liegt, dass die meisten der knorrigen Mandelbäume noch vollkommen kahl dastehen, wir wissen es nicht?! Hoffentlich verändern sie sich bis zum Mandelblütenfest in zwei Wochen noch etwas!

Die Bewohner La Palmas sind auf ihre Art in der Regel äußerst tierlieb, bezogen auf Katzen und Hunde. Wir kamen während unseres Ausflugs an einem Haus vorbei, in dessen Eingang eine hübsche Katzenmama gerade ihre drei Jungen säugte und waren fasziniert von diesem Anblick. Ein Spanier kam heraus und setzte uns zwei der Babys auf die Arme. Plötzlich zog an uns eine wahre Katzenparade vorbei: rote, weiße, graue, gefleckte, grünäugige, blauäugige Katzen jeden Alters kamen aus dem Haus heraus. Wir waren sprachlos. Der Mann erklärte uns, dass es über zwanzig sein müssten. Scheinbar hatte auch er aufgehört zu zählen.

 

Am vergangenen Dienstag war für uns Kinotag:

Im Internet entdeckte ich Werbung für den auf La Palma gedrehten deutschen Film „La Palma“. ‚Hört sich gut an!‘, dachte ich mir. Somit machten wir uns abends gemeinsam mit zahlreichen Stegnachbarn auf den Weg nach Los Llanos. In drei Kinosälen gleichzeitig wurde der Film gezeigt und alle drei Säle waren ausverkauft. ‚Muss ja gut werden!‘, dachte ich mir.

Als wir unsere Plätze gefunden hatten, war einer davon bereits besetzt. Dieser Sessel wurde doppelt verkauft und die Dame, die sich bereits darauf drapiert hatte, sah überhaupt gar nicht ein, warum sie ihre Vorteilsposition aufgeben sollte. „Ich war zuerst hier. Hahaha! Ätschätsch!“, mit an die Brust gepresster Handtasche und erhobenem Kinn zeigte sie mir, was sie von mir hielt. Und bekam mich glatt zur Sitzplatznachbarin! Ätschätsch!

Der Film begann und die Klimaanlage des Saales kühlte uns auf knapp über den Gefrierpunkt herunter. Wäre es kuschelig warm im Raum geblieben, ich glaube, einige der Zuschauer hätte auch glatt der Schlaf überwältigt. Uns enttäuschte das gezeigte Beziehungsdrama. Um „La Palma“ drehen zu können, hätte es La Palma nicht gebraucht. Als meist verschwommene Kulisse im Hintergrund dienend, ist diese wunderschöne Insel einfach zu schade!

 

 

Mein Rückblick auf unser 2019

 

 

 

Heute erreichte uns eine E-Mail, die es an deutlicher Wahrheit in sich hatte:

Ja, liebe Peti, du hast absolut recht, wenn du mich an meine Schreibfaulheit erinnerst. Ja, es ist nicht schön, wenn man plötzlich nichts mehr von dem anderen hört und nicht weiß, warum?! Und nein, es gibt eigentlich keinen echten Grund für dieses große Schweigen. Also versuche ich erst gar nicht, einen an den Haaren herbeizubefördern.

Ich denke lieber mal über das zurückliegende Jahr und unsere Highlights nach und schreib ein wenig darüber. Na dann, los geht‘s:

 

Januar

 

Blicke ich auf meine Notizen zurück, so kann ich es kaum fassen, dass das alles schon ein Jahr her sein soll.

Der Januar beginnt verkatert. Die Getränke am langen Silvesterabend haben einfach zu gut geschmeckt und waren zu vielfältig.

Den ganzen Monat über werden wir mit Temperaturen von über 25 Grad und oft auch mit Sonnenschein verwöhnt. Wir baden noch und benutzen unsere Außendusche. Die Wanderungen in die nähere Umgebung sind schweißtreibend.

Ein Highlight des Monats ist sicherlich das Katamaransegeln mit Siggis „Saschastrid“. Es ist das erste Mal, dass wir eine solche Segelerfahrung machen und zeigt uns Vorzüge und Nachteile gegenüber unserer „Aplysia“. Wir machen ordentlich Geschwindigkeit unter Segeln, unter Motor aber stampfen wir laut krachend gegen Wind und Welle.

Wir erhalten Post:

Nach 17 Tagen und 9 Stunden sind unsere Segelfreunde Uwe und Doris in der Karibik angekommen. Das macht uns Mut und wir haben den eigenen Aufbruch in diese Richtung für Ende des Jahres fest im Programm.

 

Februar

 

In meinen Aufzeichnungen entdecke ich, dass wir in diesem Monat ein ausgedehntes Problem mit unserer Wasserpumpe hatten. Demzufolge gab es wohl kein Wasser aus dem Bordtank. Wahrscheinlich habe ich es direkt aus dem Wasserschlauch neben dem Boot entnommen. Tatsächlich kann ich mich an diese ganze Aktion schon gar nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall mussten wir lange auf das Paket mit einer neuen Pumpe warten.

Auch der Februar zeigt sich warm, manchmal mit bis zu 30 Grad. Wir haben mehrfach Calima, den warmen Sandwind aus der Sahara. Dann liegt die Insel wie im Nebel und es ist selbst in den Gipfellagen sehr warm. Nachts bewegen sich die Temperaturen zwischen 13 und 18 Grad, sodass man vernünftig schlafen kann.

Zu Anfang des Monats werden wir von Dörte und Felix mit in den Norden der Insel genommen. Eine Explosion an Blumen und Blüten erwartet uns hier. Die alten knorrigen Mandelbäume sind tatsächlich zu neuem Leben in Pink erwacht. Dieses wunderschöne Ereignis muss mit einem eigenen Fest, dem „Mandelblütenfest“, gefeiert werden und wir dürfen für ein paar Stunden in die Menschenmassen eintauchen und uns von spanischen Rhythmen anstecken lassen.

