Willkommen an Bord der Aplysia
Willkommen an Bord der Aplysia

La Palma / El Hierro                                                                                                  Nicht Madeira!                                                                                                              01.04.2019 – 18.04.2019

 

 

 

 

 

 

Teil I : Der Aufbruch

 

Der 1. April sollte, ganz ohne Scherz, unser „Tag des Aufbruchs“ werden. Der Plan stand schon lange fest. Es sollte nach Madeira und deren Nachbarinsel Porto Santo gehen.

Beim Segeln hängen größere Pläne aber bekanntlich auch sehr stark vom passenden Wetter ab, und schlechtes Wetter durchkreuzte dieses Mal unser schönes Vorhaben. Bei unpassendem Wind, einer deutlichen Welle und Regenschauern hielten wir unsere Füße ganz still und kauften uns für eine weitere Woche in der Marina Tazacorte ein.

 

Wir nutzten diese Tage, um unsere Abreise vorzubereiten und den auf La Palma entstandenen Freundschaften Zeit zu widmen. Außerdem liehen uns unsere Bootsnachbarn Sandra und Berthold ihr Stand-Up-Paddle und wir vollführten erste mehr oder weniger geglückte Paddelversuche in der Marina. Ich muss gestehen, dass ich dabei nicht ein einziges Mal ins Wasser fiel und deute dies als Zeichen eines minimalen Talents für diese Sportart. Wir stehen dem Kauf eines derartigen Sportgerätes aber immer noch zögerlich gegenüber. Wenn man so allein auf diesem Brett übers Wasser gleitet, kann das auch schnell langweilig werden, vermute ich.

 

Weiterhin erhielten wir nette Post von Uwe und Doris aus der Karibik. Sie sind im Dezember 2018 von Tazacorte über die Kapverden dorthin aufgebrochen. Wir konnten ihnen per E-Mail einige Fragen zur momentanen Situation vor Ort stellen und sie beantworteten diese durchgehend Mut machend und motivierend. Leider kursieren unter Seglern auch immer wieder andere Gerüchte, die oft äußerst abschreckend wirken.

 

Den letzten Tag verbrachten wir mit Sandra und Berthold, die uns zu einer kleinen Spazierfahrt in ihrem PKW einluden. Noch einmal besuchten wir den netten Wochenendmarkt in Puntagorda und verabschiedeten uns bei lecker Kaffee und Kuchen von einander. Man wird sich sicher wiedersehen!

 

Abends lösten wir die Leinen vom Steg und legten uns in Sichtweite zur Marina vor Anker. Diese uns erst so genial erschienene Idee, dort zu ankern, erwies sich recht schnell als doch nicht so toll. In der Nacht machte ich nämlich dank des unangenehmen Schwells kein Auge zu.

 

Mit meinem ausgeschlafenem Steuermann ging es sehr zeitig am Morgen des 7. April dann los. Vor uns lagen 51 Seemeilen gen Süden. Unser neues Ziel hieß El Hierro, die kleinste von den Kanarischen Inseln, die wir bisher besucht haben.

Die Vorhersage versprach uns einen gemäßigten Nordwestwind. Auch die Wellenprognosen waren moderat. Wie so oft, sollte es aber anders kommen. Der Wind schlief immer mehr ein und die Welle entwickelte sich zu einer unangenehmen Hin-und Herschaukelei. Meine Pläne, mich während der Überfahrt ins Bett zu verkriechen, um fehlenden Schlaf nachzuholen, scheiterten. Dafür schien uns die ganze Zeit über die Sonne von einem strahlend blauen Himmel herab.

 

Teil II: Die Ankunft / La Estaca im Nordosten von El Hierro

 

El Hierro kam immer dichter und uns erwartete ein Begrüßung der ganz besonderen Art:

Hunderte, vielleicht auch mehr, Seevögel hatten sich vor der Insel auf dem Meer versammelt. Wahrscheinlich war für sie der Tisch an dieser Stelle besonders reichlich mit Fisch gedeckt. Auch Delfine ließen nicht lange auf sich warten. Sie schossen urplötzlich auf unsere Aplysia zu und sprangen einen kurzen Moment vor ihrem Bug freudig hin und her. Ein schönes „Herzlich Willkommen!“, was ich dankbar auf Video festhielt.

 

Nach 11 Stunden Überfahrt erreichten wir La Estaca, den nördlicheren der beiden Häfen von El Hierro. Er ist ebenfalls der einzige Fährhafen der Insel und bietet Seglern eigentlich immer einen freien Stegplatz. Dafür ist er aber recht abgelegen und wird nicht selten von Windböen kräftig durchgeweht.

 

Uns gelang es relativ problemlos und auch bezahlbar beim örtlichen Autovermieter Cicar einen Opel Corsa für den übernächsten Tag zu mieten. Und somit diente uns La Estaca als perfekter Ausgangspunkt um die Insel zu erkunden.

 

Teil III: 10 Gründe, El Hierro, das einstige „Ende der Welt“, zu besuchen

 

1.) Wenn man entschleunigen möchte und dazu gerne wandert, ohne einem anderen Menschen zu begegnen, dann ist man auf der Insel mit ihren nur rund 10 500 Einwohnern genau richtig.

 

2.) Wenn man beim Wandern Freude an verschiedenartigen Bäumen, herrlich blühenden Blumen und glücklichen Nutztieren empfindet, dann ist das hier der richtige Ort.

 

3.) Wenn man auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Vegetationszonen erleben möchte, wenn man praktisch alle Kanarischen Inseln auf einer haben möchte, dann kommt man hierher.

 

4.) Wenn man an nur einem Tag bei über 30 Grad im glasklaren Meer schnorcheln möchte und anschließend bei unter 15 Grad im feuchten Passatwolkennebel durch Gespensterwälder gehen möchte, dann sollte man das hier tun.

 

5.) El Hierro war und ist ein Endpunkt:

 

Bevor Christoph Kolumbus entdeckte, dass unsere Erde wohl rund sein müsse, glaubten die Menschen, dass El Hierro das Ende der Welt wäre. Wer weiter übers Meer reiste, würde von der Scheibe herunterfallen.

 

In der Nähe des Leuchtturms „Faro de Orchilla“ findet man den einstigen Nullmeridian. Bevor ihn die Briten „klauten“ und nach Greenwich verlagerten, begann und endete hier die Einteilung der Welt in ihre Längengrade.

 

Wenn man das südwestlichste Ende der Europäischen Union besuchen möchte, dann findet man es hier.

 

Derjenige, den das alles näher interessiert, der sollte einmal nach El Hierro reisen.

 

6.) Wenn man fangfrischen Fisch und andere Meeresbewohner gerne gegrillt, gekocht oder fritiert verzehrt; wenn man Kaninchen- oder Ziegenfleisch garantiert Bio auf seinem Teller haben möchte, dann ist das hier preiswert und lecker möglich.

Weiterhin gibt es delikaten Käse von glücklichen Kühen und Ziegen oder süße Käseküchlein, dazu Wein von der Insel. Ein Festmahl!

 

7.) Wenn man erspüren möchte, wie und wovon die Menschen auf den Kanaren einst lebten, dann kann man hier eventuell noch ein Gefühl dafür entwickeln. El Hierro ist noch schlicht und ursprünglich geblieben.

Es gibt noch keine großen ausländischen Hotelketten auf der Insel. Urlauber wohnen in den wenigen kleinen Pensionen oder schicken Ferienhäuschen.

Das einzige Kurhotel der Kanaren verspricht hier Heilung durch das Trinken einer schweflig-salzigen Brühe.

Ein staatliches Hotel liegt mitten im Nirgendwo und wartet wahrscheinlich auf überwiegend spanische Gäste.

Ach ja, und es gibt da noch das kleinste Hotel der Welt auf der Insel (laut Guinessbuch!).

 

8.) Wenn man gerne im kühlen Atlantik badet, so kann man das hier in verschiedenen kleinen Badebuchten zwischen Felsen und mit schwarzem Sand oder zahlreichen liebevoll angelegten Badebecken entlang der gesamten Küstenlinie tun.

 

9.) Die „Herrenos“, wie sich die Inselbewohner nennen, waren und sind Meister des Natursteinmauerbaus. Nirgendwo sonst habe ich solch gut gemachte Mauern um Grundstücke, Ackerbereiche oder Aussichtspunkte gesehen. Die Königin der Mauern aber steht wohl in La Restinga und dient dem dortigen Hafen als Schutz vor dem Meer. Will man sie bewundern oder sich ein bisschen wie in Irland fühlen, dann kann man auch einmal El Hierro besuchen kommen.

 

10.) El Hierro braucht eigentlich keine Werbung, denn es ist gut so, dass dieser Ort noch nicht vom Massentourismus zerpflückt wurde. Es ist auch gut so, dass man sich diese Insel durch eine etwas umständliche Anreise verdienen muss. Steht einem nicht gerade ein Segelboot zur Verfügung, nimmt man nämlich erst ein Flugzeug nach Teneriffa, um dann weiter mit Inselhopper-Flieger oder Fähre anzureisen.

Ich glaube, El Hierro ist sehr speziell und wahrscheinlich auch nur etwas für ziemlich spezielle Leute! Und das ist auch gut so!

 

 

Teil IV : La Restinga – ein Fischereihafen im Südosten der Insel

 

Am 16. April trennten wir uns vom Opel Corsa, packten die Wanderschuhe wieder ein und machten uns startklar, um den Hafen von La Estaca zu verlassen.

Wir wollten noch weitere 8 Seemeilen gen Süden.

Den dortigen Hafen von La Restinga hatten wir uns vorher schon auf einer Autotour angeschaut und dabei Kontakt zum Hafenmeister aufgenommen.

Die letzte Berührung mit einem dieser „Puertos Canarias“ hatten wir vor langer Zeit auf Fuerteventura. Es waren damals auch schon immer spannende und nicht ganz unkomplizierte Begegnungen mit den Bossen vor Ort.

Und auch hier lief es darauf hinaus, dass der Hafenchef nur Spanisch sprach und ich einen Großteil meines bisher erlernten Wortschatzes, ob nun richtig oder falsch, bemühte, um unser Anliegen deutlich zu machen. Seine Antwort auf unsere Frage nach einem Liegeplatz war, dass wir uns übers Internet einen reservieren müssten und er in der nächsten Woche sowieso im Urlaub wäre.

Wir taten unser Bestes und meldeten uns über die entsprechende Website an. Die digitale Antwort lautete: „Sie sind registriert.“ Ob wir nun einen der wenigen Plätze sicher hatten oder nicht, blieb offen.

Also fuhren wir auf blauen Dunst in den Hafen ein und hatten Glück, dass uns ein deutscher Stegnachbar in eine freie Box lotste. Der verantwortliche Security- Spanier ließ dann nicht lange auf sich warten. Die letzte Bootsleine war noch nicht am Steg befestigt und ich sollte schon Pässe, Boots- und Versicherungspapiere zur Fotokopie vorlegen. Eine Woge von fremdartigen spanischen Vokabeln ergoss sich über mich. Nach dieser Begrüßung war ich erst einmal geschafft!

Unser netter Bootsnachbar Thomas besorgte uns alsbald einen Stegschlüssel, damit wir das Festland betreten konnten. Die mehr oder weniger Urlaubsvertretung des Hafenmeisteres kassierte einen Tag später den Schlüsselpfand. Seitdem passierte nichts mehr. Zur Erinnerung: Der Chef vor Ort ist im Urlaub und vor nächstem Montag nicht wieder im Einsatz. Und bis dahin liegen wir hier praktisch für 10,00 Euro Schlüsselauslöse. Lustig!

Der Hafen grenzt an einen kleinen Ort, der bestimmt nicht durch seine Architektur anzieht. Die Menschen, die hierher kommen, sind in erster Linie Spanier, die bei schönem Wetter baden, schnorcheln oder tauchen wollen. Dafür ist La Restinga berühmt, für seine super Tauchreviere. Und so bieten zahlreiche Anbieter Bootsfahrten in kleinen Schlauchbooten hinter die hübsche Hafenmauer an, wo man in kristallklarem Wasser die interessantesten Meeresbewohner beobachten kann. Selbst hier im Hafenwasser kann man Schildkröten entdecken und unter unserem Schiff große Fische schwimmen sehen.

Wir werden die Ostertage hier verbringen und auf günstiges Wetter für eine Weiterfahrt warten. Im Moment bläst der Nordostwind äußerst kräftig mit bis zu 7 Beaufort.

 

Frohe Ostern!!!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                          Turbulenzen im März                                                                                                    02.03.2019 – 31.03.2019

 

 

 

 

Im wahrsten Sinne des Wortes verlief der Monat März bei uns turbulent mit zahlreichen Ausschlägen, sowohl positiver als auch negativer Art.

 

Begonnen hat alles mit den Karnevalspartys zu Monatsbeginn:

In Los Llanos stand die diesjährige Feier unter dem Motto „Mexiko“ und demzufolge flanierten unzählige Menschen mit bunten Sombreros auf den Köpfen durch das Stadtzentrum. Die Hauptattraktion der Karnevalsfeiern auf der Insel ist aber das „polvo“. Diesseits von La Palma ist dieses Puder farbenfroh, in der Hauptstadt ausschließlich weiß.

Was tun die Menschen mit dem Babypopopflegeprodukt? Sie überschütten sich gegenseitig damit, bis vom Kostüm und dem darin verborgenen Menschlein kaum noch etwas zu erkennen ist. Ein Umzug, bestehend aus drei Wagen mit ganz vielen Puderkanonen, zwängt sich mittags durch die Menschenmengen und vollendet das Kunstwerk der bunten Pracht an Mensch, Straßenbäumen und umstehenden Gebäuden. Dieses Spektakel ist zwar kurz, dafür aber intensiv und erhöht die Feinstaubbelastung augenblicklich auf 100%.

Im Anschluss wird mit viel Rum und lauter Musik auf einem Festplatz getanzt oder Popo gewackelt. Da wir nicht wie die Spanier eine Siesta am Nachmittag einlegten, hatten wir gegen Abend einfach keine Lust mehr und verließen die Party recht zeitig. Schließlich mussten wir zwei Tage später erneut fit für den weißen Karneval „ Los Indianos“ in Santa Cruz, der Inselhauptstadt, sein.

Dort erschienen wir dann auch voller Neugierde und in ein passend weißes Outfit gehüllt. Gut organisierte Zubringerbusse brachten immer neue, weiß gekleidete „Narren“ zum Schauplatz des Geschehens. Es sollten an diesem Tag noch bis zu 15000 Menschen anreisen.

Als wir um die Mittagszeit eintrafen, war die Stadt schon kaum noch wieder zu erkennen. Unter einer dicken weißen Pulverschicht lagen bereits Palmen und Straßenbeläge begraben und schick angezogene Menschen bewegten sich allerorts in bester Feierlaune. Allerdings hätten wir auch hier nachmittags eine kleine Siesta gebraucht, um lange durchhalten zu können. Somit endete auch dieser Ausflug in eine völlig andere Form des Faschings für uns noch vor dem Dunkelwerden.

Warum überhaupt „weißer“ Karneval? Die Insulaner machen sich am Rosenmontag alljährlich über die Rückkehrer aus Südamerika lustig, die einst mit Koffern voller Geld und ihren dunkelhäutigen Bediensteten im Gepäck hochnäsig nach La Palma zurückkamen.

Die Figur der „Negra Tomasa“ verkörpert heutzutage am Karnevalstag jene Hausangestellten. Dafür wird ein kräftiger Insulaner schwarz geschminkt, mit üppigen weiblichen Rundungen bestückt und in ein entsprechendes Kleid gesteckt. Auf einem Boot landet er vormittags im Hafen von Santa Cruz und erscheint später nochmals auf dem zentralen Kirchenvorplatz. Den ganzen Tag wird er dann unter Jubelrufen auf der Ladefläche eines kleinen LKW durch die Stadt gefahren.

 

Karneval auf La Palma ist ein wirklich interessantes und wohl auf der Welt auch einmaliges Fiestaerlebnis!

 

Einziger Kritikpunkt ist und bleibt, wie bei fast allen Feiern auf der Insel, die Versorgung mit Toiletten. Ein Mann kann sich ja immer noch leicht behelfen mit Palmenstämmen, Hibiskushecken oder Hauseingängen (Puh!). Als Frau steht man aber ganz schön blöd da, wenn die zehn einzigen Dixie-Klos ständig überlaufen (sind) und Gaststätteneingänge plötzlich versperrt sind, weil sie zu Tresen umfunktioniert wurden, an denen man reichlich Bier und Rumgetränke ausschenkt.

Der mobile Toilettenwagen, wie wir ihn vielerorts aus Deutschland kennen, ist hier noch eine absolute Marktlücke. Bei allem Respekt vor jeder Klofrau, ich könnte diese Geschäftsidee allerdings nicht verwirklichen!

 

Einen Kater hatten wir nach der Feierei nicht, aber drei Tage später lag Holger mit über 39 Grad Körpertemperatur fiebrig im Bett. Somit bestieg ich zum ersten Mal den Hausberg allein und erledigte auch den Wocheneinkauf bei Lidl ganz ohne meinen geduldigen „Gepäckträger“.

Aber auch ich sollte nicht ungeschoren davon kommen. Zwei Tage nach Holgers Komplettausstieg, lag auch ich fest auf der Matratze. Irgendein gemeiner Virus fesselte uns mit diversen Gebrechen nun eine Woche lang an Boot und Bett.

Besonders bitter daran war, dass wir uns schon auf unseren Besuch aus Deutschland vorbereiteten und die Vorfreude auf Sohn, Schwiegertochter und Enkelin gar nicht so recht genießen konnten. Wir hofften nur von Tag zu Tag, dass wir bei ihrem Eintreffen wieder beschwerdefrei sein würden.

 

Am 16. März war es dann soweit:

Wir konnten unsere Lieben auf dem Flughafen von La Palma in die Arme schließen. Zum zweiten Mal auf unserer bisherigen Reise kamen sie zu uns. Ihr erster Besuch fand vor mehr als einem Jahr in Sesimbra, Portugal, statt.

Unsere kleine Ida hatten wir nun schon ein halbes Jahr lang nicht mehr gesehen und die Fortschritte, die sie seitdem gemacht hat, waren unübersehbar. Nun konnte sie alleine laufen und uns schon so viele Dinge in Kindersprache erzählen. Ihr Lieblingsspiel war mittlerweile Puppe an- und ausziehen, ihr Lieblingsessen Nudeln mit Soße.

Leider war auch dieser liebe Besuch von Krankheit überschattet. Zuerst lag das kleinste Familienmitglied wie im Koma auf der Matte, dann folgte, sich übergebend und fiebernd, ihre Mama. An genau drei krankheitsfreien Tagen konnten wir ein kleines bisschen Urlaubsprogramm durchführen mit Spielplatz- und Zoobesuch und einer Wasserfallbesichtigung.

Außerdem wurde an einem Abend am Strand von Tazacorte „die Sardine verbrannt“, was das Ende der Karnevalszeit bedeutete. Extrem laute Rhythmen und ein sehr nahes Feuerwerk verschreckten unsere an ruhigere Feste gewöhnten Besucher zunächst. Enkelin Ida aber animierten die spanischen Klänge dazu, mich abrupt zum Tanzen aufzufordern und zur Freude der Zuschauer ordentlich mit ihrem Windelpopo hin und her zu wackeln.

Nach einer schönen, viel zu schnell vergangenen Woche standen wir wieder auf dem Flughafen von Santa Cruz de La Palma. Nicht ganz ohne Tränchen hieß es Abschiednehmen. Erst im Sommer werden wir uns in Deutschland wieder sehen!

 

Da wir noch im Besitz eines Autos waren, nutzten wir die dem nachfolgenden Tage, um unser Schiff mit Getränken und Essen voll zu bunkern. Ein erneuter Besuch an einer der Inselquellen verschaffte uns frisches, gesundes Bergquellwasser.

Der Plan, der sich dahinter verbirgt: Wir möchten La Palma verlassen und nach Madeira segeln. Nun beobachten wir Wind- und Wetterkarten, um ein gutes Zeitfenster für den Absprung gen Norden zu finden.

Möge es uns in den nächsten Tagen gelingen!

 

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                               Wenn die Mandelbäume wieder blüh´n !                                                                                               03.02.2019 – 01.03.2019

 

 

 

 

In unserer Marina haben wir es nicht bemerkt, aber ganz im Norden der Insel hat sich tatsächlich Anfang Februar etwas ziemlich verändert: Der Frühling ist dort farbenfroh angekommen! Mit ihm sind die zahlreichen Mandelbäume erblüht. Die Avocadobäume schmücken ebenfalls üppige Fruchtstände, obwohl an vielen dieser Exemplare die Früchte des Vorjahres noch nicht einmal abgeerntet wurden. ( Ist an dem Gerücht vom Hochhalten der Preise vielleicht wirklich etwas dran? )

 

Am ersten Februarwochenende wird diese Blütenpracht in Puntagorda mit dem „Mandelblütenfest“ mehrtägig gefeiert. Wir hatten das Glück, dass unsere Stegnachbarn Dörte und Felix einen Mietwagen und einen Plan hatten: den Besuch dieses Festes. Sie luden uns ein, sie zu begleiten.