Ein weiterer Höhepunkt des Monats ist das Anmieten eines Autos, sodass wir wieder problemlos an schöne Orte der Insel gelangen können. Im „Charco Azul“, einem Badebecken, plantschen wir ordentlich herum. Eine Nachtfahrt bringt uns auf den „Roque de Muchachos“, den höchsten Gipfel der Insel. Bei 3 Grad Außentemperatur betrachten wir fasziniert, sprachlos und in kurzen Hosen vor Kälte bibbernd das unendliche Universum.

Einige Wandertouren, deren Anfang man nur mit dem Auto erreicht, bereichern unseren Alltag.

Und am Monatsende bereiten wir uns auf den bevorstehenden Karneval vor, indem wir uns passende Kleidung kaufen.

 

März

 

Dieser Monat hat es in sich.

Er beginnt mit den beiden großen Karnevalsfeiern: in Los Llanos der bunte Karneval und in Santa Cruz der weiße Karneval „Los Indianos“. Neugierig und von den feierwütigen Menschenmassen begeistert, sind wir natürlich mit dabei. Dem stundenlangen spanischen Frohsinn sind wir aber scheinbar nicht gewachsen und so liegen wir im Anschluss mehrere Tage mit Husten, Fieber, Übelkeit und noch zahlreichen weiteren körperlichen Beschwerden flach.

Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es, uns für den Besuch der Kinder mit unserer Enkeltochter wieder aufzurappeln. Aber die Pechsträhne setzt sich fort und so kränkelt erst unsere kleine Ida drei Tage lang, um dann für zwei weitere Tage von ihrer Mutti abgelöst zu werden. Ihren einwöchigen Besuch hatten wir uns wohl alle anders vorgestellt. Aber ein Zoobesuch ist am Ende doch noch drin.

In den letzten Märztagen planen wir unsere Reise nach Madeira. Doch auch das wird anders kommen, als wir es uns gewünscht haben.

 

April

 

Der April beginnt mit Regen und schlechten Bedingungen für einen Segeltörn nach Madeira. So ändern wir unsere Zielrichtung von Nord auf Süd und entschließen uns dazu, ein anderes Neuland zu entdecken: El Hierro.

Es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen, denn die kleinste Insel der Kanaren hat viel natürliche Schönheit zu bieten. Mit einem Mietauto können wir leicht ins Inselinnere vordringen und von dort aus zahlreiche Wanderungen unternehmen. Wir finden den „Arbol Garoe“ = den heiligen Stinklorbeerbaum, viele schöne Badebecken, ein Kloster, den einstigen Nullmeridian, einen Hexentanzplatz, ……………………. und das leckerste Ziegenfleisch bisher.

Wir sind der Meinung, dass wir den Hafen auf El Hierro nochmals wechseln sollten und machen uns mit Aplysia auf die Reise zum südwestlichsten Punkt Europas: „La Restinga“. Die Schwierigkeiten, die wir bei der vorangegangenen Hafenanmeldung übers Internet hatten, waren kein gutes Omen. Und so erweist sich dann auch der gesamte Aufenthalt als keine wirklich gute Entscheidung: Temperaturen meist um die 20 Grad, ein ständiger kräftiger Wind, so gut wie keine sanitären Einrichtungen, eine Ortschaft inmitten von Lavafeldern und komplett in Weiß, zudem mit gefühlt weniger als einer Grünpflanze machen mich schon recht bald übellaunig.

Auch Holgers Geburtstag wird erst durch den Besuch von Frauke und Thomas, zwei etwas verrückten, aber supernetten Bootsnachbarn, zum letzten gelungenen Ereignis des Monats.

 

Mai

 

Unsere Weiterreise sollte uns eigentlich zu einem Ankerplatz vor La Gomera bringen. Aber wie meistens kommt es anders. Und so landen wir am 6.05.2019 wieder in Tazacorte auf La Palma.

Im Mai steigt hier das Thermometer schon auf beachtliche Werte von über 30 Grad an.

Es ist der Monat, in dem ich nach vielen Jahren der Abstinenz wieder mit Joggen anfange. Zunächst noch mit langen Gehpausen, die aber von Mal zu Mal kürzer werden. Holger bleibt den Touren auf unseren Hausberg treu.

Immer wieder verbringen wir schöne Stunden mit Sandra und Berthold, zwei Segelfreunden, die sich auf La Palma ein Häuschen gebaut haben und nun mit dessen Einrichtung beschäftigt sind. Ende des Monats werden wir uns von ihnen verabschieden, ohne zu wissen, ob wir uns noch einmal wiedersehen. Sie werden mit ihrer Segelyacht zu den Azoren aufbrechen.

Doch davor hatten wir uns bereits schon einmal verabschiedet, denn am 21. Mai sollte der Tag unserer eigenen Abreise nach Madeira sein. Wir ließen La Palma und seine ungemütliche nördliche Starkwindzone hinter uns und fuhren in die erste Segelnacht hinein. Plötzlich gab es ein ungewöhnliches Geräusch und die Schiffslage änderte sich schlagartig. Unsere Fog war herabgefallen und lag halb im Wasser. Wir bargen sie auf dem dunklen schaukeligen Vordeck und entschieden uns für den kürzeren Weg in eine Marina, um den Schaden zu reparieren.

Also: Tazacorte, La Palma! Erneut hatte uns die Insel eingefangen.

 

Juni

 

Wir lösen am 1. Juni unsere Leinen von La Palma und segeln zum Ankern vor Valle Gran Rey, La Gomera. Wir schaukeln uns am Ankerplatz ein, baden viel und bereichern den Tagesablauf durch zahlreiche Landgänge. Obwohl Valle Gran Rey früher einmal eine Hippihochburg war, findet man heute nur noch vereinzelte Spuren von ihnen.