Und so tauchten wir ein in die Partyatmosphäre, gemeinsam mit gefühlt der Hälfte der Inselbevölkerung. Traditionell nehmen die Palmeros an diesen Tagen Mandeln und Rotwein mit garantierter Inselherkunft zu sich. Wir sahen davon aber nur wenig. Vorzugsweise wurde „leckeres“ Fast Food gereicht und dazu gab es gehaltvolle Rummischungen oder Bier. Auf einer Bühne sangen und tanzten die üblichen Verdächtigen: eine Boyband im typisch spanischen Popowackeltakt. Auf dem Sportplatz trafen wir alte Bekannte, denn bereits auf La Gomera konnten wir dem stimmgewaltigen Männerchor „Los Gofiones“ lauschen. Auch diesmal waren wir wieder begeistert und mit uns viele Andere von Jung bis Alt. Weiterhin wurde in einem größeren Veranstaltungssaal unter tropischen Klimabedingungen hingebungsvoll Paartanz vollführt. Wir hätten uns auch gern mal gedreht, aber Schweißausbrüche und Atemnot verhinderten jeglichen sportlichen Einsatz.

Mit vielen Frühlingsgefühlen ausgerüstet, warfen wir wenige Tage später unsere Leinen los, um bei Temperaturen von 25-29 Grad Celcius vor dem Hafen den Anker zu setzen. Stolz, die Vorgehensweise noch nicht verlernt zu haben, versenkten wir den Festhalter im dunklen sandigen Grund. Kaum Wind und herrlicher Sonnenschein lockten uns mehrfach ins kühle Nass und Holger versuchte es mal wieder ( ergebnislos ) mit der Angelei. Wir beobachteten lustige Strandbesucher, die uns im Adamskostüm mit ihren Blasinstrumenten ein Ständchen aus der Ferne gaben.

Kam etwas Wind auf, holten wir den Anker auf und segelten ein paar Schläge hin und her und auf und ab.

Unbeschwerte Tage auf dem Wasser, völlig losgelöst vom Landleben!

 

Stürmischere Tage folgten, an denen wir in der Marina blieben und unsere abwechslungsreichen Landausflüge fortsetzten. An einem Samstag machten wir uns mal wieder zu einem der Mittagskonzerte in Los Llanos auf den Weg. Doch bevor die Band zu spielen begann, ereigneten sich noch merkwürdige Dinge vor dem Rathauseingang: Aufgehübschte junge Mädchen mit Blumen im Haar und Totenköpfen in den Händen standen dort herum. Ältere Damen hielten goldene und silberne Ehrenteller in Fernsehkameras und ganz viel Publikum bestaunte das Treiben. In einer Ecke sahen wir ein großes Plakat vom Karneval in Los Llanos. Aha, das war also der Startschuss des närrischen Treibens! Es machte uns neugierig auf mehr, das sich allerdings erst Anfang März ereignen würde.

Wir wandten uns wieder der Band zu und wurden nicht enttäuscht. Ihre Stimmen und Instrumente klangen vielseitig und unbekannt und vermittelten uns ihr tiefes Gefühl für ihre Heimatinsel La Palma. Mein Gedanke: ‘Die klingen wirklich wie die Insel!‘ Kostenloses Gänsehautfeeling!

 

Wir müssen es zugeben: Man kann auch ohne ein Auto leben, aber mit einem Auto ist vieles einfacher! Und so freuten wir uns tierisch, als wir am 21. Februar den Schlüssel eines Renault Clio in die Hand gedrückt bekamen und dieser uns von da an eine Woche lang bedingungslos zur Verfügung stehen sollte.

Natürlich führte uns die erste Fahrt zu unserem Lieblingssupermarkt „Mercadona“, wo wir unseren auf Null geschrumpften Getränkevorrat auffrischten.

Seit längerer Zeit hatte ich einen Gebäudekomplex in Santa Cruz im Auge, immer mit der Vorstellung, dass er einmal ein Kloster gewesen sein muss und nun ein Museum beherbergte. Also, wollten wir uns das mal näher anschauen. Stacheldraht und Wachtürme vermittelten dann aber rasch die wahre Bestimmung dieses Ortes: ein Armeeobjekt und ganz bestimmt nicht als touristisches Ausflugsziel gedacht. Schade!

Ein Abstecher auf unserem Nachhauseweg endete dann in der zweiten Sackgasse des Tages. Ein riesiges Tor mit Warnung vor ganz besonders bösen Hunden und jede Menge Stacheldrahtzaun ließen uns vermuten, dass auch hier wieder irgendetwas nicht für das neugierige Auge der Öffentlichkeit bestimmt war. Vielleicht lebte aber auch der Inselbürgermeister oder ein Inselmilliardär mit eigener Flugzeuglandebahn und ganz viel Buschland drumherum hier sein verstecktes Luxusleben? Vielleicht! Tatsache ist jedenfalls, dass uns auf dem Rückweg eine Kuh den Weg versperrte und Holger das träge Tier erst weghupen musste, damit wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Tja, die Wildnis und die wilden Tiere!

 

Der Norden der Insel mit seiner üppigen Vegetation hat es uns besonders angetan und so führte uns eine Wanderung in die Gegend um Santo Domingo. Durch eine der zahlreichen Schluchten ging es steil bergan an meckernden Ziegen und Drachenbäumen vorbei. Auf einer Wiese umschwirrten uns Tausende von, wir nehmen an, Erdwespen, die aus ihren Erdlöchern geflogen kamen. Was für ein Geräusch! Wir kamen vorbei an kleinen Feldern mit magerem Kartoffelanbau. Avocado-, Apfelsinen-, Mandarinen- und Zitronenbäume machten Holger eindeutige Angebote. Er kann dann einfach nicht widerstehen, denn er ist ja schließlich auch nur ein Mann!

Natürlich haben wir uns dank der übermäßigen Detailtreue unseres Wanderführers auch noch mal kurzzeitig verlaufen. Bei der Ankunft am Ausgangspunkt unserer Tour hatten wir das Gefühl, als wären wir mindestens 4 Stunden unterwegs gewesen. Ein Blick auf die Uhr des Autos verriet uns aber, dass es gerade mal 2,5 Stunden waren. Das war ganz schön sportlich für die Runde mit ungewollter Verlängerung!

 

Eine weitere Wanderung im Herzen von La Palma führte uns auf 1585m bis kurz unterhalb des „Pico Bejenado“, dem „einzigen ausgeprägten Gipfel La Palmas“ ( laut Wanderführer ). Im Nachhinein sagen wir, dass das unsere bisher spektakulärste Tour auf dieser Insel war, denn die Ausblicke in die Caldera einerseits und bis hinunter zum Meer andererseits waren schlicht überwältigend. Dort oben auf dem Kammweg spürten wir einmal mehr, wie gewaltig die Natur ist und was für Zwerge wir doch sind!

Unsere Freunde aus der Marina, Susi und Tom, begleiteten uns und wir hatten viel Spaß. Zunächst kletterte eine freche Eidechse während einer Rast in Richtung von Susis Dekolte´und klaute nach diesem gekonnten Ablenkungsmanöver aus ihrer Naschbox mal eben eine Nuss.

Auf unserem Rückweg „verscherzte“ es sich Holger dann noch mit ein paar uns entgegen kommenden Wanderfreunden. Da ich einer jungen Dame ausweichen musste, rutschte ich aus und fiel auf meinen Allerwertesten. Sie bot mir gleich ihre Hilfe an. Darauf Holger zu eben dieser Dame: „Erst vom Berg schubsen und dann helfen wollen!“ Der Blick der jungen Frau war mindestens tödlich und hätte mein Gatte nicht gleich zu lachen begonnen, sie hätte ihn wohl mit einigen, nicht gerade netten Worten bedacht. Etwas später begegneten wir einem Mann, der sich danach erkundigte, ob wir denn auf dem Gipfel waren. Holger: „Ja, und dort liegt ein halber Meter Schnee!“ Der Mann wirkte drei Sekunden lang gläubig und verstört, bevor Holgers Grinsen ihn erlöste.

Am Ende der etwa vierstündigen Wanderrunde war ich glücklich und stolz darauf, mich in solchen Höhen relativ schwindelfrei bewegt zu haben.

 

Zweimal besuchten wir einige der natürlichen Badebecken von La Palma. Im „Charco Azul“, im Osten der Insel, schwammen wir zahlreiche Runden und das Becken „La Fajana“ im Norden begeisterte uns durch seine gewaltige Fels- und Wellenkulisse. Tipp: Unbedingt bei einem La Palma Besuch einplanen!

 

Einer unserer letzten Autoausflüge sollte uns nochmals auf den höchsten Punkt der Insel bringen, um nachts die Sterne zu zählen. So nah würden wir ihnen wohl so schnell nicht wieder kommen. Der fehlende Mond ließ die kleinen weißen Pünktchen dann sehr deutlich leuchten. Und eins können wir mit Bestimmtheit sagen: Diese Punkte sind nicht zählbar! Wir verloren uns und unsere Gedanken in der Unendlichkeit des Weltalls und nur die eisigen Temperaturen von 3 Grad Celcius holten uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Wieder einmal ließ uns die Gewalt der Natur winzig und nahezu bedeutungslos erscheinen! Was für ein Erlebnis, auch wenn man es sich durch die endlos kurvenreiche Anfahrt verdienen muss!

 

Am letzten Tag als Autobesitzer erledigten wir noch dies und das. Unter anderem kauften wir uns weiße Anziehsachen, um stilgerecht beim Karneval in der Inselhauptstadt Santa Cruz auftreten zu können. Aber das ist dann auch schon wieder eine der nächsten Geschichten!

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                          Winterblues                                                                                                                    11.01.2019 – 02.02.2019

Es ist kalt geworden. Die Menschen ziehen ihre bemützten Köpfe ein, um sich gegen den unangenehmen Wind zu schützen, der um die Häuserecken bläst. Kaum noch einer traut sich ohne Schal und Handschuhe aus dem Haus. Der Himmel ist meistens grau und öffnet nicht selten seine Schleusen für erfrischenden Niederschlag.

Am schönsten ist es jetzt zu Hause in wohltemperierten Räumen mit einem wärmenden Getränk in der Hand.

So würde man wahrscheinlich das Januarwetter von Deutschland beschreiben.

 

Bei uns hier auf La Palma sahen die vergangenen Wochen jedoch etwas anders aus: Kaum ein Tag verging, an dem nicht die Sonne über kurz oder lang schien und laut meiner täglichen Temperaturaufzeichnungen kletterte auch das Thermometer, bis auf wenige Ausnahmen, stets auf Werte von über 25 Grad. Begaben wir uns jedoch ins Inselinnere, was immer mit steilen Anstiegen verbunden war, so sank die Temperatur spürbar, je höher wir kamen. Dramatische Wolkenformationen schoben sich über die gewaltigen Bergkämme und auf der anderen Seite des Eilandes regneten sich diese häufiger ab.

 

Unsere Aktivitäten der vergangenen Wochen beschränkten sich mit wenigen Ausnahmen auf den Bereich in und um den Hafen. Ein Grund dafür war sicher auch das schönere Wetter hier unten.

Der Aufstieg auf den Hausberg blieb weiterhin ein festes Ritual, nicht täglich, aber mehrmals die Woche. Mittlerweile nutze auch ich die Auf- und Abstiege, um mir einen Spanischkurs ins Ohr zu stöpseln und fleißig zu üben, indem ich die Vokabeln völlig entfesselt laut vor mich hin spreche. Holger tut dies seit geraumer Zeit schon mit einem Englischkurs.

Der Weg ist beliebt bei Touristen und so begegneten uns jedes Mal zahlreiche neue hochrote Köpfe, mit und ohne Wanderstöcken, mit einem mehr oder weniger lächelndem Gesicht, manchmal sogar ganz ohne Schuhe an den Füßen. Manche der Männlein und Weiblein sind uns aber mittlerweile vertraut, da auch sie den Berg in ihr persönliches Fitnessprogramm aufgenommen haben. Man begrüßt sich mit „Hallo!“ oder „Hola!“, denn in der Regel wird auf den Wanderpfaden der Insel spanisch oder deutsch gesprochen.

 

Wir hatten zahlreiche Besucher an Bord, die uns mit netten Unterhaltungen versorgten und denen wir einige lustige Nachmittage und Abende verdankten.

Ansonsten gehörten lesen, Gitarre spielen, würfeln, dank WIFI mal einen Film gucken und spazieren gehen zu unseren abendlichen Hauptbeschäftigungen.

Mitte Januar nahmen uns Sandra und Berthold in ihrem Mietwagen mit in den mittlerweile bezaubernd erblühten Norden. Die Mandelbäume hier hatten ihre Frühlingspracht nahezu komplett entfaltet.

Diesmal gelang uns der Wanderweg, ausgehend von La Zarza und und auch dort endend, ohne dass wir vom Weg abkamen und uns verliefen. Wir hatten unseren beiden Begleitern im Vorfeld von dieser Tour begeistert erzählt und nun wollten sie sich selbst ein Bild davon machen. Zum perfekten Tag hat nur ein strahlend blauer Himmel gefehlt, der die überwiegend grüne Landschaft in ein noch schöneres Licht gerückt hätte.

 

An einem anderen Tag entschieden wir uns mal wieder für einen Ausflug nach Los Llanos. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um von uns aus zu Fuß in diese Stadt zu gelangen. In der Regel entscheiden wir uns beim Aufstieg für die minimal einfachere Variante durch den Ort Tazacorte und heben uns den sowohl unbefestigteren als auch steileren Weg für den Abstieg auf. Diesmal aber lockte die Herausforderung und wir machten uns genau anders herum auf den Weg. Oben angekommen, waren wir beide schweißgebadet und bevor wir uns wie zivilisierte Bürger durch die Straßen der Stadt bewegen konnten, musste Holger sein T-Shirt erst einmal in Sonne und Wind trocknen.

Nach einigen Besorgungen ging es talwärts, mit Zwischenstopp in Tazacorte, um einen „Belohnungsdöner“ zu verspeisen, direkt zu unserer Aplysia zurück.

 

An einem Samstag Ende Januar zog es uns erneut nach Los Llanos. Da wir unseren Wocheneinkauf bei Lidl mit „Hawazuzi“ ( = Handwagen-zum-Ziehen ) und Rucksack erledigen wollten, nahmen wir den Bus. Der zweite Grund unseres Stadtbesuchs war ein kostenloses sogenanntes „Mittagskonzert“ unter freiem Himmel. Eine Rockband verbreitete mit englischen, französischen und spanischen Liedern gute Stimmung unter den Zuhörern. Wie immer bei solchen Veranstaltungen versammelte sich ein kunterbuntes Publikum bestehend aus hübsch gekleideten Einheimischen, wenigen zweckmäßig ausgestatteten Outdoor-Touristen und einigen bunten hippieähnlichen Gestalten. Alle hatten Spaß an der Musik und an einander. Uns gefiel es besonders, da mal andere Klänge als die typischen spanischen Dauerhits zu hören waren. Allerdings waren unsere Gehörgänge schon seit langem nicht mehr so strapaziert worden und auf dem Rückweg zur Bushaltestelle bemerkten wir dann unsere Taubheit anhand der enormen Gesprächslautstärke. Damit fällt man hier aber nicht auf, denn der gewöhnliche Spanier / die gewöhnliche Spanierin unterhält sich laut. Mit meinen langsam zunehmenden Spanischkenntnissen verfestigt sich bei mir jedoch auch die Erkenntnis, dass man diese Sprache niemals flüstern kann. Einige Laute, wie zum Beispiel das „rr“ ( =stark gerolltes Doppel-R ), erlauben es schlichtweg nicht!

 

Der Monat Januar endete mit einer weiteren kilometermäßig umfangreichen Wanderung auf der Sonnenseite La Palmas, die Holger einen neuen Avocadovorrat bescherte und mir das Geschmackserlebnis „Quarkkuchen“. In einer Gaststätte machten wir nämlich Halt und bestellten uns Belohnungsbier mit Kuchenspezialitäten. Was für eine Mischung!

 

Wir schafften es, zum Monatsabschluss sogar noch einen Segeltag vor unserem Hafen einzulegen. Diesbezüglich sind wir momentan echt faul geworden. Mal ist der Himmel nicht blau genug oder die Sonne scheint nicht ausreichend, mal ist zu viel, mal gar kein Wind.

Das ist er wohl, der

 

„Winterblues“!

 

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                               Gesundes neues Jahr!!!!!                                                                                                       11.12.2018 – 10.01.2019

 

 

 

 

 

 

Ganz schnell und relativ still ist es passiert:

Wir sind in ein neues Jahr gerutscht! Vollkommen ohne Silvesterraketen und Silvesterböller! Der DJ zählte einfach von fünf auf null, neben mir wurde eine Wunderkerze in Brand gesteckt, es gab ein Bussi und schon wurde weiter getanzt und getrunken.

Die Getränke hier haben es allerdings echt in sich. Mit einem Mischungsverhältnis von 50 : 30 : 20 sind sie in Mengen genossen meist „tödlich“ und mit deutschen Ausschankgewohnheiten absolut nicht zu vergleichen.

Zur Erklärung: Ich spreche von 50% Schnaps : 30% Eiswürfeln : 20% Softgetränk.

Die spanischen Rhythmen, bereits vertrauter Natur, begleiteten uns bis spät in die Nacht, oder besser gesagt bis früh in den Morgen.

Der darauf folgende erste Tag des neuen Jahres verging dann auch demententsprechend aktionsfrei.

 

Unsere letzten Tage im alten Jahr in der etwas ausführlicheren Newsticker-Version:

 

11.12. : Doris und Uwe, unsere lieben Bootsnachbarn aus Hamburg, verlassen uns in Richtung Kapverden, um dann weiter in die Karibik zu segeln. Wir empfinden zum ersten Mal seit unserer Überlegung, auf La Palma zu überwintern, das tiefe Bedürfnis ebenfalls aufbrechen zu wollen.

Stattdessen: Autofahrt ins Gebirge, auf der wir im dichten Nebel bei nur 10 Grad Außentemperatur die Heizung aufdrehen müssen. „Hoffentlich holen wir uns durch diese Temperaturanzeige nicht wieder eine Erkältung!“, waren unsere Gedanken.

 

12.12. : Besuch bei „Angel“, dem Friseurmeister meines Vertrauens. Er ist wirklich ein Engel und verpasst mir erneut für nur 10,00 Euro einen supi neuen Look. Unsere Bootsnachbarin ist begeistert von mir und so kann das neue Schnittchen kein Fehler gewesen sein.

 

13.12. : Wanderung im Norden der Insel: Wir entdecken einen Wasserfall und steigen über mehrere Stunden zu einem Aussichtspunkt empor. Holgers T-Shirt klebt ihm am Leib und braucht dort erst einmal eine Schnelltrocknung in der Sonne.

In der Zwischenzeit unterhalten wir uns mit einem Spanier vom Festland, der La Palma in seinem Urlaub zu Fuß umrundet. Wir stellen Vermutungen über den Arbeitsplatz eines solchen Menschen an, der seine freie Zeit zum kompletten Auspowern benötigt.

 

15.12. : Ein Tagesbeginn wie im Schlaraffenland. Auf unserer Fahrt in den Norden fällt uns doch wirklich eine Bananenstaude direkt vors Auto ( Hätte auch schief gehen können! ). Wir fühlen uns förmlich gezwungen, diese von der Straße in unser Auto umzulagern. Danach gibt es an der Quelle noch kostenloses frisches Bergquellwasser. Diese Insel ernährt einen manchmal ganz ohne Geld!

Beim Verladen der gefüllten Wasserbehälter treffen wir auf Natalia, die mit Wohnmobil und „Zauberarmbändern“ unterwegs ist. Holger ist begeistert von den gelungenen Balanceakten, die sie mit ihm vollführt. Nachdem wir im Internet allerdings den Preis für die sensationellen Energiebringer gegoogelt haben, satte 99,90 Euro, ist die Begeisterung dafür rasch verflogen. Auch wenn Ronaldo und Boris Becker darauf schwören, wir versuchen, mit anderen Methoden zu unserem inneren Gleichgewicht zu finden und böse Energien abzuwehren.

 

18.12. : Der zweite Versuch, unsere leere Gasflasche bei „DISA“ in Santa Cruz befüllen zu lassen, gelingt zügig und preiswert. Unser erster Versuch, einen Tag zuvor, scheiterte, da wir erst nach 14.00 Uhr am Werkstor standen. Die Station hatte da bereits geschlossen.

Im Anschluss wieder ab in den Norden! Dieser Teil der Insel mit seinem Urwaldbewuchs, den krassen Schluchten und herrlichen Ausblicken hat es uns wirklich angetan.

Heute sollte es eine Tunnelwanderung werden. Dazu musste man aber erst einmal bei diesen Tunneln ankommen. Mit dem Auto, vielmehr mit unserem Auto, ging das auf gar keinen Fall. Und das Allradtaxi vor Ort wollten wir uns nicht leisten. So kletterten wir über mehrere Stunden durch einen ehemaligen Wasserlauf steil bergan. Kletterten und kletterten bis wir schließlich kapitulierten, als uns zwei Wanderer entgegen kamen, die uns mitteilten, dass sich das Geklettere noch zwei weitere Kilometer so fortsetzen würde. Dann erst würde die eigentliche Tunnelstrecke beginnen. Sie hatten es in Anbetracht der späten Stunde auch aufgegeben und so wanderten wir gemeinsam den steilen Weg wieder bergab. Ich mit Stützknüppel in der Hand.

Es sollten nicht die letzten Stunden gewesen sein, die wir mit Gabi und David verbringen würden. Sie erwiesen sich als La Palma Fans, die auf ihrem momentanen Weg in den beruflichen Ausstieg nach unseren Erfahrungen fragten.

 

19.12. : Beim Wäschewaschen lerne ich Stefan kennen, einen nicht ganz glücklichen Einhandsegler, der Arbeit dem ach so harten Seglerleben gerne vorziehen würde. Ja, unser Leben ist wirklich kein Zuckerschlecken!!!

So muss ich mich auch noch am selben Tag einer vierstündigen „Sternenfahrt“ über den „Roque de Muchachos“ mit Mond- und Sternegucken und einem beeindruckenden Weitblick auf die Nachbarinseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro ergeben. Schrecklich!

 

20.12. : Vierstündige Wanderung zum „Cubo de La Galga“ durch Schluchten mit Urwald, riesigen Farnen, Vogelgezwitscher und einem super Aussichtspunkt, an dem uns ein einsamer Hund Fotomodell steht.

 

22.12. : Im Wanderführer steht zu unserer heutigen Strecke: kleine, gemütliche Rundtour, 2 Stunden und 10 Minuten.

Wären wir nicht den weißen Richtungspfeilen auf der Straße und den roten Plastikbändchen an den Bäumen so bedingungungslos gefolgt, hätten wir vielleicht auch nur knapp 3 Stunden für die schöne Tour gebraucht. So aber bogen wir einmal falsch ab und wurden erst stutzig, als der Weg nur noch konsequent bergab führte, obwohl in unserem Wanderführer doch stand, dass man kaum bergan oder bergab gehen müsse. Und so kam es, dass wir knapp eine Stunde steil bergan zurück laufen mussten, um den richtigen Weg fortsetzen zu können.

Aus einer gemütlichen Rundtour wurde eine sportliche 4-Stunden-Wanderung, auf der wir allerdings auch den „Ziegenpeter“ gefunden haben und drei schrulligen Menschlein aus England, Holland und der Schweiz begegneten, die sich begeistert unsere Segelgeschichte anhörten.

 

23.12.: Calimawetter!! Mit Wellen aus Süden und Südwind von 6 bis 7 Beaufort, in Spitzen 8, werden wir in der Marina ordentlich durchgeschaukelt. Die Sonne versteckt sich hinter dem Staub aus der Sahara.

Ein Nachmittagsspaziergang ins Barranco verhilft Holger zur Vergrößerung seines Avocadovorrats.

Abends bereite ich den traditionellen Weihnachtskartoffelsalat vor. Ein Märchenfilm aus dem Internet bringt mich in Festtagsstimmung.

Die Nacht vergeht mit wenig Schlaf dank der Schaukelei.

 

24.12. : Am Heiligen Abend wird weiter geschaukelt.

Heute gibt es bei den Spaniern keine Geschenke. Ich bekomme eins, allerdings zu meinem Geburtstag.

Abends gibt es Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen.

 

25.12. : Der einzige Weihnachtsfeiertag für die Spanier, an dem sie jedoch ganz in ihren Familien bleiben. Die meisten Gaststätten haben geschlossen. Somit wird es ein ruhiger Tag in der Marina. Wir machen einen kleinen Weihnachtsspaziergang in der Nähe der Wasserquelle.

 

26.12. : Alle Geschäfte haben wieder geöffnet und so können wir unsere letzten Besorgungen, bevor wir unser Auto wieder abgeben müssen, erledigen. Beim Caravanhändler kaufen wir nach anfänglichen Schwierigkeiten eine Solarzelle und beim Glaser bekommen wir dafür Halterungen aus Aluminium. Wo man hier was bekommt, muss man oft mehrfach erfragen und bis man es bekommt, muss man viel Geduld haben. Aber irgendwo und irgendwann bekommt man letztendlich alles!!!!

 

27.12. : Unsere Abschiedsfahrt mit dem C1 machen wir über den Süden in Richtung Flughafen. Ein Zwischenstopp an einer Guanchenhöhle ( = eher ein Loch im Felsen ) ermöglicht uns einen kleinen Einblick in die Lebensweise der ersten Inselbewohner. Selbst in der Gegenwart gibt es sie ja noch, die Höhlenhippies von La Gomera und La Palma.

Geschlossene Tankstelle und falsches Parkdeck mit fehlendem Parkscheinbezahlautomaten machen unsere Mietwagenrückgabe noch zu einem kleinen aufregenden Abenteuer. Und dann ist unsere Luxuszeit mit Auto auch schon wieder vorbei. Ein wenig traurig gehts mit Bus zurück zu Aplysia.

 

28.12. : Ich vermisse das Auto und eine Waschmaschine, die man nicht mit fünfzig anderen „Waschweibern“ teilen muss!

 

29.12. : Endlich! Die einzige Waschmaschine der Marina steht leer für mich bereit.

Am Abend wird es musikalisch. Hippies geben an der Strandpromenade ihr Bestes und in einer Kneipe singt eine Gruppe Weihnachtsmänner und -frauen spanische Melodien. Weihnachten ist hier schließlich erst am 6. Januar vorüber.

 

30.12. : Gabi und David holen uns mit ihrem Mietauto ab. Wir besuchen gemeinsam einen Bauernmarkt in Puntagorda, wandern im Anschluss von Las Tricias aus hinab zu einem Biocafe. Eine wunderschöne Strecke, vorbei an riesigen Drachenbäumen, die ja eigentlich gar keine Bäume sind.

Die ersten Blüten der Mandelbäume zeigen sich bereits. Apfelsinen- und Mandarinenbäume schreien förmlich nach einem Erntehelfer, allerdings hinter hohen Zäunen, sodass wir leider nicht behilflich sein können.

An Kakteen hängen ebenfalls überreife Früchte, die mich eigentlich nicht mehr reizen können. David hat sich jedoch mit deren richtiger Erntetechnik beschäftigt und so gelingt es ihm, diese süße Nascherei für uns verzehrfertig vorzubereiten. Er hat es sich nicht anmerken lassen, aber ich glaube, ein paar dieser widerlichen Widerhaken verhakten sich dabei auch in seinen Fingern.

Das Biocafe liegt versteckt hinter üppiger Vegetation mitten im Nirgendwo und alles, was die umliegende Natur nicht bereitstellt, muss über Trampelpfade dorthin transportiert werden. Alle Angebote der Speisekarte sind vegan und frisch zubereitet. Dementsprechend sind die Preise und die Wartezeit. Wir Vier haben uns viel zu erzählen, deshalb vergehen die 1.5 Stunden rasch, bis wir unsere belegten Brote und Säfte auf dem Tisch haben.

Auf dem Rückweg überholt uns ein Reiter hoch zu Ross. Dieses ist aber plötzlich mit irgendetwas nicht einverstanden und galoppiert bockig in unsere Richtung, versucht seinen Reiter sogar abzuwerfen. Unsere Flucht in den Straßengraben verursacht bei mir eine erneute Begegnung mit einem Kaktus. Vor Schreck über das „caballo loco“ ( = verrückte Pferd ) habe ich meinen Kopf in, zum Glück, große Kakteenstacheln gerammt, die ich nun mühsam wieder herausziehen muss.

Ein schöner Tag!

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Nun ist das neue Jahr bereits zehn Tage alt.

Und auch diese ersten Tage waren nicht ereignislos. Die „Zeugen Jehovas“ besuchten uns am Schiff. Holger ließ sie allerdings nicht an Bord.

Am 5. Januar kamen drei weitere Gläubige in Los Llanos an. Melchior, Balthasar und Caspar- die Heiligen Drei Könige- wurden auf „echten“ Kamelen mit einem winzigen Umzug von ganz vielen aufgeregten kleinen Spanierinnen und Spaniern begrüßt. Es flogen Bonbons durch die Luft und irgendwie erinnerte das ganze Spektakel doch etwas an Fasching. Im Rathaus wurden die Regierungsschlüssel an die neuen gekrönten Oberhäupter übergeben und im Anschluss konnten die lieben Kleinen auf einer großen Bühne ihre Wunschzettel bei den drei Bartträgern abgeben. Schließlich wird hier erst am 6. Januar beschert.

Wir schauten uns das Fest mit Berthold, Sandra und Siggi, netten Bootsstegnachbarn, an und beendeten den Abend im „Bunker“. Dies war nun endlich einmal eine Gaststätte, in der wir für angemessene Preise wirklich leckere Gerichte serviert bekamen.

Siggi bietet im Hafen von Tazacorte mit seinem Katamaran Tagesausflüge an. Und da er für den nächsten Tag nur zwei Mann an Bord haben würde, lud er uns Vier kurzerhand zu dem Segeltörn ein.

Es wurde ein schöner Tag auf dem Wasser. Bei ordentlich Wind und Welle glitt der Katamaran mit bis zu 10 Knoten übers Wasser. Nicht alle an Deck blieben dabei trocken und ohne einen Klops im Magen.

Wieder in der Marina gab es Anlegesekt und eine Vorführung von Siggis mächtiger „Apfel-Zwiebel-Kanone“. Ein gefährlich heißes Rohr, das ich nicht näher beschreiben möchte!

Der Hausberg mit seinem morgendlichen Fitnessprogramm hat uns wieder.

Und seit gestern sind liebe alte Bekannte aus Arrecife bei uns in der Marina. Tom und Susi aus Kühlungsborn verbringen ihren Urlaub auf der Insel und wir werden bestimmt nette Stunden miteinander haben.

 

Und weitere Pläne, Ziele, Vorsätze für das neue Jahr? Ja, die haben wir.

Am wichtigsten ist, gesund zu bleiben und diese tolle Zeit einfach zu genießen. Und eine Weiterreise, die wird es natürlich auch geben!

 

In diesem Sinne:

 

Auch für euch ein tolles 2019 mit vielen Genussmomenten!

 

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                    Ein paar Geschichten zum Advent                                                                                         11.11.2018 – 10.12.2018

 

 

 

 

 

Nein, es hat sich kein Vulkankrater aufgetan und uns mit Haut und Haaren in seinen Schlund gezogen. Wir sind auch nicht auf der Flucht abgetaucht oder von der spanischen Zollbehörde hinter schwedischen Gardinen versteckt worden. Nein, es geht uns gut und nach wochenlangem Schweigen melden wir uns zurück, nach wie vor von der „Isla Bonita“.

 

Durch das Barranco

 

Unweit der Marina beginnt sich eine tiefe Schlucht ( spanisch: barranco ) mit ausgetrocknetem Flussbett ein ganzes Stück ins Inselinnere zu erstrecken. Diese war unser Ausflugsziel an einem der zahlreichen schönen Novembertage. Man hatte uns vorgewarnt: „Wenn es hier viel regnet, kann es gefährlich werden und ihr holt euch mehr als nur nasse Füße!“ Es hatte zwar in den vergangenen Wochen ab und an mal ein wenig getröpfelt, aber keinesfalls so viel, dass sich Sturzbäche daraus entwickeln könnten. Für mich ist die Möglichkeit, dass durch dieses trockene Tal jemals Wassermassen gen Ozean fließen könnten, sowieso kaum vorstellbar.

Also machten wir uns auf den Weg und wurden mit Ausblicken auf gigantische Felswände praktisch vom Nulllevel des Meeresspiegels aus belohnt.

An einigen Abhängen wird dort neben den fast immer gegenwärtigen Bananen auch Wein angebaut. Riesige Sammelbecken sorgen für stets ausreichende Bewässerung. Natürlich standen uns auch einige Avocadobäume im Weg und Holger konnte unseren Vorrat durch neue Früchte ergänzen.

Gegen Ende unseres Ausfluges wurde es dann doch noch einmal anspruchsvoll steil. Um nach Los Llanos zu gelangen, mussten wir die Schlucht verlassen und einen Berg überklettern. In der Stadt angekommen, hätte ich zwar am liebsten den Bus zurück zum Hafen genommen, aber nach einer kurzen Stärkung an „Bäcker Lidls“ Brötchentheke schienen dann auch die restlichen sechs Kilometer bergab wieder machbar.

Der nächste Tag, wie sollte es anders sein, diente unserer Regeneration und der Schmerzbekämpfung!

 

 

Begegnungen am Berg

 

Auf La Palma hat die Wandersaison begonnen. Die Sonne knallt nicht mehr ganz so erbarmungslos schweißtreibend vom Himmel. Es gibt mehr bewölkte Tage und der Wind bewirkt jetzt sogar leichte Abkühlung.

Also hat auch die Anzahl der Leute zugenommen, die gemeinsam mit uns unseren sogenannten „Hausberg“ erklimmen. Die Begegnungen am Berg bieten so manche Überraschung.

Eines Morgens zum Beispiel überholen wir ein schon recht altes Ehepaar und bezweifeln im Vorübergehen, dass die Beiden es bis zur Aussichtsplattform je schaffen würden. Aber während wir noch am Gipfel unsere Dehnübungen vollführten, standen sie plötzlich neben uns. Er, 87 Jahre alt, und sie, 82 Jahre alt, unternehmen diese Tour wohl regelmäßig, allerdings „...nur bis zur Plattform. Der Rest ist uns einfach zu langweilig!“ Dazu muss man vielleicht wissen, dass man den weiteren Aufstieg nun wirklich nicht als langweilig bezeichnen kann. Vielleicht wären „äußerst anstrengend“ und „kräftezehrend“ zwei bessere Beschreibungen für diese Strecke.

Nach dieser Begegnung schauten wir uns begeistert an. Wir hatten zwei neue Idole!

 

An einem anderen Tag kommen uns eine blinde Frau und ihr Führer entgegen. Dabei kann man sich doch schon als Sehender mit nur einem falschen Schritt auf dem sehr steinigen und unebenen Weg mächtig wehtun. Umso mutiger fanden wir den Abstieg ohne dabei auch nur das Geringste zu sehen. Man braucht dafür schon grenzenloses Vertrauen in den sehenden Partner.

 

Ebenfalls als äußerst mutig oder vielleicht doch nur als grenzenlos adrenalingesteuert empfanden wir die Variante „Abstieg mit Mountainbike“. Ein paar dieser tollkühnen Helden und Heldinnen begegneten uns schon in unterschiedlichster Verfassung. Manche wirkten professionell, andere wiederum benötigten doppelt solange wie wir Fußgänger für den hoppeligen Weg nach unten, dabei immer auf der Suche nach ihrer passenden „Line“.

 

Und so bleiben auch sich regelmäßig wiederholende Morgengänge immer noch interessant.

 

Begegnungen im Tal

 

Auch beim Schlendern über die Strandpromenade begegnet man so manchem interessanten Menschlein und erlebt die eine oder andere Geschichte.

Nicht selten verabreden sich hier hippieähnliche Gestalten, um gemeinsam zu musizieren. Dabei kommt es scheinbar nicht auf ein gelungenes Zusammenspiel der Musikfreunde an, sondern eher darauf, dass jeder von ihnen möglichst viel Spaß am Musizieren hat. Misstöne werden lächelnd in Kauf genommen und dementsprechend gering ist dann auch die Anzahl der begeisterten Zuhörer.

 

Holger unterhielt sich eines Tages mit einem einzelnen Gitarrespieler, der sich auf einer Bank räkelte. Sein Spiel war gar nicht so übel und so fingen die Beiden an zu fachsimpeln. Dabei kam heraus, dass wir einen echten Allrounder vor uns sitzen hatten. Neben Holzfäller und Palmenbeschneider war er auch schon Schlagzeuger in einer Rockband und hat Percussion in einem Sinfonieorchester gespielt. Was für ein Mann!!!!

 

Wir begegneten Irina, die den Spanier Roberto liebt. Er sie aber leider nicht mehr. Sie versorgte uns neben ihrer eigenen doch schon tragischen Lebensgeschichte mit allerlei Klatsch und Tratsch aus dem Hafen. Wenn man länger an einer Stelle bleibt, dann ist so eine Marina eben auch nur ein kleines Dorf!

 

Heute erst hatten wir ein weiteres eher tragisches Erlebnis auf der Promenade. Ein spanisches Ehepaar mit Teenagertochter und Zwergdackel lief so vor uns her. Alles war schön. Das Paar unterhielt sich laut und angeregt. Die Teenagertochter spielte mit dem äußerst begeisterten Dackel. Dieser versuchte übermütig, auf die Mauer vor dem Sandstrand zu springen. Der Versuch misslang aufgrund seiner unzureichenden Beinlänge. Also probierte er die linke Mauer aus und konnte dabei Bänke und Blumenkästen zum Aufstieg nutzen. So gelang ihm der Aufsprung mühelos, aber seine Entscheidung endete für ihn schmerzhaft. Hinter der Mauer nämlich lauerte ein tiefer, felsiger Abgrund und da der Kleine seine Notbremse nicht rechtzeitig betätigte, stürzte er hinab. Sein Frauchen fing sofort an herzzereißend zu weinen und zu schreien: „ Mi perrito!!!!!“ Ihr Mann und die Tochter eilten dem Tier sogleich zur Rettung. Wir warfen einen Blick über die Unglücksmauer und wurden von der immer noch schluchzenden Frau gefragt: „Muerto?“ ( dt. „Ist er tot?“ ) Dies konnten wir glücklicherweise verneinen und der Dame tröstend über die Schulter streicheln. Die Rettungsaktion gelang und wir hoffen, dass der kleine Kläffer nicht mehr als einen Schock davon getragen hat.

Was für ein Drama in den frühen Morgenstunden!

 

Novembersturm

 

Mitte November zeigte uns der Atlantik über mehrere Tage hinweg, was in ihm stecken kann. Ein Tiefdruckgebiet schaufelte neben anfänglich Regen auch ordentlich Wind aus Nordwest und Wellen von bis zu 6m heran.

Magisch davon angezogen, füllte sich die Strandpromenade von Puerto de Tazacorte mit „Katastrophentouristen“. Wir zählten auch dazu, denn dieses Spektakel musste man nicht nur hinter der hohen und schützenden Kaimauer gehört, sondern auch leibhaftig gesehen haben. Wellenberge überspülten den breiten Sandstrand und machten auch vor der ihn abgrenzenden Mauer und dahinter liegenden Promenade und Straße nicht halt. Gischt lag in der Luft und man hatte andauernd das Gefühl im salzigen Nieselregen zu stehen. Ein Krachen und Tosen machte Unterhaltungen in normaler Lautstärke nahezu unmöglich.

Was bleibt, wenn dann alles wieder zur Ruhe kommt? Ein total veränderter Strand, der nur mit großem Bagger wieder urlaubertauglich gemacht werden konnte. Eine völlig versandete Promenade. Von Salzwasser gekillte Pflanzen in den Blumenkästen. Heruntergespülte Mauerabdeckungen aus Beton. Eine aus der Verankerung gehobene Holzbrücke und ein abgeknicktes Seezeichen. Niemand wurde verletzt oder sogar Schlimmeres- und das ist dann wohl die Hauptsache!

Übrigens: Auf Teneriffa hat das Sturmtief mit weggespülten Hotelbalkonen noch heftiger gewütet.

 

La Banana – irgendwie deutsch

 

„La Banana“ ist ein Verein mit Sitz in Tazacorte, der, gegründet von einem deutsch-palmerischen Ehepaar, sich der Annäherung eben dieser Kulturen widmet. Jeden Mittwoch können Deutsche im Vereinsgebäude Spanisch lernen. Jeden Freitag trifft man sich zum Umtrunk und Tanz. Wir haben es bisher weder mittwochs noch freitags geschafft, an diesen Aktivitäten teilzunehmen.