Das Wetter schlägt um und wir verbringen ein paar Tage in der Marina von San Sebastian, La Gomera. Hier kachelt der Wind ordentlich durch und wir bekommen herbstliche Gefühle zum eigentlichen Sommeranfang.

Wieder zurück am Ankerplatz warten wir auf ein passendes Wetterfenster, um die 48 Seemeilen zurück nach La Palma segeln zu können. Ein schöner Segeltörn gelingt uns dann am 20. Juni.

Der Beginn des Sommers wird in Tazacorte am Strand gefeiert. Abends werden Feuerschalen und Fackeln in den Sand gestellt. Die Menschen breiten Decken aus und machen es sich mit Essen und Getränken gemütlich. Eine laute Band spielt spanische Hits. Kinder rennen mit auf Stäben aufgespießten Papierhexen umher. Einige von ihnen gehen wohl heute zum ersten Mal in diesem Jahr baden.

Übrigens: Für den Spanier besteht zur Winterzeit Stiefel- und Pelzjackenpflicht. Im Frühjahr trägt man immer noch keine kurze Hose. Da kann das Thermometer auch gerne mal über 30 Grad anzeigen. Den Touristen erkennt man also sofort, sowohl an seiner immer unpassenden Kleidung als auch an seinem unangepassten Badeverhalten!

 

Am 24. Juni bringt uns ein Flugzeug von Condor und die Deutsche Bahn preiswert und ohne Verspätungen zurück in unsere Heimat nach Parchim.

 

Juli

 

Ein Höhepunkt dieses Monats ist sicher der 90. Geburtstag meiner Mutti. Vier Generationen verbringen einen schönen Tag miteinander. Und es gibt tatsächlich Familienmitglieder, die ich erst an diesem Tag kennenlerne.

Nicht nur Geburtstage bringen uns in diesem Monat zusammen.

Wir besuchen unsere Enkeltochter und verbringen viele Stunden mit ihr im Pferdestall der Nachbarschaft. Dort gibt es nämlich mindestens 50 Kaninchen, die man täglich füttern muss und das ist `ne Menge Arbeit!

Wir erfreuen uns an der gemeinsamen Zeit mit Mutti Lore auf dem Zeltplatz. Dort gelingt uns bei schönstem Sommerwetter ein Treffen mit der ganzen "Rumpelfamilie".

Viele unserer Freunde sind natürlich jetzt gerade im Urlaub unterwegs. Deshalb schaffen wir es dieses Mal leider nicht, sie alle bei uns zu Hause zum traditionellen „Thüringer Abend“ mit Thüringer Bratwurst, Rostbrät‘l und hochprozentigem Aromatique zu begrüßen. Mit den noch vor Ort Anwesenden machen wir uns trotzdem einen schönen Sommerabend bei Gitarrenklängen und reichlich gekühlten Getränken.

 

Danke dafür, liebe Familie und liebe Freunde!

Ihr fehlt uns schon sehr und wir freuen uns auf jedes Wiedersehen mit euch!

 

August

 

Am 19. August betreten wir gegen 18.00 Uhr erneut palmerischen Boden. 30 Grad und Sonnenschein erwarten uns und im Gepäck haben wir neben den schönen Erinnerungen auch leider immer noch meine Schmerzen in der rechten Schulter.

Ich hatte mir eigentlich Heilung von den deutschen Ärzten erhofft. Stattdessen verschlimmerte sich mein Zustand nach deren Behandlungsideen. Ich hatte wohl einfach zu viel in zu kurzer Zeit erwartet.

Ausgestattet mit Trainingsanleitung und einem Tablettenstoß Cortison für den totalen Ernstfall will ich mich auf La Palma nun selbst heilen.

Die ersten Tage nach unserer Ankunft sind allerdings nicht dafür geeignet, denn wir verbringen sie an Land liegend auf Aplysia. Das Unterwasserschiff braucht einen neuen Anstrich und poliert soll der Rumpf auch werden. Beides sind Tätigkeiten, die gesunde und schmerzfreie Arme erfordern. Und somit muss ich Holger, trotz ernsthafter Bemühungen, den Großteil der Arbeit überlassen. Wir schwitzen ordentlich bei bis zu 35 Grad und sehnen jeden Windhauch herbei. Ein Ersatzteil lässt dank spanischer „Manana – Mentalität“ auf sich warten und so transpirieren wir sechs Tage, drei Tage länger als geplant, auf staubigem Boden vor uns hin.

Glücklich tauschen wir am Ende Land gegen Wasser.

Wir sind im Besitz eines Mietautos und können an unserem dritten Hochzeitstag schick essen gehen. Wie meistens, so liegt mir auch diese Restaurantmahlzeit schwer im Magen und ich kann danach kaum schlafen. Irgendwie verdaue ich das kanarische Gaststättenessen nur schwer bzw. gar nicht.

 

September

 

Das Thermometer klettert tagsüber täglich auf über 30 Grad und auch die Nächte sind kuschelig. Verlässt man den Hafen kann das aber durchaus ganz anders aussehen und so wird der September zu unserem Wandermonat unter dem Motto: „Alles für den Waschbrettbauch! Alles für den Knackarsch!“

Dank der Tatsache, dass Mietautos momentan spottbillig sind, um die 7,00 Euro pro Tag, bleiben wir weiterhin beweglich und können besonders den Norden und den Süden auf zahlreichen wunderschönen, aber auch anstrengenden Touren erkunden. Meistens geht es sowohl steil bergan als auch ebenso wieder bergab. In der Regel treffen wir nur sehr wenige Mitstreiter, sodass ich bei zu viel Erwärmung schon auch mal BH zeige und Holger oben komplett blank zieht. Nebenbei ernten wir Feigen, Äpfel und Weintrauben. Oft wachsen uns die süßen Früchte quasi vor den Mund. Was für ein Schlaraffenland!