Dafür machten wir uns am 17. November zum „Herbstfest“ des Vereins schick. Im großen Kulturhaus von Tazacorte war zu deutscher und spanischer Livemusik geladen. Den deutschen Teil deckte ein Shantychor aus Bielefeld und ein bayrisches Gesangsduo ab. Die Jungs mit den Seemannsliedern waren lustig anzuhören und anzusehen, denn neben ihren Auftritten waren sie auch äußerst durstig und gaben sich nicht mit Mineralwasser ab. „Shantallica“ trug erheblich zu einer guten Stimmung bei, denn als zu fortgeschrittener Stunde die Discorhythmen der beiden spanischen Alleinunterhalter durch den riesigen Saal schallten, zeigten sie sich auch als sehr tanzfreudig. Sie wirbelten die in hübsche Trachten gekleideten Damen einer einheimischen Folkloretanzgruppe ordentlich herum und auch wir machten unsere Tanzbeine locker.

Zwischendurch stellten zwei spanische Solistinnen ihre Talente zur Schau. Dabei zeigte sich, dass gutes Aussehen und Talent nicht immer in einer Person vereint sein müssen. Während die eine schlanke Dame im Glitzerminirock mit wirklich fast jedem Ton daneben lag, wirkte die zweite runde Weiblichkeit in ihrem Ballkleid zwar etwas drallig auf der Bühne, konnte aber mit ihrer gewaltigen Stimme punkten.

Es war ein schöner Abend, an dem es neben ausreichend Getränken auch Leckerbissen wie Bayrischen Leberkäse, Currywurst oder Linsensuppe gab.

Weit nach Mitternacht tänzelten wir zurück zu unserer Aplysia in den Hafen.

 

 

„Dia en blanco“ – ist kein Hochzeitstag

 

Eine Veranstaltung ganz anderer Art lockte uns am letzten Freitag im November nach Los Llanos. Der „Dia en blanco“, zu deutsch: „Tag in Weiß“ dient dem Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung in der gesamten Stadt.

Es ist ein großes Ereignis und lockt gefühlt die halbe Insel an. Die Menschen haben sich wieder einmal aufgehübscht und stellen sich zur Schau. Besonders wichtig scheint ihnen dabei, dass Kleinstkinder bis zum Vorschulalter in Kleidung gesteckt werden, mit der sie auf jedem Laufsteg der Welt beeindrucken würden. Schleifchen im Haar, Rüschen an den Kleidchen, Mäntelchen darüber- so kommen die kleinen Prinzessinnen daher. Die Haare der kleinen Jungs glänzen gegelt und es ist wichtig, dass sie selbst mit Pampers am Po schon wie coole Machos erscheinen.

Man trifft sich, unterhält sich, sitzt in Gaststätten oder kauft schon ein paar Weihnachtsgeschenke in den bis Mitternacht geöffneten Geschäften.

Es gibt eine große Bühne mit verschiedenen Darbietungen, von Tanzschule zum Mitmachen bis Konzerten zum Zuhören. In den Straßen kann man Akrobaten bestaunen, Sport und Spiel wird für Kinder angeboten. Der Weihnachtsmann ist vor Ort und hört sich ihre „bescheidenen“ Wünsche an. Es gibt eine Weihnachtsbäckerei, einen Weihnachtsmarkt für viel Dekoplastik, ein Kinderkarussell.

Wir bestaunten die herrlichen verschiedenartigen Beleuchtungen und andere überdimensionale weihnachtliche Dekoartikel in den Straßen.

Selbst in den Schaufenstern bewegte sich etwas an diesem Abend. Im Fernsehgeschäft saß zum Beispiel eine komplette Familie in Schlafanzügen auf einer Couch vor einem Fernseher. Im Fenster eines Einrichtungshauses saßen zwei Damen in gemütlichen Sesseln mit Teetassen in den Händen und lasen Bücher. In einem Sportgeschäft konnte man zwei jungen Damen beim Trainieren ihrer Muskeln zuschauen.

Nach so viel Sehenswertem brauchten wir eine Ruhepause und setzten uns auf ein kühles Bier in den Außenbereich einer Gaststätte. Das war keine wirklich gute Idee und führte leider unweigerlich zur nächsten Geschichte:

 

 

Im Fieber!!!!

 

Während es nach Sonnenuntergang im Hafen von Tazacorte oft noch mehr als 20 Grad sein können, so kann das Thermometer im höher gelegenen Los Llanos schon komplett andere Werte anzeigen. Am Abend des „Dia en blanco“ waren es dor oben höchstens 15 Grad und ein kühler Wind wehte durch die herrlich beleuchteten Straßen. Bisher hatten wir Stiefelträgerinnen und deren Jacken mit Pelzbesatz meist noch belächelt, aber an jenem Abend änderte sich unsere Einstellung und unsere Blicke auf diesen Bekleidungsstil waren eher neidvoll. Aber auch wir hatten uns schon auf kühlere Temperaturen eingestellt und mehr als gewöhnlich angezogen. Ich entschied mich erstmalig, seitdem wir auf La Palma sind, gegen eine kurze und für eine lange Hose und Turnschuhe. Wir hatten beide unsere Jacken, allerdings ohne Pelzbesatz, dabei. Und trotzdem war das nicht genug, um das folgende Unheil abzuwenden. An jenem Abend hatte uns unser Gaststättenbesuch mit eiskaltem Bier mächtig unterkühlt und die Quittung bekamen wir zwei Tage später. Die erste Erkältung seit Eintreffen auf den Kanaren legte uns komplett lahm. Mit Fieber, Schnupfen und Gliederschmerzen machten wir das Bett zu unserem Lieblingsort. Bei über 30 Grad und Sonnenschein ist der dortige Aufenthalt aber leider auch kein reines Vergnügen.

Nach mehr als einer Woche geht es nun auch Holger besser. Er spielt wieder Gitarre, und wir können unser Geschenk zum Nikolaus- einen Mietwagen – auch so langsam genießen.

Sogar das Beschießen von Möwen, die von der nachbarlichen Mastspitze regelmäßig auf unser Boot schei…., macht Holger wieder Spaß. Dazu hat er sich eine sehr kreative Fletsche gebaut und als Munition dienen ihm Kichererbsen. Unser schwedischer Nachbar beobachtete Holgers Treiben interessiert und kommentierte dessen Schießversuche mit „Deutsche Luftwaffe!“

Einer unserer ersten kürzeren Ausflüge mit dem C1 von Citröen führte uns in den Pinienwald der Insel. An einer Quelle befüllten wir gemeinsam mit vielen anderen Deutschen und Spaniern unsere Wasserflaschen mit frischem Bergquellwasser. Wir unterhielten uns mit einem deutschen Ehepaar und begeistert rief sie ihrem Gatten zu: „Du Ulf, das sind Ostdeutsche!“ Wir fragen uns heute noch, wie wir diese Aussage deuten sollten, denn vor Ort haben wir leider vergessen nachzuhaken.

Wir beschlossen, einen Spaziergang durch den momentan herbstlich wirkenden Wald zu machen und entdeckten dabei kleine gelbliche Knollen unter den Piniennadeln. Sie wirkten wie Pilze, waren aber durch keinerlei Stiel auch nur irgendwie mit dem Erdreich verbunden. Wir hoben zwei von ihnen auf und beschlossen, uns weitere Informationen zu diesen Kullern zu besorgen.

Dank Internet wissen wir nun, dass es sich um den „Gelblichen Wurzeltrüffel“ handelt, einen Pilz, den es zahlreich auf La Palma geben soll und der durchaus essbar ist. In Holger hat das Wissen eine neue Leidenschaft geweckt. Er möchte mit mir exakt diese Pilze suchen gehen. Ich freue mich, denn ich deute auch das als ein Zeichen dafür, dass es ihm jetzt wirklich wieder besser geht.

 

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                     Vom Kommen, Gehen und Bleiben                                                                                      27.10.2018 – 10.11.2018

 

 

 

 

 

Die Tage vergehen schnell, gefühlt einfach viel zu schnell!

 

In der Marina herrscht ein stetes Kommen und Gehen. Die meisten Stege sind ständig mit wechselnden Yachten besetzt. Überwiegend kommen hier deutsche und französische Segler an. Manchmal ist ein Schwede, ein Holländer, ein Schweizer dabei.

Engländer hingegen sind selten vertreten. Denen fehlt hier wohl der koloniale Charme von Teneriffa.

Meist sind die Boote mit älteren Ehepaaren besetzt, die gut aufeinander eingespielt an den Stegen fest machen. Hin und wieder aber wird es beim An- und Ablegen lauter und hektischer. Dann erreicht eine Charteryacht mit mehreren übermotivierten Männern den Hafen. Das sind nicht selten deutsche Crews, die von Teneriffa kamen und dorthin innerhalb einer Woche auch wieder zurück müssen.

Die Einheimischen besitzen eher selten Segelyachten. Ihr beliebtestes Wasserfortbewegungsmittel ist das kleine Motorboot. Dahinter auf Platz Zwei folgt der Jetski.

 

Einige unserer deutschen Stegnachbarn sind mittlerweile gegangen, allerdings ohne ihre Boote. Sie sind momentan auf Heimaufenthalt im herbstlichen Deutschland. Somit liegen auch zahlreiche unbemannte Yachten um uns herum und es ist ziemlich ruhig.

 

Natürlich merkt man auch, dass der November die Zeit des großen Aufbruchs zu den Kapverden und in die Karibik ist. Obwohl die meisten Atlantiküberquerer wohl von Gran Canaria oder Teneriffa aus starten und viele von ihnen sich der „ARC“, der großen Atlantikregatta, Ende des Monats anschließen, wählen doch einige auch Tazacorte als Absprunghafen über den großen Teich.

 

Erst heute Vormittag haben wir unsere unmittelbaren Stegnachbarn in Richtung Karibik verabschiedet. Vor ihnen waren es Alex und Natascha, die zu den Kapverden aufbrachen und mittlerweile auch schon dort angekommen sind.

 

Wir werden in diesem Winter hier bleiben. Das steht nun definitiv fest.

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass wir die EU-Außengrenze noch nicht so recht passieren wollen. Und da La Palma auch nicht der schlechteste Ort zum Überwintern ist, werden wir es einfach tun und bleiben.

 

In den vergangenen beiden Wochen haben wir wieder etliche neue Wanderwege über die Insel erkundet. Das hält uns einigermaßen fit und in Bewegung. Obwohl ich abends dann meist den Unterschied zwischen elastischen „20“ und knackigen „50“ verspüre und immer häufiger einen Erholungstag im Anschluss benötige.

Inzwischen haben wir ein paar Laufrituale entwickelt: Beinahe jeden Morgen geht es auf unseren Hausberg. Es sei denn, wir haben eine längere Tour geplant oder es ist einer von diesen unbedingt nötigen Erholungstagen. Samstags gehen wir am Abend nach Tazacorte, um dort Dart zu spielen und Gulasch ( Hier heißt das „Fleisch in Soße“.) zu essen. Sonntags geht es am Vormittag auf den Flohmarkt nach Los Llanos zum Leutegucken.

 

Gestern haben wir allerdings einen „Mädchentag“ eingelegt. Das bedeutet, dass Holger sich dem ergeben musste, was ich sonst allein oder mit einer Freundin getan habe: Shopping mit Klamottenanprobe und Kaffee trinken. Ich weiß nicht, ob es ihm wirklich so wenig ausgemacht hat, aber er hat es auf jeden Fall tapfer hingenommen.

Bei „Lidl“ erwarben wir im Anschluss noch einen günstigen elektrischen Zweiplattenkocher, sodass ich zukünftig weitestgehend auf Gas verzichten kann, natürlich vorausgesetzt wir sind in einem Hafen mit Stromanschluss.

 

Vor einigen Tagen haben wir mal wieder mit unserer Aplysia die Marina für einen kürzeren Segeltörn verlassen. Wir hatten eigentlich geplant, vor einem kleinen Strand im Norden von Tazacorte zu ankern, dort evntuell sogar über Nacht zu bleiben. Die Wind- und Wellenbedingungen schienen dafür auch ganz ordentlich zu sein. Allerdings gestaltete sich die Lage hinter der Kaimauer ganz anders. Erst kein Wind, dann Wind zum Kreuzen und dazu noch eine ekelige Schaukelwelle gegen uns. Nein, das hätte keinen Ankerspaß gebracht und war auch schon beim Segeln anstrengend. Also ging es mit angenehmen Rückenwind zurück in die Marina.

Dort erwartete uns schon eine aufgeregt winkende Menschenmenge auf unserem Steg: „Ihr könnt nicht mehr auf euren Platz zurück! Dort liegt jetzt ein Anderer!“, riefen sie uns von weitem zu. Ein Hafenmitarbeiter wollte wohl ein bisschen Bewegung in die Boote bringen und vollführte in der kurzen Zeit unserer Abwesenheit einen nicht zu verstehenden Wechsel auf einigen Liegeplätzen. Holger war erst ein bisschen bedient. Ich sah eher die spontane Abwechslung im Ausblick von unserem Boot.

Bereits zwei Tage später hatten wir dank geistreicher Eigeninitiative und Uwe und Doris aus Hamburg unsere alte Position wieder zurück erobert.

 

Das kann schon mal geschehen, wenn man geht und dann wiederkommt, um zu bleiben!

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                     Es „herbstelt“!                                                                                                              14.10.2018 – 26.10.2018

 

 

 

 

Nicht, dass sich hier auf La Palma irgendwelche Blätter an den Bäumen rot, braun oder gelb verfärben. Nicht, dass es stürmischer wird, kalt oder neblig. Nein, dass passiert hier alles nicht, wenn es Herbst wird.

Das Thermometer zeigt nach wie vor eine Spitzentagestemperatur von 30 Grad und mehr an. Das Meer ist warm. Die Sonne lacht. Wind ist meist kaum spürbar bis nicht vorhanden. Unsere Bekleidung besteht weiterhin aus kurzer Hose und T-Shirt maximal. Also, alles ist irgendwie noch ziemlich sommerlich.

 

Und trotzdem herbstelt es auf der Insel:

 

Am Strand von Tazacorte ist die Sommersaison schon seit einigen Tagen beendet. Die Rettungsschwimmer bummeln bereits ihre Überstunden der vergangenen drei Monate ab, denn gefühlt war nur von Juli bis September hier Badesaison. Die weißen Umkleidehäuschen und die Holzmatten, die auf dem schwarzen Sand zu den Strandduschen führten, sind ebenfalls über Nacht verschwunden. Keine aufgeblasenen Gummirutschen mehr im Wasser und überhaupt hat sich die Anzahl der Badegäste am Strand deutlich reduziert.

 

Unser geliebter Softeisverkäufer mit seinem bunten Softeisautomobil steht auch nicht mehr allabendlich bereit. Für Holger ist das ein besonders herber Verzicht!

Auch Gaststätten haben plötzlich wieder wochenlang Betriebsferien. Genauso wie im Juni, als wir hier auf der Insel ankamen.

Es geht auf La Palma eben entspannter zu. Dem großen Geld wird einfach nicht bis zum letzten Touristen nachgehechelt. „Siesta“ ist hier noch eine echte „Siesta“, soll heißen, dass Geschäfte eben in der Regel zwischen 13.00 Uhr und 17.00 Uhr geschlossen bleiben. Wozu mehr, wenn es eben auch mit weniger geht?

 

Ein wenig hat sich das Wetter allerdings doch in den letzten Tagen oder besser gesagt in den letzten Nächten verändert. Während der vergangenen beiden Dunkelphasen hat es nämlich ordentlich geregnet. Und heute Abend gab es sogar mal kurzzeitig ein Gewitter.

Fragt man andere Segler, die auf den Kanaren schon mehrere Jahre unterwegs sind, so stellen die fest, dass diese Regenmenge für einen Ort wie Tazacorte doch eher ungewöhnlich ist. Sie hätten das noch nicht erlebt, sagen sie.

Verändert sich unser Klima etwa wirklich global? Regen auf den Kanaren und Dürre in Deutschland? In naher Zukunft werden also Bananenplantagen ihren Platz mit Rapsfeldern tauschen? Mir ist so, als hätte ich kürzlich sogar etwas über Bananenanbau in Norddeutschland im Internet gelesen. Vielleicht nur ein Gag oder doch schon der Anfang von…….?!

 

Der Regen hat unsere morgendliche Hausbergbesteigung zu einem Gang durch frische Frühlingsfarben gemacht. Wie schön, dass totgeglaubte Büsche auf einmal zu neuem Leben erwachen und in zartem Grün und hellem Gelb ihre wahre Schönheit preisgeben. Jedes Grassamenkorn ist quasi über Nacht ein stattlicher Grashalm geworden. Und so wandern wir durch diese wunderbare Frühlingswelt mitten im Herbst.

 

Ein weiteres Geschenk der Natur hier sind die vielen reifen Früchte am Wegesrand. Irgendjemand sagte mal zu uns: „Alles, was über eine Mauer ragt, darf geerntet und mitgenommen werden.“ Und so halten wir uns daran und nehmen mit, was reif und essbar ist ( außer es hat Stacheln ). Momentan sind das Avocados. Kauft man sie auf dem Markt, sind sie nicht gerade preiswert. Geht man aber jetzt im Herbst durch die Lande, hängen sie scheinbar unbeachtet über viele Mauern. Und so kann der Holger eben einfach nicht widerstehen, wenn solch eine Frucht ihm förmlich zuruft: „Nimm mich mit! Nimm mich mit! Ich bin doch lange schon reif!“

 

Nicht zuletzt sind verschiedene „Oktoberfeste“ ein deutliches Anzeichen für den Beginn des Herbstes. Wir gehen stark davon aus, dass diese Trinktradition wohl eher von den sich auf der Insel niedergelassenen Deutschen hier eingeschleppt wurde und ausgelebt wird, wissen es aber nicht ganz so genau.

Irgendwie herbstelt es nämlich momentan auch mit unserer Feierlust und wir konnten uns zu „Weißwurscht, Brathändl und oaner Mass Bier“ nicht aufraffen.

Vielleicht wird es ja im Winter wieder besser mit uns?!

 

PS: Gestern haben wir 600 Höhenmeter auf der für mich bisher anstrengendsten Wandertour bewältigt. Für das steile Hinauf und dasselbe Hinab haben wir 5 Stunden gebraucht, eingeschlossen einer Einkehr von 45 Minuten. Das eiskalte „Alster“ und die herrlichen Ausblicke über die Insel waren die Entschädigung für all die Muskelquälereien. Heute ist dafür Ruhetag!

 

 

 

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                        Das ist neu!                                                                                                                30.09.2018 – 14.10.2018

 

 

 

 

Der neue Monat begann für uns hier auf La Palma zunächst mit wenig Neuem. Noch immer schien die Sonne bei einer Tagestemperatur von mehr als 30 Grad. Noch immer erkletterten wir fast täglich tapfer den Hausberg, Holger bis zum Gipfel und ich meine 2/3 Variante. Aber nicht nur das sollte sich recht bald ändern.

 

Die erste Veränderung ereignete sich in unserer unmittelbaren Stegnachbarschaft. Unsere lieben Bootsnachbarn Alex(Schweiz) und Natascha(Frankreich) brachen auf, um mit Zwischenstopp auf El Hierro danach weiter zu den Kapverden zu segeln. Wir vermissen Nataschas Lachen und Alex`offene und herzliche Ansprache seitdem sehr. Auf ihrem Stegplatz liegen jetzt zwar auch wieder Schweizer. Diese sprechen aber deutsch und sind auch irgendwie ganz anders.

 

Am 4. Oktober legte zum allerersten Mal in der Geschichte unseres Hafens ein Kreuzfahrtschiff hier an. Bisher war das nur dem Hafen in Santa Cruz auf der anderen Inselseite vergönnt, der allerdings auch wesentlich größer ist.

Auf ungefähr 90 Luxuskreuzfahrer wartete ein kleines Folkloreprogramm und ein übersichtlicher, aber liebevoller Markt an Land. Die einzigen interessierten Besucher dieser kleinen „Fiesta“ waren allerdings nur Einheimische, Segler und die Marktfrauen selbst. Die Kreuzfahrer ließen sich derweil kalte Getränke an Bord servieren und lauschten in ihren Sesseln sitzend dem spanischen Treiben aus der Ferne. Irgendwann tauchte dann ein Reisebus auf und ein Großteil der Leute an Bord wurde in ihn verladen. Sie hatten nicht einen einzigen Blick auf die netten Stände der Einheimischen geworfen. Dafür kauften wir beide super leckeren Ziegenkäse und eine Flasche Gofio-Schnaps.

Leider gab es keine faulen Eier! Ich hätte sonst zugeschlagen, in doppelter Hinsicht!

 

Der vergangene Sonntag führte uns „Wanderer“ mal wieder nach Los Llanos. Bisher sind wir in diese Stadt hinauf meist mit dem Bus gefahren und zurück, also hinunter, gelaufen. Diesmal wollten wir sowohl hinauf als auch hinunter zu Fuß bewältigen.