Wir lernen „Rente“ kennen, der weit ab von jeder Zivilisation in einer Höhle allein vom Fischfang lebt. Er zerrt uns in seinen dunklen Verschlag, was bei mir nicht gleich auf Zustimmung trifft. Dann werden wir zu Kaktusfrucht und Rotwein „überredet“ und dürfen uns in einem seiner achtzig Touristenpoesiealben verewigen, die er über die letzten Jahre geführt hat. Wir sind also nicht die ersten und werden wohl auch nicht die letzten Gäste sein!

„Wer Rente nicht kennt, kennt La Palma nicht!“, erzählen uns später Kirsten und Andy-zwei Deutsche, die sich schon vor vielen Jahren auf La Palma niedergelassen haben. Ach so!

Der Monat endet mit unserer mörderischsten Wandertour „ever“. Wanderweg 14.1 entpuppt sich als ein Höllentrip, dessen Ende letztendlich auch noch gesperrt ist und uns somit auf einen nicht enden wollenden endlosen Umweg führt. Holger ist genervt und ich fix und fertig!

Der September beschert uns aber auch noch eine wunderbare Feier zu Ehren der „Caballos Fufos“. Diese Papppferdchen kennen wir ja schon aus dem Vorjahr, nur diesmal spielt eine wirklich prima Band Hits, die auch wir kennen. Und so tanzen wir zu bekannten Melodien bis morgens um 3.00 Uhr.

 

Oktober

 

Der Oktober beginnt mal wieder mit Calima-Wetter und Temperaturen bis 36 Grad. Noch immer sind wir im Wandermodus, obwohl die Lust mit Fortschreiten des Monats abnimmt.

Noch immer haben wir ein preiswertes Mietauto, das uns das Leben deutlich erleichtert. Einkaufen, zum Wäschewaschsalon fahren oder mal eben einen kleinen Ausflug machen - alles keine Probleme!

Holger muss unseren Wassertank neu abdichten, was ihn für mehrere Tage schwitzend beschäftigt. Ein extra dafür beim „Chinamann“ billig gekaufter Trennschleifer geht bei dessen erster Benutzung augenblicklich in Rauch auf. Nach der nicht ganz so einfacher Rückgabe und einem Markenkauf beim Fachhändler gelingt Holgers Plan schlussendlich.

Wir besuchen zwei Oktoberfeste, die natürlich absolut nix mit spanischen Traditionen zu tun haben. Leberkäse und Sauerkraut, dazu mehrere leckere Schwarzbier lassen uns zu Höchstform auflaufen. Allerdings, wären keine Spanier zum Mitfeiern dagewesen, wir hätten ab 22.00 Uhr allein getanzt. Überhaupt stellen wir bei Feiern der deutschen Gemeinde auf La Palma immer wieder fest, dass wir erstens den Altersdurchschnitt enorm anheben und zweitens, dass Frohsinn nicht unbedingt ein Ziel vieler Auswanderer (auf Zeit) ist.

Wir besuchen mit unseren Bootsnachbarn Wolfgang und Gabi einen kanarischen Ringkampf „Lucha Canarias“. Die Regeln sind uns nicht gleich klar. Da sich das Event aber über mehrere Stunden erstreckt, können wir uns so manche Punktvergabe dann doch noch erklären. Mal wieder ist vom Baby bis zum Rollatorfahrer alles präsent. Wichtig ist wohl auch hierbei: Sehen und gesehen werden! Schwatzen und Thema des Schwatzes zu sein!

 

November

 

Auch durch den November werden wir von viel Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 30 Grad begleitet. Besonders Holger badet täglich und wir benutzen unsere Außendusche.

Wir sind nun ohne Auto und unsere Ausflüge finden in die nähere Umgebung statt. Nicht, dass wir dort noch so viel Neues zu entdecken glauben. Nein, es geht uns rein um die Bewegung.

Wolfgang und Gabi, unsere netten Bootsnachbarn, ermöglichen uns dank ihres Privat - PKW regelmäßige Einkaufsfahrten zu Lidl. Das vereinfacht unser Leben!

Mein „Mumie“-Paket kommt an und ich kann die zweimonatige Kur damit beginnen. Violetta hat mir dieses Naturheilmittel aus Russland zur Behandlung meines Schulterproblems empfohlen. Warum nicht? Es kann eigentlich nur besser werden, denn gut ist es noch lange nicht. Und das führt auch dazu, dass für mich in diesem Jahr der Plan „Karibik“ gestorben ist. Erst muss ich diesen blöden Schmerz los werden, der mich besonders nachts und bei unüberlegten Armbewegungen quält.

Der Heilige Sankt Martin wird hier im November mit Feiern überall auf der Insel geehrt. Dabei geht es im Allgemeinen ums Essen und Trinken, im Speziellen um geröstete Maronen und Rotwein. Außerdem bieten zahlreiche Restaurants der Insel an verschiedenen Ständen Kostproben ihrer Kochkünste zu kleinen Preisen an.

Die Verkaufskultur ist dabei kaum logisch zu erklären: Vier Mann stehen hinter einem Tresen. Einer von ihnen verkauft Coupons für Wein, Bier und Maronen. Beim Zweiten gibt man die Coupons ab und erhält leere Gläser. Der Dritte befüllt die Gläser. Der Vierte ist für die Maronen zuständig???????????? Das alles kann ganz schön lange dauern! Wolfgang und Gabi nehmen uns mit nach El Paso und wir erleben neben den leiblichen Genüssen auch noch eine Musikkapelle, die sich leidlich mit Beatles-Klängen abmüht. Vielleicht liegt es aber auch nur an der mangelhaften Technik? Trotzdem, ein schöner Nachmittag!