Oben angekommen, wartete eine Überraschung auf uns. Sonntags bietet Los Llanos nämlich einen recht großen und auf der Insel bekannten Flohmarkt. Wir sind nun schon eine ganze Weile auf La Palma, aber diesen Markt hatten wir bisher nicht auf unserem Zettel. Und nun führte uns der Zufall mitten hinein in den Trubel. Überrascht stellten wir fest, dass zahlreiche Verkaufsstände in deutscher Hand sind. Außerdem boten ein paar Hippies neben spiritueller Musik auch Massagen und den ganz großen Blick in die Zukunft an. Ein buntes Völkchen hatte sich auf dem staubigen Platz versammelt. Wir genossen diese eigenwillige Atmosphäre bei spanischem Radler ohne Alkohol (=Shanty sin alcohol) und dick belegten Brötchen (= bocadillos).

Schon seit einer ganzen Weile werden in unserem kleinen Dorfsupermarkt Kaktusfrüchte angeboten. Bisher habe ich sie nur interessiert zur Kenntnis genommen, aber noch keine davon gekauft. Nun, auf unserem Rückweg von Los Llanos hing mir ein solches Exemplar reif und rund förmlich am Wegesrand vor der Nase. Ich konnte dem kostenlosen Angebot einfach nicht widerstehen und griff zu. Zunächst steckte ich meinen Zeigefinger in das glitschige Innere der Frucht: „Hmmm, lecker! Ein bisschen wie eine ganz süße Kiwi!“ Ich fing an, die Frucht abzupellen und dann hinein zu beißen. Großer Fehler. „Autsch!!!! Nimm mal.“, sagte ich zu Holger, als es bereits zu spät war. Mein Mund war voller Stacheln mit Widerhaken und an meinen Fingern sah es auch nicht besser aus. Und da ich Holger die Kuller übergeben hatte, litt er nun unter den selben Beschwerden. Etwas beschämt über unsere Naivität, jammernd und unsere Münder mit Mineralwasser spülend, setzten wir den Heimweg fort. Zu Hause kam dann noch die Pinzette zum Einsatz und der größte Schmerz konnte behoben werden.

Am nächsten Morgen hörte ich in unserem kleinen Dorfsupermarkt die nette Verkäuferin hinter ihrer Kiste mit Kaktusfrüchten laut wehklagen und sah, wie sie an ihren Fingern herum zupfte. Augenblicklich und entgültig strich ich diese Frucht von der Liste meiner Begehren!

 

Noch etwas Neues erlebten wir vor einigen Tagen: Regen!!!

Seitdem wir auf La Palma sind, hat es bisher noch nicht mehr als zwanzig Tropfen am Stück geregnet und nun, am Tag meiner 60-Grad-Wäsche, fing es plötzlich nachmittags an damit. Nach kurzer Unterbrechung, die zum Glück für das Wäschetrocknen ausreichte, setzte sich dieses Wetterereignis fort und dauerte auch noch den ganzen folgenden Tag.

Diesen hatte ich, wie passend, für die Erneuerung meiner etwas aus der Form geratenen Frisur vorgesehen. Einen Termin bei „Alberto“ ( oder „Alfredo“???) in der Tasche, setzte ich mich ohne Regenschirm in Richtung Bushaltestelle in Bewegung. Es fing natürlich an, in Strömen zu gießen.

Dabei kannte ich das Problem mit dem Regen doch bereits aus Deutschland. Meine dortige Friseuse behauptete auch, dass ich sie nur bei Regenwetter besuchen würde, und das natürlich immer mit Fahrrad.

Alberto erwartete mich, machte mich für 10,00 Euro wieder schön und dann ging es erneut in den Regen hinaus. „Du siehst aber schick aus, mindestens 10 Jahre jünger!“ Das sagte Holger zu mir, als ich zu Hause ankam. Was kann ich mehr vom Leben erwarten?

 

Seit dem 11. Oktober bin ich das neue Mitglied im „Club der Gipfelstürmer“.

HURRA! Endlich geschafft!

27 Versuche, die für mich nicht ausreichten, es bis zur Aussichtsplattform, also bis zum untersten Gipfel unseres Hausberges, zu schaffen. Letztendlich ist es mir aber doch gelungen. Meine Höhenangst ist garantiert noch immer mein stiller Begleiter, aber ich bin dran geblieben, hab nicht aufgegeben und kann nun stolz und mit jeder Menge Glücksgefühlen 300m in den Abgrund auf unsere „Aplysia“ in der Marina blicken, ohne gedanklich sofort in die Tiefe gezogen zu werden.

Holger hat mich immer wieder dazu angespornt, nicht aufzugeben, war mein geduldiger Mutmacher. Es hat sich gelohnt. „JETZT können wir auch mal über andere Wanderungen hier auf der Insel nachdenken.“, sagte er und hat damit völlig recht.

 

Auf dem offenen Atlantik tobt sich schon seit einiger Zeit der Hurrikan „Leslie“ aus. Die Vorhersagen deuteten sogar darauf hin, dass Madeira (zum ersten Mal in seiner Geschichte) und auch die Kanaren nicht ganz unberührt von ihm bleiben sollten. Da er aber seine Richtung und Stärke ständig änderte, kam es anders und er drehte nach Portugal und Spanien ab.

Wir erlebten am 13. Oktober nur noch seine Ausläufer. Zum ersten Mal, seitdem wir hier sind, hat es auf unserer Inselecke mal ordentlich Wind gegeben, Windstärken bis 7 Beaufort auf der Skala. Dazu konnten wir gewaltige Wellenberge, die den Strand komplett überspülten, bestaunen. Nach diesem Tag hinterfragten wir die Notwendigkeit der mit EU-Geldern subventionierten 2. Kaimauer nicht mehr. Unsere „Aplysia“ lag schließlich mit kaum spürbaren Schaukelbewegungen sicher in der Marina.

 

Zum Schluss noch eine kleine runde Neuigkeit:

Neulich wollte ich im Supermarkt Zwiebeln erwerben. Nach dreifacher Umrundung des Obst-und Gemüsestandes gab ich die Suche auf. Kleine braune oder rote Kugeln, als solche waren Zwiebeln in meinem Gedächtnis abgespeichert, kamen einfach nicht in mein Blickfeld.

Eine Verkäuferin tauchte auf. Und da ich mich im Moment gerne auf spanisch ausprobiere, fragte ich sie nach „cebollas“. Ja, sicher hätten sie welche. Ich solle ihr folgen. Das tat ich und plötzlich hielt sie mir eine verhältnismäßig große weiße Knoblauchknolle vor die Nase. Nein, das wäre doch kein Knoblauch, sondern eine weiße Zwiebel. Und ja, die könne man auch braten.

 

Es ist einfach schön! Wieder wurden wir überrascht von etwas Neuem, wenn es auch nur die Größe einer Zwiebel hatte.

 

Also, schön neugierig bleiben und auch Kleinigkeiten niemals als uninteressant verachten!

 

 

 

 

 

    La Palma – Tazacorte                                                                                                         Fiestas feiern                                                                                                             10.09.2018 – 29.09.2018                                                                                      

 

 

Wenn in einer Ortschaft Leinen aus glitzerndem bunten Papier von Haus zu Haus gespannt sind, wenn Bilder von Heiligen entlang der Straßen erscheinen und kleinere oder größere Bühnen auf Plätzen und Bürgersteigen aufgebaut werden, dann ist dort garantiert Fiestazeit. Man schaue dann unbedingt die Informationsseiten für Veranstaltungen auf La Palma im Internet an, damit man nicht völlig ahnungslos und mit falschen Vorstellungen bei einer solchen Fiesta erscheint.

 

Diesbezüglich wurde uns in den vergangenen Wochen hier in Tazacorte so Einiges an Abwechslung geboten. Hier begeht man im Moment nämlich eine Fiesta zu Ehren von San Miguel, also vom Heiligen Michael. Und das eben nicht nur an einem oder an zwei Tagen, sondern der Spaß zieht sich über mehrere Wochen hin. Unsere Teilnahme an den Festivitäten „beschränkte“ sich allerdings auf bisher fünf Veranstaltungen.

1) Cover Rock: Unter anderem wurden The Police und AC/DC gecovert. Im riesigen Veranstaltungssaal von Tazacorte wurde dazu massig an Technik aufgefahren, zwei Videoleinwände inklusive. Aber irgendwie gelang die Beschallung dieser gewaltigen Arena nicht so richtig, sodass die durchaus gegebene Qualität der Bands nicht wirklich zur Geltung kam. Trotzdem wackelten wir gemeinsam mit Steffi und Rolf von einem unserer Nachbarboote ordentlich ab und freuten uns über vertraute Lieder zum Mitschreien. Eine Frage bleibt: Wie kommt ein so kleiner Ort zu so einer großen Veranstaltungshalle?

2) Fiesta Cubana: Im Internet stand geschrieben, dass man zu dieser Veranstaltung in weißer Kleidung erscheinen soll. Wir taten unser Möglichstes, um uns dieser Farbvorgabe anzunähern, aber unser Kleiderfundus an Bord gab diesbezüglich leider nicht allzuviel Berauschendes her. Zum Fest konnten wir dann viele Frauen in wunderschönen weißen Kleidern bestaunen.

Mitten in Tazacorte war eine der Hauptstraßen gesperrt worden. Rechts und links des Weges reihten sich ein Mojito-Stand an den nächsten. Hier wurde der Saft aus Zuckerrohrstangen frisch gepresst und mit ordentlich Rum zu einem krass wirksamen Getränk vermischt. Am Ende der alkoholischen Sackgasse stand eine große Bühne, auf der verschiedene Bands klasse kubanische Rhythmen spielten. Auch hier konnten wir einfach nicht still stehen und mussten unsere Popos ordentlich schwingen. Beschwingt kullerten wir dann auch weit nach Mitternacht den Berg hinab bis direkt vor unsere Aplysia, die bei unserem Anblick mal wieder nur mit den Fendern schütteln konnte.

3) Caballos Fufos für Kinder: Zu diesem Event kamen wir durch Zufall und auch etwas zu spät. So hatten wir den Kinderumzug mit umgebundenen Papppferden leider verpasst, nicht aber die anschließende Alleinunterhalterin, die mit ihrer fantastischen Stimme ganz Tazacorte beschallte. Und endlich war sie auch mal eine Künstlerin, die sowohl spanische als auch englische Lieder trällern konnte. So waren wir wenigstens mal textsicher bei den Refrains von „BoneyM“ und „The Beatles“.

Wir testeten in einer Bar noch ein „Teufelsbier“ (=El Diablo) auf besondere Empfehlung des Kellners und wünschten ihn sofort zum Teufel (Spaß!), denn es schmeckte nach allem nur eben nicht nach Bier.

4) Konzert des Ortsorchesters von Tazacorte: Vor dem örtlichen Supermarkt hatte sich eine ansehnliche Orchestertruppe bestehend aus jungen und älteren Musikern aufgestellt und spielte eine knappe Stunde lang ihr Repertoire klassischer Musikstücke. Schön! Für uns echt bemerkenswert daran ist, dass Tazacorte ein Dorf mit ca. 5000 Einwohnern, sogar ein eigenes Orchester hat. Wir glauben einfach, dass die Menschen hier noch gerne ihre Freizeit miteinander und dabei auch durchaus mit sinnvollen kulturellen Dingen verbringen. Das Publikum besteht dann eben auch nicht nur aus Omas und Opas, sondern kleinere Kinder und Teenager hören ebenfalls zu ( ...wenn auch mit starrem Blick auf ihre Handys!).

5) Caballos Fufos für Erwachsene: Als wir dieses Mal den Berg nach Tazacorte erklommen hatten und uns dem Ort näherten, vermuteten wir anhand der zahlreich auf unserem Weg geparkten Autos schon: Das muss ein großes Ereignis sein, was uns heute erwartet.

Im Ort selbst herrschte Ausnahmezustand. Die Leute hatten sich mal wieder herausgeputzt. Hier läuft zu Fiestas nämlich kaum eine Frau und kaum ein Fräulein mit schnöden Jeanshosen herum. Nein, Röcke und Kleider, kurz oder lang, presswursteng oder weit schwingend, von Leopardenlook bis bunt geblümt- das ist hier angesagt. Die Schuhe dazu müssen golden oder silbern glänzen und sehr oft mit kräftigen Absätzen versehen sein.

Die passend dazu aufgestylten Kinder sind überall und bis zum Schluss mit dabei. So kann es dann schon mal passieren, dass neben Papas Bierbecher die Milch in der Babyflasche für den Nachwuchs auf dem Tisch steht. „Die Gefahr, nachts um eins von einem Roller überfahren zu werden, ist hier gewaltig größer als sich selbst ein Bein zu brechen.“, bemerkte Holger angesichts der zu so später Stunde noch immer gut gelaunten Kinderschar.

Wir gähnten schon, bevor die Show gegen zehn Uhr überhaupt so richtig in die Gänge kam. Und im Nachhinein fragen wir uns immer noch ungläubig: Wie konnten ca. 15 tanzende Männer mit um die Bäuche gebundenen Papppferden ( = Caballos Fufos), dazu ca. 20 Menschen, die mit bunten Fransenstäben wedelten, und 3 Paradewagen eine solche Menschenmenge anziehen?

Im Internet stand etwas von kunstvoll hergestellten Umzugswagen und nun fuhren im Schritttempo, allerdings mit dauernden Unterbrechungen zum Fotografieren, diese drei Wagen mit hochgeschminkten kleinen Mädchen und jungen Frauen an uns vorbei. Was sollte das? War es Werbung für eine Modeboutique oder so eine Art Brautschau oder waren die jungen Damen etwa die Schönheitsköniginnen der Insel? Jedenfalls hatte man sie irgendwie dort oben auf den Wagen festgebunden. Denn als plötzlich einer von ihnen der Kreislauf versagte, brauchte es mehrere geschickte und starke Männerhände, um sie aus ihrer Kleiderpelle und aus dem Stehgestell zu befreien und in einen Krankenwagen zu legen.

Im Anschluss daran gab es Tanz mit einer rockigen spanischen Band. Sowohl Großväter als auch Urenkelkinder schwangen dabei die Tanzbeine. Und wenn die Kinderlein noch zu klein zum Tanzen waren, dann wurden sie eben geschwungen.

Es ist immer wieder schön zu sehen, wie alle Spaß miteinander haben und solche Veranstaltungen völlig ohne Krawalle und Ausschreitungen verlaufen. Die „Policia Local“ und „Guardia Civil“ bleiben in der Regel arbeitslose und entspannte Zuschauer an einem solchen Abend.

 

Neben Fiestas feierten wir die letzten Wochen auch mit täglichen Spaziergängen und ein paar kürzeren Segeltouren vor unserer Marina. Auf einer dieser Ausflüge haben wir seit langer Zeit mal wieder Delfine springen sehen. Sie hatten allerdings keinerlei Interesse an uns und blieben somit nur durchs Fernglas eine Weile lang sichtbar.

 

In Deutschland wird es langsam Herbst. In Thüringen gab es wohl sogar schon den ersten Bodenfrost. Wir schwitzen hier nach wie vor bei über 30 Grad und freuen uns darüber, Bikini und Badehose zu unseren wichtigsten Kleidungsstücken zählen zu können. Und so leben wir dankbar dahin und genießen weiterhin die Zeit auf der schönen Insel La Palma.

 

 

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                         Folklore, Fischfang, Fitness und Fiesta                                                                                          1.09.2018 – 9.09.2018

 

 

Eine überaus abwechslungsreiche Woche liegt wieder hinter uns.

Begonnen hat sie am vergangenen Samstagabend, als sich auf der Strandpromenade zwei Palmerische Folkloreensembles mit Gesang und Tanz präsentierten. In aufwendigen Trachten tanzten sie beschwingt und meist im Kreis vor einem aufmerksamen, aber äußerst zurückhaltendem Publikum. Bestimmt waren es bekannte Volkslieder, die da gesungen wurden, aber keiner der Zuschauer konnte sich dazu verleiten lassen, mitzusingen, mitzuschunkeln oder auch nur mitzuklatschen. Ein wenig Applaus und aus die Maus!

Der Sonntag wurde nach langer Zeit mal wieder ein Segeltag. Wir legten gegen 14.00 Uhr ab und versuchten, gen Norden zu kreuzen. Zunächst verließ uns aber immer mehr der Wind und unsere Maschine Lore hatte eine Zeit lang gut zu tun. Uns ist von früheren Piratenhöhlen in diesem Gebiet berichtet worden und dass man davor ganz gut ankern könne. Schon bald entdeckten wir diese auch. Mittlerweile hielten sich hier allerdings keine Seeräuber mehr auf, sondern einige badefreudige Spanier. Mit ihren meist kleineren Motorbooten hatten sie zahlreich Anker gesetzt.

In dem größten der Felsenlöcher entdeckten wir erstaunlich große weiße Häuser. Sie waren viereckig in die Höhle hinein gebaut. Wie hatte man bloß die Baumaterialien dorthin bekommen, denn einen leicht zugänglichen Weg über Land konnten wir nicht entdecken. Und zu welchem Zweck waren diese Gebäude überhaupt entstanden? Mit diesen Fragen im Gepäck machten wir uns auf den Rückweg und mussten erneut gegen eine nun doch recht frische Brise ankreuzen. Es ist hier täglich so, dass der Wind, wenn es denn welchen gibt, zu unterschiedlichen Tageszeiten aus unterschiedlichen Richtungen weht. Kommt er morgens noch aus Nord, kann er abends komplett auf Süd gedreht haben, oder auch mehrmals am Tag seine Meinung ändern.

Unsere Rücktour habe ich zur Hälfte friedlich verschlafen, denn als Holger den Motor ausschaltete und nur noch das sanfte Rauschen des Meeres zu hören war, überkam mich eine heftige Müdigkeit und ich sank in einen wirklich sehr zufriedenen Schlummer hinab. Nur die regelmäßigen Wenden und die leichte Schräglage ließen mich von Zeit zu Zeit die Augenlider etwas öffnen. Holger hatte die Angelsehne seiner selbst reparierten Hochseeangel noch im Wasser und wollte sie vor der Hafeneinfahrt wieder einrollen, aber es klappte nicht. Somit wurden die letzten Meter bis zurück an den Steg spannend und auch ärgerlich, denn Holger hatte im Vorfeld zwei Tage lang an der Angelspule gebastelt und war am Ende sehr optimistisch bezüglich ihrer Leistung gewesen.

Wir widmeten die folgenden beiden Tage dann auch dem Besuch von verschiedenen Angelgeschäften in Los Llanos, der nächst größeren Stadt, ca. 7 km von uns entfernt. Holger hatte sich im vorher mit unserem Hafenangelprofi Martin beraten und nun eine Vorstellung von dem, was er wollte und was nicht. Allerdings hatte das, was laut Martin wirklich Sinn machte, auch seinen stolzen Preis und somit konnte sich Holger letztendlich noch zu keinem Kauf entschließen. Wieviel Thunfisch müsste er für diesen Preis eigentlich angeln? Und was hatten da noch gleich die anderen Segler von ihren Angelerfolgen berichtet? Die waren doch sehr überschaubar!

Im Moment greift Holger wieder öfter zur einfachen Angelausgabe und hält diese von Zeit zu Zeit ins Hafenbecken. Immerhin hatte er hier auch schon einen Erfolg- den Hai!

Die Busfahrten nach Los Llanos hatten auch noch einen sehr positiven Effekt. Den Rückweg bewältigten wir jedes Mal zu Fuß und konnten somit viel für unsere Kondition tun. Da es auf La Palma entweder konsequent steil bergauf geht oder wie bei unseren beiden Wanderungen steil bergab, entdeckten wir schon lange vergessene Muskulatur an unseren Körpern. Beine und Füße erlebten eine regelrechte Wiedererweckung und dankten es uns mit ausgeprägtem Muskelkater am Tag darauf.

Weitere sportliche Spaziergänge folgten noch in dieser Woche: unseren „Hausberg“ hinauf und hinunter, zum Einkaufen nach Tazacorte oder einfach durch unser riesiges Hafengelände. Holger erweist sich hierbei allerdings als ausdauernder im Vergleich zu mir. Zum Beispiel heute ist er allein auf den „El Time“ gestiegen. Ich habe nur den einen Kilometer bis zum Dorfkonsum geschafft. Heul!!!

Den krönenden Abschluss unserer vergangenen Woche sollte am späten Freitagabend eine Busfahrt nach Tijarafe zur „Fiesta del Diablo“, dem Teufelsfest, bilden. Weit nach Mitternacht erscheint dabei ein brennender und Funken sprühender Mensch in eisernem Teufelskostüm und rennt durch die schon stark angeheiterte Menschenmenge auf dem Kirchenvorplatz von Tijarafe.

Im Vorfeld wird getanzt, viel getrunken und mit Knallkörpern heftig Krach gemacht. Kleinere Ausgaben des Funkenteufels rennen bereits durch die stetig zunehmende Menschenmenge. Als wir gegen 2.30 Uhr wagten, uns auch etwas mehr unter das zappelnde Volk zu mischen, scheiterte dieser Versuch kläglich an unserer plötzlichen panischen Platzangst. So viele Menschen zusammengedrängt auf diesem Platz, das war nicht unser Ding. Holger sagte mir später: „Ich hab mir vorgestellt, wenn jetzt hier einer ausrastet oder mit den Feuerwerksmännern etwas schief geht und Panik kommt auf. Da musste ich einfach dort raus.“ Mir ging es ähnlich. Als mein „Cuba Libre“ durch einen Schubs auf meiner Strickjacke klebte, fand ich das alles auch nicht mehr so witzig. Wir verpassten also den Star des Abends, El Diablo- Den Teufel, und machten uns mit einem Taxi auf den Heimweg. Um 3.30 Uhr lagen wir im Bett und der nächste Tag war somit auch gelaufen. Er wurde ein typischer Katertag mit spätem Frühstück, spätem Mittagsschlaf, sanftem Spaziergang und frühem Zubettgehen. Trotzdem sind wir um eine Erfahrung reicher und hatten natürlich auch viel Spaß.

 

 

 

La Palma - Tazacorte                                                                                                  Wieder zurück!                                                                                                                          21.08.2018 – 31.08.2018

 

Immer wieder ist es unfassbar, wie schnell Tage vergehen können. Sind wir wirklich schon 10 Tage zurück aus Deutschland? Sind wir überhaupt dort gewesen? Unglaublich...

...aber wahr ist, dass uns am 21. August ein Condor- Flugzeug wieder gut und bequem( Wir hatten wieder Glück und drei Sitzplätze für uns allein!) nach La Palma gebracht hat.

Gleich nach unserer Landung konnten wir uns über einen angenehm großen Mietwagen freuen: einen Dacia Sandero. Wir haben mit einem kleineren Modell gerechnet und waren mit der geländegängigeren Variante eines Automobils sehr einverstanden. So ging es dann auch gleich von Ost nach West durchs Gelände, allerdings auf gut ausgebauten Straßen.

Unsere Aplysia erwartete uns wie immer, schaukelnd, schweigend und ein wenig schmuddelig. Auch ansonsten hatte sich nicht viel verändert. Selbst unser Bootsnachbar Alex war noch da und empfing uns mit zahlreichen Inselgeschichten aus den vergangenen Wochen. Er hatte fleißig Spanisch gelernt und somit in den letzten Wochen viele neue Freunde gefunden. Besonders die Freundinnen mit sexy Kurven hatten es ihm angetan. Er schien wie berauscht von der Bevölkerungsgruppe, die, vor allem aus Kuba oder Venezuela stammend, irgendwann mal den Weg nach La Palma gefunden hatte, um hier zu leben. Wir können das wirklich gut verstehen. Die Ausstrahlung und Lebensfreude eines Kubaners/ einer Kubanerin lässt sich nur schwer bzw. gar nicht mit der anderer Nationen vergleichen.

Für uns begannen nun Tage, die morgens von sportlichen Wanderungen bestimmt waren. Immer wieder ging es den steilen „Hausberg“ hinauf. Holger schaffte es dabei täglich bis zu dessen Gipfel; ich arbeitete mich Stück für Stück der Mitte des gewaltigen Felsbrockens entgegen und nutzte danach lieber den großzügigen flachen Auslauf unseres Hafengeländes für den Rest des Marathons. Mächtig schwitzend und mit glühenden Köpfen warfen wir uns im Anschluss immer in das kühlende Nass des Atlantiks. Das war immer auch der beste Moment dieser Tortur. So langsam aber stellte sich das Gefühl einer gewissen körperlichen Fitness wieder ein, welches wir zuletzt vor unserer Deutschlandreise verspürt hatten.

Unser Heimatbesuch war nämlich nicht nur ein Wiedersehen mit Familie und Freunden, sondern auch eine Wiedervereinigung mit der leckeren deutschen Wurst. Leberwurst, Mettwurst, Teewurst, Bratwurst, Bockwurst- Hmmm!!!!! Diese Schlemmereien und dazu relativ wenig Bewegung blieben nicht ohne Folgen für unsere Bodys. Somit waren wir praktisch dazu verpflichtet, uns nach unserer Rückkehr nicht nur den bequemen Ausflugsfahrten mit dem Mietwagen hinzugeben.

Trotzdem taten wir dies natürlich ausgiebig. Wir fuhren nach Norden, Osten, Süden und zurück nach Westen und verschafften uns einen, wenn auch oberflächlichen, Eindruck von La Palma, der „Isla Bonita“, die diesen Namen ganz und gar nicht unberechtigt trägt.

Man findet hier äußerst abwechslungsreiche Vegetationszonen. In vielen Küstenbereichen erstrecken sich große Bananenplantagen, teilweise versteckt in weißen Zelten, oder schroffe, zum Meer hin steil abfallende Felswände.

Darüber liegen oft kleine, aber weitläufige Ortschaften mit bunt angestrichenen bildhübschen Häuschen, Gärten voller farbenfroher Blumen, Büschen und blühender Bäume und natürlich mit vielen Palmen.

Oberhalb der Ortschaften geht es in die ausgedehnten Waldgebiete mit einerseits Pinienbäumen und andererseits den Lorbeerwäldern, in denen sich die Feuchtigkeit der Passatwolken fängt und die dadurch La Palma zu einer wasserreichen Insel machen.

Der höchste Punkt des Inselgebirges nennt sich „Roque de los Muchachos“. Auf einer Höhe von 2426m blickt man von hier aus über baumloses Land, das mit wind -und kälteunempfindlichen Büschen bedeckt ist, bis direkt hinunter zum blauen Meer. Es soll hier weltweit der größte Höhenunterschied bis zum Nulllevel des Meeresspiegels sein. Hier oben kann im Winter auch schon mal Schnee fallen, worauf die entlang der Straßen aufgestellten Stangen, unglaublich bei momentanen 30 Grad, hinweisen.

La Palma kann man nicht einfach nur mit dem Auto abfahren. Man muss es zumindest in Teilen auch erwandern, um es kennenzulernen und genießen zu können. La Palma ist eine Insel, die man an vielen Orten auch riechen kann: neben den Bananenpflanzen oder in den Pinienwäldern atmet man gerne einmal tief ein. Allerdings möchte man den Geruch von Hunde- oder Katzenkacke auf den Bürgersteigen oder den von ausgetrockneter Puller der „Senores“ in beliebten Häuserecken ganz schnell wieder los werden.

Abschließend möchte ich auch noch unseren Besuch in der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma erwähnen, der sich echt gelohnt hat. Hier gewinnt man einen Eindruck von ursprünglicher kanarischer Architektur. Zahlreiche Häuser der Altstadt sind mit den typischen Holzbalkonen versehen und liebevoll mit üppiger Blumenpracht dekoriert. Auf vielen „Plazas“ kann man gemütlich etwas Kühles trinken oder ein Leckerchen essen ( ...oder auch beobachten? ). Durch die Straßen weht dank der Aszellerationszone vor der Haustür meist ein frischer Luftzug, sodass man beim Bummeln nicht so sehr in Schweiß gerät.

Mitten in der Stadt wurde Kolumbus`Entdeckerschiff „Santa Maria“ nachgebaut. Es ist jedoch doppelt trügerisch: Der erste Betrug ist, dass man denkt, es sei aus Holz. In Wirklichkeit aber wurde es aus Beton gegossen. Der zweite Betrug ist, dass Kolumbus nie von La Palma aus in die „Neue Welt“ gestartet ist, sondern von der Nachbarinsel La Gomera. Aber wen interessiert das, wenn man doch auf dem Nachbau so herrlich herum klettern kann?

Wir entschieden uns allerdings gegen das Klettern und für den Besuch einiger weniger der zahlreichen kleinen Geschäfte entlang der Einkaufsstraße, die durch die Altstadt führt.

Mein momentanes Shoppingziel ist ein neuer Bikini. Gar nicht so leicht, wenn man körperlich recht üppig ausgestattet ist. Holger half mir schließlich dabei, mich in drei der recht preiswerten Exemplare hineinzustopfen. Dreifaches Scheitern und ein Schweißausbruch sondergleichen waren die Folgen. Aber nicht heulen! Irgendwann wird der Traumbikini schon zu mir kommen. Da bin ich fest von überzeugt! Jawohl!

Für Holger haben wir ein La Palma- Touristen- T-Shirt gekauft. Das kann er dann auf La Gomera oder Gran Canaria oder….. anziehen und damit immer für Erheiterung bei den Betrachtern sorgen ( „Falsche Insel!“ oder so ähnlich).

Unser einziger Abendausflug mit Auto führte uns zu einer „Fiesta“ nach Tijarafe. Wir hatten schon am Tag zuvor den Aufbau von Bühne und gewaltiger Technik vor der dortigen Kirche gesichtet. Also mussten wir doch auch nachsehen, was sich dort ereignen würde. Mit etwas Verspätung kamen wir beim Auftritt einer Rockband und den vertrauten Klängen von Led Zeppelin an. Vor der Bühne jedoch ereignete sich so gut wie nichts. Ein paar hippieähnliche Kreaturen hüpften, die langen Haare schwingend, auf der Tanzfläche hin und her und einige wenige Spanier hielten an den Imbiss- und Bierbuden einen gehörigen Abstand zum Geschehen. Im Anschluss an die Rockband wirbelte ein spanischer Rapper über die Bühne und quatschte die Tanzfläche nun komplett leer. Einige der Zuschauer zuckten verständnislos mit den Schultern.

Wir verzogen uns in Richtung Bierhahn und trafen dort auf Richard, oder wohl doch eher Ricardo. Allerdings sah er sich schon fast als Kanadier und zog wohl die englische Bezeichnung seines Namens vor, obwohl sein Englisch noch stark ausbaufähig war. Wir verrieten ihm unsere Namen und da ich Carmen heiße, brauchten wir unser Bier nicht zu bezahlen. Ob das wohl auch beim Kauf anderer Produkte auf dieser Insel so funktioniert? Ich zahle einfach mit meinem schönen spanischen Namen. Jedenfalls endete dieser Abend kurze Zeit später. Richard entschwand so plötzlich wie er aufgetaucht war und wir nutzten die Gunst des Augenblicks, um es ihm gleich zu tun. „Rapper Tilo“ aus Teneriffa war mittlerweile zu Höchstform aufgelaufen und das bedeutete massive Verletzungen unserer Gehörgänge und Geschmacksnerven. Also nix wie weg!

Auf dem Weg zurück genossen wir vom „El Time“ aus den herrlichen nächtlichen Ausblick mit endlosem Sternenhimmel über Los Llanos, Tazacorte und unseren Hafen. Das entschädigte für den doch etwas missglückten Ausflug zur sogenannten Fiesta in Tijarafe.

Seit drei Tagen sind wir nun ohne Auto und fühlen uns nicht schlecht dabei. Viel Zeit ist plötzlich wieder vorhanden für Bootsverschönerungen und andere Bastelarbeiten. Heute hat Holger seiner kaputten Hochseeangelspule etliche Stunden gewidmet. Ich hab ihn noch nicht nach dem Ergebnis gefragt, aber ich glaube, seine Bemühungen blieben leider erfolglos. Hier scheint jetzt die Thunfischsaison so richtig los zu gehen und von daher ist es äußerst bitter, dass Holgers Angelgerät seinen Dienst einfach nicht mehr tut.

Gestern haben wir beide noch einen Abendspaziergang am Strand entlang gemacht. Ein Grund dafür war auch das bunt blinkende Auto des Eisverkäufers, das uns schon seit unserer Wiederankunft lockt. Noch bevor wir uns ein leckeres Softeis bestellen konnten, signalisierte uns der junge Mann, dass er uns wiedererkannt hat, und das bei so vielen Menschen und nach nun immerhin zwei Monaten Pause. So ganz hat er wohl nicht verstanden, wie wir mal eben mit dem Flugzeug nach Deutschland hin- und zurückgereist sind und welche Rolle unsere Aplysia bei der ganzen Sache spielt. Ist aber auch nicht schlimm! Wir haben ja noch öfter die Gelegenheit, ihm so manches zu erklären. Denn ein bisschen länger bleiben wir Tazacorte wohl noch treu!

Sieben Wochen in Deutschland                                                                                          Ein Urlaub vom Urlaub!                                                                                                                       3.07.2018 – 21.08.2018

Anfang Juli saßen wir beide erwartungsvoll und mit gemischten Gefühlen von Heimweh bis Trennungsschmerz auf dem Flughafen von La Palma. Die Sonne strahlte von einem makellos blauem Himmel herab und eine frische Brise machte uns das Warten vor dem Flughafengebäude sehr angenehm. So verließen wir unsere schöne Insel mit vielen tollen Erlebnissen im Handgepäck.

In Hannover gelandet, waren wir uns gar nicht so sicher, ob wir wirklich im richtigen Land angekommen sind. Um uns herum wurde ausschließlich fehlerfreies Türkisch gesprochen. Zahlreiche Türkeiflieger starteten in jener Nacht und so war es nicht verwunderlich, dass auch wir uns plötzlich im Zentrum einer türkischen Großfamilie wiederfanden.

Nach mehrstündigem Aufenthalt im Flughafenterminal ging es gegen Morgen mit S-Bahn und Zug in Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Ganz so leicht wurde uns die Einreise in das Heimatbundesland dann doch nicht gemacht, denn aufgrund eines tierischen Zugunfalls verspätete sich unser Anschlusszug und wir hingen für zwei Stunden fest. „Nicht so schlimm!“, sagten wir uns und genossen auf einer Parkbank sitzend die morgendliche deutsche Sommersonne mit Kaffee to go in der Hand. Als sich aber eine Zugbegleiterin auf dem Bahnsteig blicken ließ, wurden unsere Mitreisenden plötzlich bissig. Die arme Frau konnte nun wirklich nichts dafür, dass sich irgendeine dumme Kuh auf die Bahngleise verirrt hatte, wurde aber zur Alleinschuldigen deklariert. „…..und überhaupt, die DB ist das Letzte!“( Zitat )

Da war sie also wieder, die deutsche Unentspanntheit! Unfälle dürfen einfach nicht passieren, schon gar nicht in Deutschland!

 

Unsere Heimreise sollte ein Überraschungsbesuch werden und so wusste kaum einer von unserem genauen Ankunftstag.

Wir hatten unser plötzliches Erscheinen gut durchgeplant. Es sollte auf einem Ausflugsschiff während eines beliebten mecklenburgischen Volksfestes geschehen. Karten für den Partydampfer waren im Vorfeld geheim bestellt worden und wir wussten, dass unsere gesamte Freundesclique sich auf exakt dieses Schiff aufgebucht hatte. Sie wollten allerdings eine Anlegestelle früher als wir an Bord gehen. So standen wir mit großer Vorfreude bezüglich des Überraschungsmomentes auf dem Bootssteg am Plauer See und blickten auf den sich nähernden Discokahn. Komisch war nur, dass noch keine zappelnde und singende Meute an Bord zu entdecken war.

Was also war da geschehen? Simpel die Erklärung: Kurzfristig sind unsere Freunde wegen Überbuchung auf ein anderes Schiff gesetzt worden. Was für eine gewaltige Sch……..!!!!! Letztendlich blieben uns nur Winkzeichen von Schiff zu Schiff und der Versuch, das beste aus der Situation zu machen.

Ein großes Wiedersehen mit Umarmungen, Knutschern und knallenden Sektkorken gab es aber dann doch noch, am Tag danach!

 

Unsere Zeit in Deutschland war voll und ganz dem Wiedersehen mit Familie und Freunden gewidmet. In unserem eigenen Bett schliefen wir dabei nur sehr wenige Nächte. Dafür wurde unser Bettzeug sehr oft in zwei schwarze Plastiksäcke für die nächste Besuchsreise verpackt. Nicht selten reisten wir von Einem zum Anderen.

 

Zahlreiche schöne Stunden verbrachten wir mit unserer fröhlichen Enkeltochter Ida, die sich mit ihren 1,5 Lebensjahren schon zu einer recht passablen Spaziergängerin entwickelt hat. Selbst dem Element Wasser steht sie äußerst angstfrei gegenüber. Den ganzen Tag spielen, im Wasser plantschen und größtenteils noch Quatsch erzählen- herrlich diese Kleinkinderwelt, in die man als Oma und Opa so voll eintauchen darf! Die Arbeit und die Sorgen haben ja schließlich Mama und Papa. Der Abschied von unserer kleinen Frohnatur und ihren lieben Eltern brach uns wieder einmal fast das Herz.

 

Wir fuhren nach Thüringen, besuchten unsere dortige Familie und verbrachten mehrere heitere Abende miteinander. Auch in Thüringen kann man an ( kleineren )Seen sitzen und im Biergarten ein kühles Blondes genießen. Und so taten wir dies auch an jenem besonderen Blutmondabend im Juli, an welchem bestimmt sehr viele Menschen erwartungsvoll den Nachthimmel anstarrten.

Letztendlich verließen wir mit gemischten Gefühlen eine traurig winkende Mutti und reisten mit Kühlboxen voller Thüringer Bratwürste wieder nach Mecklenburg ein. Die Originalgrillwürste aus dem Thüringer Wald erfreuen sich nämlich unter den nordischen Flachländern zunehmender Beliebtheit.

 

Was bleibt nach sieben Wochen Heimaturlaub?

Einerseits ist es das Gefühl des Wiederintegriertseins in den Kreis der Familie, der Freunde, der Bekannten und der ehemaligen Kollegen. Vieles ist über die Zeit der Abwesenheit vertraut geblieben und manches doch auch schon fremd geworden. Ich denke dabei vor allem an die beiden Worte „schnell“ und „Stress“. Auf den Kanaren hatten wir sie bereits durch den schönen Begriff „Manana!“ ersetzt. Freunde und Familie dagegen kann man niemals ersetzen!

Und somit wurde der Abschied nach sieben Wochen Deutschland kein leichter. Eine weinende Mutti am Bahnhof machte es nicht besser. Auch wir kämpften noch öfter an diesem Tag mit den Tränchen, freuten uns aber andererseits auch schon wieder auf unsere Aplysia im schönen Hafen von Tazacorte auf La Palma.

 

La Palma – Tazacorte                                                                                                         Einfach leben!!                                                                                                                             14.06.2018 – 2.07.2018

 

 

 

 

 

Was haben wir an den vergangenen neunzehn Tagen gemacht? Einfache Antwort: Gelebt!

Deshalb ist es auch nicht so leicht, bestimmte Highlights hervorzuheben.

Mindestens ein Mal pro Tag unternehmen wir einen sportlichen Bergspaziergang. Holger erklimmt dann jedes Mal den Gipfel des „El Time“. Aufgrund meiner Höhenangst kehre ich immer auf der Hälfte um. Ich betrachte diese Aufstiege aber als eine Art Therapie und bemühe mich, jeden Tag ein paar Meter höher zu gehen.

Weitere Wanderungen führten uns durch endlose Bananenplantagen nach „Los Llanos de Aridane“ ( Verlaufen nicht ausgeschlossen! ) und hinter „Tijarafe“ in die wundervoll grüne Bergwelt von La Palma. Hier oben riecht es herrlich nach warmen Nadelwald und ich fühlte mich in meine Kindheit in den sommerlichen Thüringer Wald zurückgebeamt. Herrliche Ausblicke mit dem endlos blauen Meer im Hintergrund verzaubern. Am Wegesrand stehen Orangen- und Pfirsichbäume und man kann dem Drang, davon zu naschen, einfach nicht widerstehen.

Wir baden, lesen, spielen Gitarre und verfolgen natürlich die bescheidenen Weltmeisterschaftsspiele der deutschen Mannschaft. Unsere spanischen und französischen Bootsnachbarn sind dann auch voller echtem? Mitgefühl, als es für unsere Nationalelf so rasch wieder nach Deutschland zurück geht.

Am 23. Juni werden wir von einem interessanten Fest am Strand überrascht. Ein großes Schiff aus liebevoll aufgestapelten Europaletten wird abends verbrannt und viele Insulaner rennen mit auf langen Stäben aufgespießten Papphexen den Strand auf und ab. Es ist die Sommersonnenwende, „Noche de San Juan“, die mit einem Johannisfeuer und ein paar Feuerwerksraketen gefeiert wird. Einheimische Familien sitzen neben Fackeln am Strand zusammen und machen ein Picknick. Bands spielen auf einer kleinen Bühne und auch wir haben ein paar Tänzchen gewagt.

Holger probiert ab und an sein Angelglück in der Marina ( Verboten! ) oder an der Hafenmauer. Die Ergebnisse sind bescheiden bis nicht vorhanden.