Der November ist auch der Monat, in dem bei mir das Heimweh einsetzt. Wir bekommen die ein oder andere nicht so schöne Botschaft von unserer Familie aus Deutschland und machen uns so unsere Gedanken.

Hin und wieder denke ich auch über das Thema Arbeit und Lebenssinn nach. Dann schreibe ich meiner ehemaligen Kollegin und sie schildert mir kurz und knapp die Lage vor Ort. In der Regel tritt sofortige Heilung ein und ich bin noch dankbarer für das Leben, das wir momentan führen dürfen.

Am 30. November wird in Los Llanos das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung gefeiert. Wir sind mit Hunderten von begeisterten Spaniern vor Ort. Bei dieser Massenbewegung fällt uns das Genießen der wunderschönen Lichter allerdings schwer.

Wir werden erst einige Tage später einen geruhsamen Spaziergang durch die engen Gässchen dieses schönen Städtchens machen und uns dann auch an der wundervollen Weihnachtskrippe erfreuen können.

 

Dieses Ereignis läutet aber auch für uns den Beginn der Weihnachtszeit ein. Wird dann die Sehnsucht nach Hause noch größer werden?

 

Dezember

 

Der Dezember wird bunt, vor allem in Bezug auf unser Gefühlsleben!

Heimweh zählt auch dazu, besonders bei mir. Immer wieder halten wir nach billigen Flügen nach Deutschland Ausschau, wägen das Für und Wider einer Heimreise ab. Letztendlich entscheiden wir uns dagegen und fassen dafür den Frühling ins Auge.

Was wir während des vergangenen Jahres gelernt haben, ist, dass Pläne sehr oft einfach nicht aufgehen. Dass manches aber auch einfach genau so kommen sollte und dann absolut richtig ist.

Wieder erleichtert uns ein Mietauto unseren Alltag, verpflichtet uns aber auch dazu, es täglich zu benutzen. Und so machen wir weitere Ausflüge, besonders entlang der Westküste und entdecken erstaunlicherweise immer noch Ecken, in denen wir bisher noch nicht umhergeschnüffelt haben.

In einer ehemaligen Schmugglerhöhle haben mittlerweile Einheimische Wochenendhäuschen gebaut. Wir fragen uns, wie sie all die Baumaterialien dorthin transportiert haben, da nur ein langer und äußerst steiler Weg zu diesem Ort hinab führt. Wahrscheinlich war der Weg übers Wasser der weniger beschwerliche?!

Wir feiern gemeinsam mit vielen anderen Gästen Berthold und Sandras Hauseinweihung. Ein schöner Abend mit Grillwürsten und Lagerfeuer!

Am 23. Dezember vertiefe ich mich komplett in die Vorbereitungen für den nächsten Tag. Ich mache Kartoffelsalat, Heringssalat und Geflügelsalat. Nebenbei schaue ich eine Reportage über Weihnachten und bekomme plötzlich dieses sonderbare Weihnachtsgefühl. Ich freue mich sehr darauf, dass wir am nächsten Tag Gäste haben werden. Sandra und Berthold werden meinen Geburtstag mit uns verbringen.

Danke auch allen Anrufern und Whatsappern. Ihr habt wieder einmal den Tag zu einem ganz besonderen Tag für mich gemacht!

                           Nun ist das Jahr fast um. Morgen ist Silvester. Wir werden auf jeden Fall ordentlich feiern und auf das neue Jahr anstoßen. Ein Feuerwerk wird es hier nicht geben, dafür aber 12 Weintrauben, für jeden Schlag der Mitternachtsglocke eine.

Wir sind eben nach wie vor in einem anderen Land, das uns aber gar nicht mehr so fremd vorkommt. Danke, La Palma, für deine Gastfreundschaft!

 

Allen, die trotz meiner Schreibblockade, immer noch ab und zu auf diese Internetseite schauen, wünschen Holger und ich

 

Ein gesundes und friedliches 2020!

 

 

 

01.06.2019 - 20.06.2019 :                                                                                                     126 Seemeilen,                                                                                                       12 Tage vor Anker,                                                                                                   5 Tage in der windigen Marina von San Sebastian / La Gomera          ........und am Ende: Wieder in Tazacorte / La Palma!!!!                 

El Hierro : La Estaca / La Palma : Tazacorte                                                                 Ein bisschen wie Nachhausekommen!                                                                                                 03.05.2019 – 25.05.2019

 

 

 

 

Am 3. Mai verließen wir La Restinga auf El Hierro mit dem Ziel La Gomera. Doch es sollte komplett anders kommen:

Wir ließen den Hafen bei bedecktem Himmel und Nieselregen hinter uns und fuhren unter Motor in nördliche Richtung. Als Holger dann die Segel setzen wollte, stellte er fest, dass die Führungsschiene des Besansegels einen Bruch hatte. Somit hätten wir unser kleines „Mädchensegel“ an diesem Tag nicht einsetzen können. Das wollten wir aber nicht. Also bogen wir kurzerhand in den nächst gelegenen, uns bereits vertrauten Hafen von La Estaca ab.

Demzufolge immer noch auf El Hierro, betrachteten wir das als Fügung und entschlossen uns, zwei weitere Tage hier zu verweilen. Wir verbrachten sie mit ausgiebigen Spaziergängen in die nähere Umgebung.

 

Am Sonntag, den 5. Mai warf ich einen Blick auf unseren spanischen Kalender und stellte fest, dass es dort den Eintrag „Dia de la madre“ gab. Also griffen wir rasch zum Telefon und gratulierten unseren beiden Muttis in Deutschland zum besagten „Muttertag“. Sie freuten sich und hatten keinerlei Einwände. Später an diesem Tag sollte sich herausstellen, dass Muttertag nicht gleich Muttertag ist und dass wir mit unseren Glückwünschen bei unseren deutschen Müttern um exakt eine Woche daneben lagen. Somit war eine Wiederholung des Vorgangs einen Sonntag später angesagt. Doppelt hält sicher auch besser!