Außer in einer Nacht:

Ich hatte mich gerade ins Bett gelegt und war am Einschlafen, da rüttelt mich Holger um 0.15 Uhr wieder wach. „ Steh auf und sieh dir an, was ich geangelt habe! Einen Hai!“ Ich denke noch: ´Wie Hai? Oder ist er high?`und schwanke sehr zwischen nervöser Spannung und blankem Entsetzen. Tatsächlich blicke ich einige Sekunden später einem ca. 1/2 Meter langen Hai in die großen runden Fischaugen. Holger hat Mühe, ihn vom Haken zu befreien und wir sind etwas ratlos, was wir mit dem Scharfzahn anfangen sollen. Also erst mal rein in den Kescher, zurück ins Wasser und um Hilfe gegoogelt. Als unser Bootsnachbar Alex aus seiner Koje gekrabbelt kommt und sich verwundert den Fang betrachtet, kommen wir gemeinsam zu dem Entschluss, dass wir diesem Haibaby die Freiheit schenken werden. Hoffentlich sagt er nicht Mama und Papa Hai Bescheid und wir lernen die auch noch ungewollt kennen.

Am 30.06. sind wir mal wieder unterwegs in den Ort Tazacorte, der ca. 2 km oberhalb des Hafens liegt, um einzukaufen. Es ist immer ein steiler Anstieg dorthin, aber auf dem Hinweg ist unser Rucksack ja stets noch leer. Der Weg führt durch Bananenplantagen mit ihren schweren fast erntereifen Bananenstauden und rechts und links springen ständig Eidechsen in die Steinwände am Wegesrand. Wir genießen immer diesen schönen abendlichen Spaziergang zum Supermarkt. Nur an diesem Samstag sollte es etwas anders kommen:

Wir hörten schon von weit her laute Musik und da lassen wir uns gewöhnlich nicht lange bitten, um nachzuschauen, was dort los ist. Tatsächlich, vor einer Bar geraten wir ganz zufällig in eine Wochenend-Fiesta mit DJ, kaltem Bier und Seifenschaummaschine. Die ganze Straße ist für den Verkehr gesperrt und es dauert auch gar nicht lange, da tanzen einige der anwesenden Insulaner schon durch die weiße Blasenpracht. Wer nicht möchte, wird genötigt und findet sich plötzlich sogar mit seinem Stuhl in der feuchten Masse wieder. Alle haben Spaß und lachen. So mögen wir das!! Nachdem wir nur kurz unseren Einkauf erledigt hatten, ging es zurück zum Fest. Mittlerweile hatte sich eine Zwei-Mann-Band auf der Bühne startklar gemacht. Sie spielten die üblichen spanischen Weisen, die uns mittlerweile schon recht vertraut sind. Wir tanzen ein paar Runden und haben, glaub ich, auf die doch eher bewegungsreduzierten kanarischen Tänzerinnen und Tänzer schon ein bisschen Eindruck gemacht. Im Dunkeln geht es dann fröhlich durch die unbeleuchteten Bananenwälder zurück. Die Sterne funkeln uns den Weg und wir freuen uns so sehr über diesen unverhofften schönen Abend.

Soviel zu Erlebnissen der letzten Wochen.

Werfen wir nun einen Blick in die nahe Zukunft, so rückt unser Heimflug nach Deutschland immer näher. Es ist eine geplante Reiseunterbrechung, die uns neben organisatorischen Pflichten auch ein freudiges Wiedersehen mit der Familie und Freunden ermöglicht. Wir sind besonders gespannt auf unser Enkeltöchterchen Ida, das nun schon laufen kann und spricht.

 

„Adios, La Palma!“ Bis Ende August!

 

 

 

 

 

 

La Gomera - San Sebastian / La Palma - Tazacorte                                                                        Alles Banane!                                                                                                                         06.06.2018 – 13.06.2018

 

 

 

Nun haben wir tatsächlich den Schauplatz wieder gewechselt und sind auf der Insel La Palma gelandet, die ebenfalls den Beinamen „La Isla Bonita“ trägt.

Der Abschied von La Gomera ist uns wirklich nicht leicht gefallen.

Noch am letzten Tag vor dem Ablegen haben wir eine ausgiebige Wanderung aus San Sebastian heraus unternommen. Es ging durch ein Tal mit zahlreichen hübschen Finkas und Dörfchen. Wir hörten Ziegen meckern, Hähne krähen und sogar einen Esel i-a-hen. Sehr idyllisch!

Geht man zu Fuß, gewinnt man doch einen ganz anderen Eindruck von den Dingen, die einen umgeben. Wir haben uns Zeit genommen, um an Blumen zu schnuppern, seltsame Früchte an den Bäumen zu studieren und Ausblicke auf uns wirken zu lassen. Am Ende des Ausflugs glühten sowohl unsere Füße als auch unsere Köpfe, denn die Sonne schien mit all ihrer Kraft und in dem Tal spürte man kaum einen Lufthauch.

Dafür hatten wir uns noch einmal richtig gut ausgelaufen, um den nächsten Tag überwiegend sitzend auf Aplysia zu verbringen.

Morgens ging es dann mit ordentlich Gegenwind und aufgewühlter See in Richtung Norden los. Unser Motor Lore brachte uns bis an die nördlichste Spitze von La Gomera. Dort konnten wir etwas abfallen und Segel setzen. Allerdings waren nun kaum noch 10 Knoten Wind übrig und unser Motorsegler konnte mal wieder seiner Bezeichnung alle Ehre machen. Glücklicherweise nahm der Wind aber stetig zu und die Welle blieb bei ca.0,5m, sodass wir nach einer Weile Lore in den Ruhestand versetzten. Bei 16 Knoten Wind erreichten wir bis zu 6,6 Knoten Geschwindigkeit auf einem Halbraumkurs. Das machte Freude!

Es war außerdem ein Tag mit großartiger Sichtweite. Hinter uns stand der Teide auf Teneriffa recht unbedeckt da. La Gomera hüllte sich nach und nach in einzelne Wolkenschichten. Auf unserer Backbordseite konnten wir in der Ferne El Hierro ausmachen und vor uns die beiden „Hügel“ von La Palma.

Die letzten Seemeilen ging es immer entlang der Westküste von La Palma. Wir mussten mangels Wind und aufgrund kräftiger Gegenströmung doch noch einmal Lores Unterstützung anfordern und kamen so gegen 21.15 Uhr an der enormen Kaimauer des Hafens von Tazacorte an. Genau in diesem Moment versank die Sonne bildschön im Meer. Sie hatte ihren Tagesauftrag erfüllt und uns treu bis zur Hafenmauer geschienen.

Wir überlegten noch kurz, ob wir neben drei anderen Segelbooten außerhalb der Marina ankern sollten, entschieden uns aber letztendlich dagegen, im Halbdunkel und bei doch spürbarem Schwell dieses Manöver durchzuführen. Mein Anmeldefunkspruch blieb um diese Uhrzeit unbeantwortet, allerdings nicht ungehört. Als wir auf den Anmeldesteg zuhielten, schwebte eine zarte blonde Frau auf uns zu und sprach uns mit deutschen Worten an. Sie hätte unseren Spruch über Funk gehört, heiße Violetta und wolle uns helfen. Vielen Dank! Das war ein sehr netter Empfang.

Ein aufregendes Erlebnis unserer Überfahrt hätte ich beinahe vergessen zu erzählen:

Holger hatte auch dieses Mal seine wunderbare Hochseeangel ausgeworfen und hoffte erneut auf einen ordentlichen Biss. Plötzlich surrte tatsächlich die Angelschnur. Wir waren in heller Aufregung und Vorfreude. Der Blick nach hinten verriet allerdings, dass unser Fang Federn hatte. Ein Sturmtaucher hatte sich in seinem Übereifer beim Ein- oder Auftauchen in die See in unserer Sehne verheddert und kam nun nicht mehr frei. Umringt von einer großen Anzahl seiner noch flugfähigen Freunde erwartete unser Opfer wohl sein letztes Stündchen. Was war zu tun? Holger holte die Angelschnur ein und zog den Flattervogel, der mit einem beeindruckend großen gelben Schnabel ausgestattet war, an Bord. Seine Verteidigungswaffe setzte er auch sofort gezielt gegen die nach ihm greifende Hand ein und es floss ordentlich Holgerblut. Nachdem mein Held dem wild kreischenden Tier endlich den Schnabel zuhalten konnte, kam ich ins Spiel. Ich wickelte die mehrfach ums Tier geschlungene Sehne langsam ab. Noch ein letztes Foto fürs Familienalbum und ab ging´s wieder in den blauen Himmel über dem Atlantik. Ich desinfizierte Holgers Andenken an den Kampf Mann gegen wildes Tier ordentlich, sodass sie ihn nicht zu schmerzhaft und lange begleiten würden.

Der erste Morgen in der Marina von Tazacorte begann schon früh um 7.00 Uhr mit einer Vielzahl ungewohnter Geräusche. Die zahlreichen Fischerboote verließen mit lautem Getucker und den Unterhaltungen der Männer den Hafen. Vom gegenüberliegenden Berg erklang ein „Kikeriki!“ in beachtlicher Wiederholung und Lautstärke. Dieser Hahn ist wohl der Weckhahn für alle seine Kumpels im Dorf und im Tal, und zukünftig dann auch für uns. Wir sollten recht bekommen.

Nun haben wir bereits einige Spaziergänge in die nähere Umgebung unternommen und festgestellt, dass die westliche Seite der Insel sehr wenig mit ihrem Namen gemeinsam hat. Hier ist wirklich: „Alles Banane!!!“ Sowohl in Freilandkultur als auch in den weißen Großzelten werden sie hier entlang der Küste, aber manchmal auch auf Terrassen die Berghänge hinauf angebaut. „La Palma“ ist nur spärlich anzutreffen, aber bestimmt versteckt sie sich in anderen Teilen dieser schönen Insel. Wir werden es noch herausfinden.

Übrigens kam Violetta noch einmal an unser Boot, diesmal in Begleitung ihres Ehegatten Martin. Sie boten an, uns in ihrem Mietwagen zum Einkaufen mitzunehmen. Das war wirklich super freundlich von ihnen und keine Selbstverständlichkeit. Allerdings sind unsere Schränke noch recht gut gefüllt und somit lehnten wir dankend ab.

Wir vertreiben uns viel Zeit mit langen Spaziergängen durch den überdimensionierten Hafenbereich. Hier war wohl mal mehr geplant. Ein riesiger Fähranleger liegt verwaist da und bietet nun ungeahnte Möglichkeiten für Skater und Jogger. Läuft man in die andere Richtung, so geht es auf einer schönen Promenade am schwarzen Sandstrand entlang. Das Bad im Meer haben wir bereits genossen.

Jeden Abend stellt sich ein Softeisverkäufer mit seinem Eiswagen mitten in unseren Ausgehbereich und hat es dabei nicht schwer, uns zum Kauf einer seiner Köstlichkeiten zu überreden. Bis auf Mc Donald´s und Burger King hat uns bisher noch niemand auf den Inseln Softeis angeboten.

Eines Abends beobachteten wir dort eine gut gekleidete Frau beim Durchwühlen der Papierkörbe und wunderten uns sehr, erst recht als wir sie Deutsch sprechen hörten. Auf unsere Frage, was sie suche, antwortete sie: „Die Geldbörse meiner Tochter wurde geklaut!“ Auch das kann ein, wenn auch ein sehr schlechtes, Urlaubserlebnis sein.

Möchte man in die Ortschaft Tazacorte, um vielleicht mal in einen Supermarkt zu gehen oder einen verschwundenen Schuh durch einen Neukauf zu ersetzen, so muss man einen steinigen und steilen Pfad bergan bezwingen. Das erhöht durchaus unsere Fitness. ( Anmerkung: Holgers geliebter thailändischer Plastikschuh ging nämlich im Hafen verloren. Wir beschuldigen, nicht ganz unbegründet, unsere niederländischen Nachbarn. Sie stellen sich dumm. Wir sind sauer. Für mich herzergreifend, wie mein Gatte schon seit Tagen seinen Plastikfreund im Hafenbecken sucht.)

Hinter Tazacorte liegt die einwohnerstärkste Stadt der Insel „Los Llanos de Aridane“, die man nicht mehr unbedingt zu Fuß erreicht. Wir hatten Glück. Der hiesige Segelmacher, dem wir einen Auftrag zum Anfertigen zahlreicher Abdeckungen für Aplysia erteilten, bot an, uns in die Stadt mitzunehmen. Sogar eine kostenlose Stadtrundfahrt gab es von ihm noch obendrauf. Danach bummelten wir durch die belebten Straßen, schauten von draußen in die Geschäfte hinein und wussten schon bald nichts mehr mit uns anzufangen. Shopping? Ja, was denn? Wir haben doch alles, was wir brauchen.

Und so ging es nach einem Kurzbesuch beim örtlichen „Lidl“ mit dem Bus geschwind zurück. Busfahren ist hier ein wirklich preiswertes Vergnügen. Wir werden es ganz bestimmt noch öfter tun und dabei sicher auch viele der Bäume sehen, die dieser Insel ihren Namen gaben : La Palma.

 

 

 

 

 

 

 

La Gomera - San Sebastian                                                                                                   La Isla Bonita : La Gomera - Du kleine Schönheit                                                                                               28.05.2018 – 4.06.2018

 

 

 

„Angucken und Staunen erlaubt! Berühren und Verändern verboten!“

Das müsste an jeder Ecke dieser schönen Insel auf großen Schildern und in jeder Sprache zu lesen sein.

 

Wir hatten bis gestern einen Mietwagen und konnten somit zu den schönsten Orten der Insel mühelos gelangen. Und da es hier eigentlich nur schöne Orte gibt, waren wir also ständig von überwältigenden Landschaften umgeben.

Alles passt auf La Gomera noch! zusammen, so wie sich ein Puzzleteil in ein anderes einfügt: die facettenreiche Landschaft, die gepflegten kleinen Ortschaften, die Bewohner der Insel, der sanfte Tourismus.

Die sich ständig verändernde Natur ist unbeschreiblich, wenn man vom nie ganz beruhigten Meer aus beachtliche Höhenmeter zurücklegt, um ins Landesinnere und somit in den Nationalpark „Garajonay“ zu gelangen. Hier oben sind es plötzlich nicht mehr sommerliche 25 Grad, sondern man schüttelt sich bei 14 Grad. Der blaue Küstenhimmel ist im Nebel verschwunden. Der Wind bläst die weißen Schwaden von den Bergkämmen herab und man glaubt, es müsste jeden Moment wie aus Eimern schütten. In dieser kühl-feuchten Umgebung wachsen Lorbeerwälder, Farne, bunte Büsche und Blumen. Um den geisterhaften Märchenwald perfekt zu machen, hat sich über zahlreiche Bäume eine bis in deren Kronen reichende Moosschicht gebildet, die oft in langen Fäden herabhängt.

Allein die Palme bevorzugt die tiefen Inselschluchten und deren sonnige Abhänge. Dort findet man reichlich gefüllte Stauseen. Es werden Bananen angebaut, Kartoffeln und etwas Wein ebenfalls. Diese Täler wirken auf den Besucher paradiesisch. Die kleinen Dörfer, deren Häuschen sich oft hinter einem Meer aus bunten Blumen verstecken, sind bezaubernd. Vogelgezwitscher und Bienensummen machen den Moment des Aufenthalts perfekt.

Eins ist La Gomera gewiss nicht : ein Ort für Badegäste. Weiße Sandstrände sucht man hier vergeblich und auch die kleinen mit schwarzem Sand kann man an einer Hand abzählen. Die Badebuchten sind in der Regel steinig und nur mit Badeschuhen zu bezwingen. Vielleicht aber ist gerade das die Rettung vor dem Massentourismus.

La Gomera ist ein Paradies für Wanderer ohne Höhenangst. Die früheren Pfade der Inselbewohner sind heute anspruchsvolle Wanderwege und führen nicht selten in windige Höhen. Uns fehlt das Wander-Gen, leider!

La Gomera ist auch nach wie vor noch ein Ziel für Hippies und deren Ausstieg aus der Gesellschaft. Wir haben uns zwar über sie erkundigt, konnten aber bisher nur auf einen von ihnen treffen. Er setzte sich am Abend des Pfeifwettbewerbs plötzlich neben uns und bot uns Wassereis an. Ich vermutete gleich bewusstseinserweiternde oder -entgleitende Inhaltsstoffe und lehnte deshalb ab. Wir haben ihn noch einmal während einer unserer Touren auf der anderen Seite der Insel wieder gesehen. Er war wohl auf dem Weg in seine Wohnhöhle.

Am 29. Mai feierten wir mit heißen spanischen Rhythmen und kühlen alkoholischen Drinks in den Nationalfeiertag der Kanaren hinein. Das haben mit uns ganz viele Einheimische getan und somit war die Stadt am nächsten Tag wie ausgestorben und auch ich musste erst wieder zu neuem Leben erwachen. Aber wir haben ganz ganz ganz ganz viel getanzt. Obwohl Holger behauptet, dass ich zum Schluss nur noch gehoppelt bin. Er muss es wissen!

Wir haben uns typisch kanarischer Nahrung angenähert und Einiges darüber erfahren.

Zum Beispiel lernten wir in einer Ausstellung viel über den Nutzen von Palmen in früherer Zeit und heute, wo sie nach wie vor mit Leiter und Eimer gemolken werden. Man bekommt hier den „Miel de Palma“ (dt. Palmenhonig) zu kaufen und somit haben wir ihn als Brotaufstrich gleich ausprobiert. Er ist flüssiger als unser Zuckerrübensirup, aber auch leckerer. Man könnte ihn zum Kochen und Backen verwenden, aber er hat auch einen stolzen Preis.

Wir probierten ein Gebäck mit Gofio. Das ist ein Mehl aus geröstetem Getreide und ein wirklicher Allrounder. Sogar in den Kaffee gerührt, soll es ein Genuss sein.

Auf der Insel gibt es unzählige Aussichtspunkte. Einer davon nennt sich „Mirador de Abrante“. Dort steht man über einem ca.1000m tiefen Abgrund auf einem ca. 10 Meter weit hinausragenden Glasfußboden. Für mich undenkbar! Für Holger nicht! Während er sich also auf die Glasfläche bewegte, rief ihm ein sich dort bereits befindendes Pärchen zu: „Halt!!!!! Hier dürfen immer nur Zwei gleichzeitig rauf!“ Und Holger wich doch tatsächlich entsetzt zurück. Dieser Mann aus Essen hatte es echt geschafft, Holger mal so richtig zu foppen. Das gelingt nur Wenigen und meist spielt Holger selbst die Rolle des Veralberers. Somit habe ich mich nicht nur im Stillen gefreut, dass dieser Scherz gelungen ist.

Deutsche bilden meiner Meinung nach die Mehrheit der Touristen auf dieser Insel. Allein auf jenem Aussichtspunkt waren um uns herum nur Deutsche. Einige von ihnen reisen mit der Fähre von Teneriffa als Tagesgäste an, andere bleiben länger, meist in einem der kleineren Hotels an der Südwestküste der Insel.

Es ist auch wirklich viel schöner von La Gomera aus auf den Teide zu blicken und bei klarem Wetter die zubetonierte Küste von Teneriffa mit gehörigem Abstand zu betrachten. Ich hoffe, dass dieses Bild auch die Einwohner La Gomeras immer als mahnendes Beispiel für Masse statt Klasse ansehen werden.

 

Wir jedenfalls haben uns komplett verliebt in dieses Fleckchen Erde, das eins auf keinen Fall braucht: Eingriffe durch das gefährlichste Raubtier unseres Planeten – den Menschen!

 

Morgen werden wir wahrscheinlich die Marina La Gomera verlassen. Es zieht uns zu den Ankerplätzen im windabgewandten Südwesten der Insel. Man soll hier Delfine und Wale sehen können. Zumindest versprechen das die Anbieter der Ausflugstouren in den Häfen. Wir lassen uns überraschen!

Delfine sahen wir zum letzten Mal zwischen Teneriffa und La Gomera. Allerdings haben die irgendwie noch geschlafen, denn wir erkannten nur deren Flossenspitzen im Wasser treibend.

Darauf freuen wir uns übrigens auch sehr : im Wasser zu treiben. Im Hafen kommt das Baden immer zu kurz und die Strände ( wie bereits beschrieben ) konnten uns nicht wirklich locken.

Und vielleicht entdecken wir vom Wasser aus noch einen weiteren der letzten Hippies Europas, wie er oder sie am Strand den Sonnenuntergang betanzt? Was für ein fantastisch kitschiges, aber wunderschönes Bild!

 

 

 

 

 

Teneriffa – San Miguel de Abona / La Gomera - San Sebastian                                 Von Klein Britannien zurück auf die spanischen Kanaren                                                            22.05.2018 – 27.05.2018

 

 

Hurra! Wir haben es geschafft! Die britische Kolonie Teneriffa liegt hinter uns und wir befinden uns wieder auf echtem kanarischen Boden.