 

Am 6. Mai verabschiedeten wir uns dann endgültig von El Hierro, nach vier Wochen Aufenthalt auf der kleinen Insel. Die Wetterprognose für ein ruhiges Ankern vor La Gomera passte uns nicht und so verschoben wir diesen Plan. Wir entschlossen uns, erst einmal zurück nach La Palma zu segeln. Schließlich warteten dort bereits angekommene Bestellungen auf uns und damit auf Holger die nette Aufgabe, unsere Toiletten zu erneuern. Diese wichtigen Bootsbestandteile sind schon seit längerer Zeit unsere Sorgenkinder und erforderten immer wieder Holgers verständnisvolle Aufmerksamkeit. Nun sollte es eine Kompletterneuerung geben.

Bei guten Windverhältnissen setzten wir also all unsere drei Segel und kreuzten gen Norden. Die Schräglage unserer Aplysia erwies sich für mich als echte Herausforderung. Ich merkte, dass es irgendwie schon ein Weilchen her war, dass meine aufrecht zum Horizont stehende Welt so aus dem Gleichgewicht geraten ist. Holger hingegen überließ das Steuer an diesem Tag nur sehr selten unserem Autopiloten Horst. Endlich mal wieder über viele Stunden segeln und dabei auch noch recht gut vorwärts kommen! Ein Traum!

„Wenn es nach Banane riecht, dann sind wir fast da!“, merkte ich an. Und so kam es, dass wir mit untergehender Sonne Witterung von La Palma aufnahmen. Nach knapp 15 Stunden auf See lag Aplysia wieder im Hafen von Tazacorte.

Es ist ein bisschen wie Nachhausekommen, wenn man von einer größeren Anzahl bekannter Gesichter so herzlich begrüßt wird. Und so kam es, dass wir uns sehr schnell wieder pudelwohl fühlten. Im Vorfeld hatte Holger schon sorgenvoll zu mir gesagt: „Am besten, ich segle gleich durch bis nach Madeira. So schnell krieg ich dich von Tazacorte wohl nicht wieder weg.“ Er hatte mich wohl durchschaut!

 

Wir kamen nur wenige Tage vor dem „Transvulcania Marathon“ hier an und überall konnte man die begeisterten Vorbereitungen auf diesen 74 km langen Lauf verfolgen. Über 3000 Teilnehmer konnten ihr persönliches Limit auf unterschiedlich langen Strecken aus sich herausschwitzen. Es ist wohl das größte Sportereignisse auf La Palma und zieht jedes Jahr Läufer aus der ganzen Welt an.

Auch wir nahmen begeistert Anteil an der Veranstaltung, allerdings nur neben dem Zieleinlauf. Dort beklatschten wir die völlig erschöpften Teilnehmer und freuten uns mit ihnen über eine derartige Leistung. Wie man 74 km in unter 8 Stunden über derartige Höhenunterschiede bei über 30 Grad in der Sonne bewältigt, ist und bleibt uns ein großes Rätsel. Man muss sein Leben schon voll und ganz diesem Sport widmen, damit man irgendwann dazu in der Lage ist. Na gut, die letzten Läufer kamen „erst“ nach 15 Stunden ins Ziel. Aber auch das ist immer noch ein erstaunlich gutes Ergebnis!

Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Veranstaltung: Am Abend gab es ein Rockkonzert, selbstverständlich nicht ohne unsere Anwesenheit! Die erste der beiden Bands gab alles, um die Zuhörer mit ihrem extrem lautem Gitarrengeschramme rasch zu Hörgeräteträgern zu machen. Natürlich wurden die kleinsten Teilnehmer in ihren Kinderwagen in Höhe der Lautsprecher postiert. Wir staunten mal wieder, dass sie das ohne einen Heulton des Protests mit sich machen ließen. Einige der kleinen Wesen schliefen sogar seelenruhig ein, obwohl um sie herum der Musikkrieg tobte.

Während der letzten Konzerte, die wir auf der Insel miterlebten, standen immer nette junge Damen mit auf der Bühne, die die Liedtexte in Gebärdensprache, also für Gehörlose, übersetzten. Ich glaube zu erahnen, dass dies auch bitter notwendig ist, denn spätestens als Teenager muss man hier taub gerockt sein!

Mit viel Geduld und nach zwei „Doppelrum-Cola“ erlebten wir dann auch noch relativ spät die zweite Band. Sie entschädigte uns mit sanfteren Klängen und einer angenehmen Frauensingstimme für die Warterei und animierte uns sogar zum Tanzen. Nachts ging es dann 6 km zu Fuß durch Bananenplantagen hinab in den Hafen. Mit runden Füßen lagen wir um 2.30 Uhr in unseren Kojen.

 

Etliche schöne Stunden verbrachten wir noch mit unseren Stegnachbarn Sandra und Berthold. Unter anderem gingen wir gemeinsam ins Kino und schauten uns den lustig gemeinten Film „Sterben für Anfänger“ an.

Am 20. Mai allerdings nahmen wir Abschied von einander, denn wir wollten am nächsten Tag nach Madeira aufbrechen und für die beiden sollte es bald zu den Azoren gehen.

 

So starteten wir am nächsten Morgen in nördliche Richtung.

Hinter der Abdeckung von La Palma gerieten wir in die Aszellerationszone und wurden ordentlich durchgeschüttelt und durchgepustet. Je weiter wir uns von der Insel entfernten, umso besser lief es. Bei Windstärken von 4-5 Beaufort und einer Welle von 1,5m – 2,00 m ging es auf Kreuzkurs nicht übermäßig schnell, aber gleichmäßig voran.

Unsere Windsteueranlage Erwin hielt uns, nachdem sie mehr als ein Jahr nicht zum Einsatz kam, gut auf Kurs. Unser AIS sagte uns, dass um uns herum kein anderes Schiff unterwegs war. Und so blickten wir der bevorstehenden Nacht relativ entspannt entgegen. Meine einzige Sorge: Gelingt es mir, für ein paar Stunden einzuschlafen und neue Kraft zu tanken, damit Holger sich dann ausruhen konnte? Und so kam es, wie es kommen musste: Ich legte mich hin, konnte aber nicht wirklich schlafen.

Nach einiger Zeit hörte ich durch meine Ohrstöpsel ein seltsames Rascheln und stellte außerdem fest, dass die Schiffslage sich irgendwie verändert hatte. „Holger, was ist das für ein Geräusch?“ Wir waren beide sofort hellwach, als wir erkannten, dass unsere Fog heruntergefallen war und zum größten Teil im Atlantischen Ozean schwamm. Holger kletterte sofort auf den Bug und konnte das große Segeltuch bergen. Nun blieben uns zwar noch Großsegel und Besan, aber damit allein kam Aplysia nicht zurecht und mitten in der Nacht wollten wir keine Umbauten auf dem schaukeligen Deck vornehmen. So mussten wir uns nach gut 60 Seemeilen dazu entschließen, nach Tazacorte zurückzukehren. Madeira war zu diesem Zeitpunkt immer noch 180 Seemeilen von uns entfernt. Mit Lores zuverlässiger Motorunterstützung ging es also wieder nach Tazacorte.

Im Hafen wurden wir mit eifrigem Winken und Huhu-Rufen von einer der netten Marinabürodamen willkommen geheißen. Und wieder spürten wir dieses warme Gefühl von Nachhausekommen. Wir hatten uns zwar einen anderen Ankunftsort vorgestellt, aber wie soll man sich über einen windfreien Hafen mit viel Sonnenschein und jeder Menge freundlicher Menschen ärgern?

 

In den vergangenen Tagen verbrachte Holger viele Stunden der Sonne ein Stück näher an der Spitze unseres großen Mastes. Wie bekommt man die Fogfall wieder durch diesen 12m-Mast gezogen? Das war gar nicht so einfach! Dank Holgers Kreativität und unserer goldenen Schleppangel mit extra starker Angelsehne konnte das Problem nun aber gelöst werden.

 

Jetzt sind Aplysia und ihre Crew wieder segelbereit und werden das demnächst auch tun!

 

 

 

 

El Hierro : La Restinga                                                                                               Vom Winde verweht!                                                                                                       18.04.2019 – 03.05.2019

 

 

 

 

„Dort müsst ihr unbedingt hin!“

„Fahrt nicht erst nach La Estaca! Fahrt lieber gleich nach La Restinga!“

„Dort ist es viel viel schöner!“

 

Diese Tipps hallten in unseren Köpfen nach, als wir am 16. April den Hafen von La Estaca ( und somit auch eine jederzeit verfügbare warme Dusche ) verließen und in Richtung Süden nach La Restinga aufbrachen. Bei mäßigem Wind, selbstverständlich wieder einmal aus der verkehrten Richtung, verabschiedeten wir uns von unserem schaukeligen Liegeplatz und unserem netten Bootsnachbarn Till aus Hamburg.

Nach einigen Versuchen, gegenan zu kreuzen, gaben wir letztendlich auf, denn wir kamen nur wenige Seemeilen in unsere Richtung voran. Es sollten zwar auch nur insgesamt 8 Nautische Meilen bis zum Ziel sein, aber nach drei Stunden warfen wir unsere Lore an und von nun an ging es schnurstracks geradeaus nach La Restinga.

Im Hafen erwartete uns Thomas, der uns sogleich mit einem passenden Stegplatz versorgte.

Und nur wenige Minuten später stand dann ein sehr aufgeregter spanischer Wachmann vor unserer Tür. Dass der echte Hafenmeister momentan im Urlaub sein sollte, wussten wir bereits von einem vorausgegangenen Besuch mit dem Auto. Dieser Ersatzchef nun wollte alle Formalitäten in Windeseile und mit vielen mir unbekannten spanischen Worten erledigen. Das wirklich Wichtige, einen Stegschlüssel, bekamen wir dann allerdings nicht von ihm, sondern von Thomas. Der eigentliche Stegschlüsselbevollmächtigte Dario blieb für den Rest des Tages ein Phantom.

 

Am nächsten Tag konnten wir hochsommerliche Temperaturen bei sehr wenig Wind und viel Sonnenschein mit Baden und Erkundungsgängen genießen. Es stimmte also alles, was wir über La Restinga gehört hatten! Hurra!

 

Bereits einen Tag später allerdings zeigte diese Ecke der Insel ihr wahres Gesicht: Der Wind nahm stetig zu und bei 5 bis 6 Windstärken, in Böen 7, wurden wir tagsüber und auch nachts ordentlich durchgeschaukelt.

Seit unserer Ankunft schwankten diese Windverhältnisse nur noch minimal. Selten erlebten wir seitdem ein bis zwei Windstärken weniger, dafür öfter noch eine Windstärke mehr. Da machten Baden und eine anschließende Außendusche mit kaltem Wasser nicht mehr wirklich Spaß. Leider!

 

So vergingen unsere Ostertage mit Spaziergängen durch einen Ort, der architektonisch nicht wirklich viel zu bieten hat, und mit kurzen Badevergnügen im windgepeitschten Wasser des Hafens von La Restinga.

Auch um den Ort herum gab es nur wenig, was unsere Augen entzückte. Den Hintergrund bilden vegetationslose Vulkankrater, zu deren Füßen schwarze Lavafelder hinab ins Meer führen.

Keine Bäume, keine blühenden Sträucher, keine glücklichen Tiere!

Es dauerte nicht lange, und mein Körper sendete erste Entzugserscheinungen ans Großhirn. Diese äußerten sich in einer depressiven Stimmung und Sehnsuchtsgefühlen nach La Palma und der schnuckeligen Marina von Tazacorte. Holger hatte es nicht leicht mit mir!

 

Zwei Tage später saßen wir dann im Bus, der uns innerhalb einer Stunde nach Valverde brachte. Endlich erblickten meine Augen wieder das, wonach sie sich so gesehnt hatten: Landschaften mit Pflanzen und Tieren!

Die Inselhauptstadt, Ups!Tippfehler! Das Inselhauptdorf Valverde erwartete uns in vollkommener Stille, denn es war Siestazeit. Von ca.13.00 Uhr bis ca.17.00 Uhr haben dort außer drei kleine Supermärkte alle anderen Geschäfte geschlossen. Und auch viele der Gaststätten gönnen sich diese „kleine“ Auszeit. Wir kamen sowieso nicht zum Shopping, sondern wollten uns den 2000- Seelen- Ort einfach mal in Ruhe anschauen. Das war dann relativ schnell erledigt: Kirche mit Vorplatz, ein bisschen Altstadt drumherum, Einkaufsstraße mit geschlossenen Geschäften. Dies alles dauerte keine halbe Stunde. Also drehten wir die Ortsrunde mehrfach, aßen in einer Bar „Papas Locas“ ( dt. Verrückte Kartoffeln ) und erledigten den geplanten Kauf einer externen Festplatte. Unser Stegnachbar Thomas hatte uns nämlich zahlreiche Filme zum Überspielen angeboten.

Nach drei Stunden Hauptstadtstress ging es dann wieder zurück in unser windiges Zuhause. Böen von 7 Beaufort erwarteten uns auch an diesem Abend, schaukelten uns in und aus dem Schlaf.

 

Den kommenden Tag wollten wir ebenfalls nicht an Bord unserer Aplysia verbringen. Also, wieder ab zur Bushaltestelle. Schließlich waren wir nun im Besitz einer Rabattbusfahrkarte. Damit konnten wir noch preiswerter unterwegs sein.

Auf ging es in den nächst gelegenen Ort: El Pinar. Von dort aus wollten wir die ca. 8km zurück in unseren Hafen laufen.

Der Beginn der Strecke bot auch noch etwas Abwechslung mit kleinen, teils recht hübschen Häuschen, Gärten voller Kartoffeln, Zwiebeln und Weinreben, Kakteen, blühenden Büschen und Bäumen.

Mit jedem verlorenen Höhenmeter verlor jedoch auch die Landschaft ihren Reiz. Wir näherten uns eben wieder der vegetationsfreien Zone. Dazu knallte die Sonne ungebremst auf unsere Köpfe.

Trotz Kopfbedeckung und Sonnencreme hatte ich am Abend ein pochendes Matschhirn unter meiner Schädeldecke. Aua!

 

Und auch gestern, am „ Dia del trabajador“, dem Feiertag der Arbeiter, brachte uns der Bus pünktlich und zügig in einer knappen halben Stunde den staubigen Berg hinauf in eine gefühlt andere Welt.

Von El Pinar aus machten wir uns diesmal auf einen Rundweg mit herrlichen Ausblicken bis hinab zum Meer. Um uns herum zahlreiche Kartoffelfelder, etwas Weinanbau, riesige Kakteen und zarte Mandelbäumchen. Am Wegesrand bunte Blumen und etwas höher dann die in der Sonne herrlich duftenden Pinien.

Auf einer Bank oberhalb eines schmucken Ferien?häuschens machten wir Rast und beobachteten Ziegen, deren Halsglöckchen friedlich bimmelten, und Vögel, die nahe über unseren Köpfen dahinglitten und ihre Rufe aussendeten. Kein anderer Mensch teilte diesen idyllischen Augenblick mit uns. Wir waren dort völlig allein.

Wenn der gestresste Deutsche im Urlaub vom „Runterkommen“ redet und sich dabei den Strand oder den Hotelpool mit Hunderten anderer Touristen teilt, so hat er noch nicht die Erfahrung des wirklichen Runterkommens inmitten einer herrlichen Natur und vollkommener Einsamkeit gemacht. Hier auf der Insel ist das Problem dann eher wieder das „Raufkommen“ - auf den nächsten Berg oder in den Arbeitsalltag.

Auf dem Rückweg verpassten wir mal wieder den richtigen Abzweig, und auf einen Blick von der im Wanderführer angekündigten Aussichtsplattform mussten wir somit verzichten.

Zurück in El Pinar, machten wir uns auf den Weg in eine Gaststätte, die man uns für ihr herrliches Ziegenfleisch empfohlen hatte. Und tatsächlich, im „El Sabinar“ gab es nicht nur leckeres eiskaltes Bier, sondern auch eine fantastische inseltypische Suppe und das berühmte Ziegenfleisch. Wir hatten Ziege auch vorher schon mehrfach probiert, aber das hatte mehr mit Knochenabnagen zu tun. Dieses Mal jedoch war der Teller voll zarter Fleischstücke, die wohl vor dem Garen schon ein paar Tage in einer kräftigen Marinade gelegen hatten.

Seit Lanzarote haben wir nicht mehr so lecker in einer Gaststätte auf den Kanaren gespeist. Da waren wir uns einig.

 

Ja, und heute stehen alle Signale bereits auf Abfahrt.

Morgen früh werden wir El Hierro verlassen. Wenn nichts dazwischen kommt!

 

Und dann melden wir uns wieder.

Woher? Überraschung!