Vielleicht hat unsere etwas negative Einstellung zu der Insel mit dem Teide ja damit zu

tun, dass wir schon bei unserem ersten Besuch vor vielen Jahren nur wenig Begeisterung für sie entwickeln konnten. Damals erschien sie uns hektisch, laut, zubetoniert und übertrieben touristisch. Auch unsere zweite Annäherung übers Wasser konnte dieses Bild von ihr nicht verbessern.

San Miguel de Abona ist fest in britischer Hand. Franzosen, Deutsche und Russen haben dort Urlaubsaufenthaltsrecht und die Einheimischen die Arbeitserlaubnis. In Supermärkten wird man in muttersprachlichem Englisch bedient. Und auch auf der recht nett angelegten Uferpromenade begegnet man nur wenig spanisch sprechendem Publikum.

Vor fast jeder Gaststätte steht ein „Lockvogel“ und will dich für das jeweilige Etablissement begeistern. Holger fragte einmal einen dieser nervigen Männer: „Habt ihr Eierlikör?“ Die Antwort blieb aus.

Zur britischen „Tea Time“ ist überall „Happy Hour“in den Lokalen, die Getränke kosten also nur noch die Hälfte. Ich schätze, dadurch werden zum Abendessen die Hotelbüfetts geschont. Manch einer benötigt dann wohl keine feste Nahrung mehr.

Wir probieren das „Fast Food“-Angebot in unserer Marina-Bar und unsere Mägen werden schwer gereizt. Wir trinken in einer englischen Bar Sangria und essen ein Eis. Auch das - eine Fehlentscheidung, die wir mit Bauchweh bezahlen.

In einem Geschäft unterhalten wir uns mit einem Inder, der von Berlin schwärmt. Er möchte demnächst in seinem Urlaub mit Familie dort entspannen. Wir reagieren mit Unverständnis, da Berlin und Entspannung sich für uns Landeier und Großstadtmuffel nicht vereinbaren lässt. Für einen Inder mit Megastadterfahrung mag sich das sicher ganz anders darstellen.

Wir entdecken in Ufernähe eine riesige Baustelle für einen neuen Hotelkomplex. Die Vermutung, dass der Architekt des Gebäudes sich dafür Anregung auf der Insel Rügen geholt hat, liegt für uns nahe. Der Bau erinnert an Prora und seine gigantische Betonruine.

Am 25.Mai verlassen wir dieses lauschige Örtchen und machen uns auf den Weg nach La Gomera, der kleinen Nachbarinsel von Teneriffa. Unsere Reise beginnt mit kaum Wind und dann auch noch aus Südwest. Eine geringe Wellenhöhe macht sie zunächst zu einer entspannten Motortour. Wir wundern uns, denn der Wetterbericht hatte uns etwas ganz anderes vorhergesagt.

Doch dann urplötzlich war sie wieder da: dieAccelerationszone. Nach kurzer Windstille drehte dieser von Südwest auf Nordost. Aus 8 Knoten wurden 25 Knoten. Weiß schäumende Wellenkämme umgaben uns mit einer Höhe von schätzungsweise 2,5 – 3 Metern. Unsere Aplysia rauschte mit kleiner Fog und unserem Autopiloten Horst mit bis zu 6,5 Knoten in Richtung La Gomera. Kurz vor der Kaimauer des Hafens von San Sebastian verlor die Welle etwas an Kraft. Wir funkten zunächst die Hafenaufsicht an und mussten noch das Auslaufen einer Fähre abwarten. Dann der Funkkontakt zur Marina, die uns bereitwillig und freundlich empfing.

Wir waren beide ziemlich knülle und der Tag endete früh nach einem späten Frühstück am Abend. Wir wurden von einer Gruppe feiernder Spanier in den Schlaf gesungen. Endlich wieder Spanisch – einer unserer letzten Gedanken vor dem Einschlafen!

Am nächsten Tag erkundeten wir San Sebastian. Es ist ein nettes Städtchen und wohl das größte auf der von rund 22 000 Menschen besiedelten Insel. Alles hier strahlt Beschaulichkeit aus. Die meisten kleinen Wohnhäuser sind an die umliegenden Berghänge gebaut und in Richtung des Ufers gibt es Restaurants, Geschäfte, einen Park, den Strand und die Hafenanlage mit Marina.

Zur Siesta sitzen wir in einem Cafe und beobachten die Leute. Der Pavillon ist voll besetzt mit spanischen Gästen und wir ergeben uns lächelnd und entspannt der Lautstärke ihrer Unterhaltungen.

Wir entdecken ein riesiges Festzelt, wo man auf der Bühne mit dem Aufbau von Instrumenten beschäftigt ist. Etwas später erklingen diese und lauter Gesang. Interessiert setzen wir uns und lauschen der Probe eines Männerchors.

Am Abend dann hören wir vom Boot aus Pfeiftöne und machen uns neugierig erneut auf den Weg zum Festzelt. Wir kommen mitten in einen Pfeifwettbewerb, der sich wie folgt erklären lässt:

Die Pfeifsprache gibt es nur auf La Gomera. Sie wurde zu einer Zeit benötigt, als es noch keine Straßen auf der Insel gab. ( Und das liegt noch gar nicht so lange zurück. ) Die Vokale und Konsonanten eines Wortes werden in unterschiedlichen Höhen und mit wechselnder Geschwindigkeit gepfiffen. So kann man sich über tiefe Schluchten hinweg kilometerweit unterhalten. Die Sprache ist sogar zum Weltkulturerbe ernannt worden, weil sie nur hier von so einer großen Gruppe von Menschen beherrscht wird. In den Schulen der Insel ist sie Unterrichtsfach. Und an diesem Abend wurde nun der beste Pfeifer / die beste Pfeiferin in einem Wettstreit gekürt.

Im Anschluss dann der große Männerchor mit Orchester. Die „Los Gofinos“ feierten ihr 50-jähriges Bestehen und besangen in einer Vielzahl von Liedern ihre Liebe zur kanarischen Heimat. So viel Kultur hatten wir seit Lanzarote nicht mehr erlebt. Wir wagten sogar ein Tänzchen, obwohl die Veranstaltung bevorzugt abgesessen wurde. Es gab keinen Getränkeausschank und der Konkurrent des Abends war ein Pokalfußballspiel Real Madrid gegen Liverpool. Trotzdem blieben die Leute bis zur letzten Zugabe. Erstaunlich!

Ich stelle mir einen plattdeutschen Folkloreabend in Parchim vor, an dem zeitgleich Bayern München gegen Hansa Rostock spielt.( Ich weiß, das ist ganz schön viel Fantasie meinerseits!) Wer wäre hier der Publikumsmagnet???

Seit gestern sind wir wieder Besitzer eines blauen VW Polo und können somit die uns noch völlig unbekannte Insel erkunden.

Unsere erste Fahrt führte uns durch die gebirgige Landschaft, die viel grüner ist als die der anderen Inseln. Es gibt Nadel- und Laubbäume, natürlich Palmen. Kaum ein Hang ist ohne Bewuchs.

Wir entdecken große Bananenplantagen und erfahren, dass man diese Früchte früher von ins Meer gebauten Verladestationen direkt auf die Schiffe gekrant hat. Wie bereits erwähnt, gab es hier lange keine befahrbaren Inselstraßen. Heute kann man nur noch die Betonklötzer der Stationen im Meer sehen. Im Hintergrund versteckt sich Teneriffa in seinem gewöhnlichen Wolkenmantel und nur die Spitze des Teide ragt erkennbar heraus.

 

Aus dieser Distanz heraus finden selbst wir Klein Britannien sehr schön!

 

 

 

 

 

Gran Canaria – Pasito Blanco und Mogan / Teneriffa – San Miguel de Abona           Von idyllisch und schön bis laut und unbequem                                                                    16.05.2018 – 22.05.2018

 

 

                                      

Die Tage in der dörflichen Idylle der Marina von Pasito Blanco neigten sich ihrem Ende entgegen. Ich widmete mich noch einmal dem Waschvollautomaten und Holger dem Innenleben von Aplysia.

Es war Zeit für ein Sonnenbad und einen weiteren Krimi auf Papier. Wie schnell ein solcher Wirklichkeit werden kann, erlebten wir am letzten Abend am Steg.

Wir bekamen Besuch von unserem Bootsnachbarn Lars - einem Münchener, der mit seiner kroatischen Straßenkatze Dura in der Welt umherreist. Es war ein recht fröhlicher Abend, doch plötzlich klopfte es gegen unseren Bootsrumpf. Andreas, ein Segler aus den Niederlanden, stand völlig aufgelöst vor uns. Jemand hatte die Laptops von seinem vor Anker liegendem Boot geklaut. Unglaublich, aber wahr! Holger hatte sich bisher immer darüber lustig gemacht, wenn ich unsere Aplysia vor Anker abschloss. Nun erwies sich diese Vorgehensweise als gar nicht vollkommen falsch gedacht. Und auch auf das Verschwinden unseres kleinen Gummibootes warf dieser Vorgang ein völlig anderes Licht.

In Andreas´ Fall waren die Täter mit seinem Beiboot vom Strand aus zur Yacht gerudert und hatten die Geräte von Bord geholt. Echt mies!

Und wir haben das Hin-und Hergerudere auch noch von Land aus beobachtet, denn wir saßen zu diesem Zeitpunkt in der Gaststätte der Marina mit Blick auf das Ankerfeld. Allerdings konnten wir nicht erkennen, wer da paddelte. Wir wunderten uns nur, dass es mehrmals zum Boot und wieder an den Strand zurück ging.

Für den jungen Niederländer ist der Verlust richtig böse, denn die Laptops waren Arbeitsgeräte für ihn und er hatte den Beginn eines Buches darauf abgespeichert. Wir wissen leider nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist. Andreas berichtete über den Diebstahl bei Facebook, erhoffte sich so Hinweise von seinen Followern, und wollte auch die Polizei einschalten. Wir drücken ihm auf jeden Fall die Daumen für einen positiven Ausgang.

Ein Fall aber konnte als gelöst zu den Akten gelegt werden:

Den Besitzer des Autos mit Parchimer Kennzeichen konnten wir ausfindig machen. Er stellte sich freiwillig per E-Mail, nachdem wir ihm ein Brieflein hinter den Scheibenwischer seines Skodas geklemmt hatten. Wir waren positiv überrascht über die schnelle Reaktion.

Es stellte sich heraus, dass der Wagen einem Enkelsohn des ehemaligen Schmieds Bobzien aus Parchim ( Rosenstraße ) gehört. Dessen Verbindung wiederum reicht zu einem ehemaligen Arbeitskollegen von Holger, der uns am nächsten Tag eine Mail aus Parchim schickte und sich sehr über die fast Begegnung mit seinem Verwandten sehr freute. So klein ist unser Blauer Planet!!

Kriminell wurde es für uns dann erneut vor Anker. Allerdings waren diesmal keine Menschen beteiligt, sondern giftige Flossenträger.

Es gibt eine Fischart, auf die sich Holger scheinbar spezialisiert hatte : das Petermännchen. Diese kleinen mit Giftstacheln ausgestatteten Verbrecher gingen ihm nicht nur ein oder zwei Mal an den Haken. Nein, sechs stattliche Exemplare angelte er an zwei Ankertagen. Das kostete ihn nicht nur Schweiß, sondern auch mehrere Angelhaken. Ich mag diese Tiere einfach nicht und schon gar nicht essen! Und so portionierte Holger sie als Fischköder in seine Futterbox. Vielleicht werden sie irgendwann friedlichere Speisefischlein anlocken.

Am 19. Mai verließen wir die Wohlfühlbucht von Pasito Blanco und segelten 10 Seemeilen weiter in Richtung Westen nach Mogan.

In die dortige Marina wollten wir nicht. Andere schwärmten zwar von diesem Hafen. Unser Ding war er jedoch nicht: zu touristisch, zu eng. Die Negativerfahrung mit dem Parkschein wirkte auch noch nach.

Also ließen wir den Anker vor der Hafeneinfahrt fallen. Neben uns lag bereits ein Katamaran, der jubelnde Touristen mit lauter Musik bespaßte. Sie sangen: „Happy birthday“ und ließen bunte Luftballons ins Wasser fallen. Uns umkreisten Jetskis und Motorboote mit an Gleitschirmen hängenden Menschen. Kajaks, Tretboote, Banana-Boote. Plötzlich tauchte neben uns ein U-Boot auf. Schnorchler, Taucher, Schwimmer. Ein einziges Gewusel, das sich erst zum Sonnenuntergang beruhigte, nachdem das letzte Piratenschiff, zwar ohne Segel, aber dafür mit ordentlich Technobeat, verschwunden war.

Ich glaube, spätestens zu diesem Zeitpunkt stand für Holger felsenfest, dass wir den kommenden Tag hier nicht mehr verbringen würden.

Wir machten noch einen abendlichen Landgang. Über eine steile Treppe gelangten wir zu einem Aussichtspunkt oberhalb des ursprünglichen Ortskerns von Mogan. Ein schöner Ausblick belohnte uns für den atemraubenden Aufstieg.

Das Mogan der Einheimischen ist durchaus sehenswert mit seinen engen Gässchen und Treppen, den an den Berghang gebauten kleinen Häusern. Offene Fenster und grüßende Menschen gewährten uns einen kurzen Einblick in die Welt hinter den Mauern der Gebäude.

Im Dunkeln knatterten wir zurück zu Aplysia.

Der 20. Mai sollte dann wirklich der Tag der Überfahrt nach Teneriffa werden. Wir verließen unseren Ankerplatz vor Mogan zeitgleich mit dem Eintreffen des ersten Touristenkatamarans. Perfektes Timing!

Blauer Himmel, Sonnenschein, Lufttemperatur 27 Grad, Wassertemperatur 22 Grad – all das ließen wir gefühlt zurück.

Unter Motor umrundeten wir Gran Canaria ein Stück in nordwestlicher Richtung. Bevor der berüchtigte Accelerationswind einsetzte, wollten wir noch so viel wie möglich an Höhe zum Wind gewinnen, damit wir dann nicht hart gegen ihn ankreuzen mussten.

Das erwies sich nur wenig später als sehr sinnvolle Maßnahme. Auf Schlag brodelte nämlich plötzlich das Wasser vor uns und der Wind nahm15 Knoten mehr Geschwindigkeit auf. Die sogenannte Düse zwischen den Inseln setzte ein und ließ uns lange nicht wieder los. Der Wind wurde zwar nach ein paar Stunden weniger, aber die Welle blieb mit geschätzten 2 - 2,5m Höhe durchgängig unangenehm schaukelig, und dabei seitlich auf uns zu rollend.

Teneriffa empfing uns ähnlich wie Gran Canaria in Wolken verhüllt und mit einer in verschiedenen Grautönen erscheinenden Landschaft. „Wo ist der Glühwein?“, fragte ich Holger, als ich kurzzeitig über das Anziehen von dicken Wollsocken nachdachte.

Nach rund 45 anstrengenden Seemeilen erreichten wir müde die Marina von San Miguel de Abona, die wieder an einen Golfplatz angrenzte. Das war aber nicht so schlimm. Viel schlimmer waren der Lärm der über uns hinweg landenden Flugzeuge, die 2m neben uns liegende befahrene Straße und die Spaziergänger in dicken Steppjacken. Was für ein Tausch gegen das sommerliche Wohlfühlprogramm auf Gran Canaria.

Aber man muss Dingen ja auch eine Chance geben, sich positiv zu entwickeln. Und das taten wir am nächsten Morgen. Wir gingen zum Marinabüro, um uns anzumelden. Für den doch recht stolzen Preis von 22,00 Euro pro Nacht bekamen wir die schmutzigsten Duschen unserer bisherigen Reise, die noch dazu an öffentlich zugängliche Toiletten angeschlossen waren. Wir bekamen auch kein freies W-Lan.

Und der Himmel über Teneriffa blieb ebenfalls weiterhin grau.

Auch ein Spaziergang durch den angrenzenden Urlauberort mit großen Hotelkomplexen, Bungalowsiedlungen, die wie Seniorenresidenzen wirkten, und dem nahen Golfplatz weckte in uns wenig Begeisterung.

Auf einem großen Plakat wurde tatsächlich auf englisch eine Wohnanlage mit Pflegepersonal beworben. Könnte ich mir das für meinen Lebensabend vorstellen? Mir kamen Zweifel. Holger allerdings kam auf das Argument vom immer warmen Wetter. Nun, noch ist ja zum Glück kein Lebensabend in Sicht.

Während wir uns nur ein paar Meter vom Gehweg weg bewegten, um abzukürzen, standen wir auch schon mitten in der Hundesch….! „Schönen Dank auch“, sagte Frau Motzki und war komplett bedient.

Dieser Tag hielt noch eine weitere Überraschung der unangenehmeren Art für uns bereit. Am Abend bekamen wir nicht angemeldeten Besuch. Drei Männer und eine Frau standen plötzlich neben Aplysia und baten um Einlass, nachdem einer mir sein Dienstabzeichen unter die Nase gehalten hatte.

Das sah irgendwie wie ein Sheriffabzeichen aus. Wir waren hier aber nicht im Wilden Westen und die Leute waren auch „nur“ vom Zoll. Zwei von ihnen nahmen an unserem Tisch Platz und wir mussten Fragen beantworten und Papiere vorzeigen, wie wir es schon sehr oft vorher getan hatten. Die Männer waren eigentlich ganz lustig drauf, fragten ob wir schon Rentner seien oder zu viel Geld hätten. Hahaha!!

Sie freuten sich über Holgers gesunde Gesichtsfarbe und ich erklärte, dass er mein Indianerprinz sei. „Exotische Liebe“, war die Antwort des Zollbeamten. Lustig!!

Ich lernte ihm noch das deutsche ÖÖÖ, ÜÜÜ und ÄÄÄ – Buchstaben, die in der spanischen Sprache fehlen.

Letztendlich hoffte ich, dass ich nicht den Verkauf von Aplysia mit zweifacher Durchschrift unterschrieben hatte.

Der nette Beamte machte uns noch auf die Aufenthaltsbestimmungen und die daran gekoppelte Steuerpflicht in seinem Land aufmerksam und dann war der Spuk auch schon vorbei. Keine Frage nach Waffen oder Rauschgift. Keine Bootsdurchsuchung mit Schnüffelwauwau. Irgendwie hatten wir uns eine derartige Begegnung immer anders vorgestellt.

Wir guckten uns noch kürzere Zeit etwas verwirrt an, beschlossen dann aber, auch weiterhin alles auf uns zukommen zu lassen :

 

das Schöne und das Unbequeme!

 

 

 

 

 

 

 

Gran Canaria – Pasito Blanco : Im Rausch der Frühlingsgefühle                                                       10.05.2018 – 15.05.2018

 

 

                                       

 

 

Es war mir nicht bewusst, wie leer die Farbpatrone „Grün“ in meinem Kopfdrucker gewesen ist. Erst als wir ins Inselinnere von Gran Canaria mit unserem Mietauto vordrangen und von den vielen Grüntönen überrascht wurden, bemerkten wir unsere Mangelerscheinung. Aber eins nach dem anderen:

Wir ließen uns diesmal bei der Autovermietung auf eine Vollversicherung ein und bekamen zum Dank einen fast nagelneuen Citröen Cactus hingestellt. Prima, dann konnte es ja so richtig losgehen!

Zunächst nach Las Palmas, der Inselhauptstadt. Kaum drin, wollten wir am liebsten gleich wieder raus. Vierspurig spuckte die Zubringerautobahn gewaltig viele Fahrzeuge in die Stadt und es war ein Durcheinander von Straßen. Wir wollten uns eigentlich die Marina anschauen, aber es führte uns irgendwie keiner der Wege dorthin. Der Blick von der Schnellstraße genügte aber auch, um uns zu der Erkenntnis zu bringen, dass dieser hektische Industriehafen nichts für uns ist.

Hätte ich nicht zufällig auf dem Rückweg eine hübsche Kirche in zweiter Reihe erspäht, wäre uns die doch recht sehenswerte, aber überschaubare Altstadt von Las Palmas nicht aufgefallen. Ein kurzer Stopp mit Spaziergang an einigen prachtvollen Gebäuden vorbei, versöhnte uns dann etwas mit dem großstädtischen Ort.

Ein Hähnchendöner, unser zweiter auf der gesamten Reise, rundete diesen ersten Ausflug ab. Die Dönerverkäuferin verweigerte vehement unser Trinkgeld. Warum auch immer!?

An den folgenden drei Tagen waren wir im Inselinneren unterwegs und überwältigt von der Vielfalt und Schönheit der Natur Gran Canarias. Der niederschlagsreiche Winter hat nun im Wonnemonat Mai dafür gesorgt, dass die Pflanzenwelt geradezu explodiert ist: orange blühende Kakteen, rote Geranienkolonien, weißes und gelbes Gebüsch, bunte Blumenwiesen mit echtem grünen Gras, roter Klatschmohn, das zarte Grün der frischen Laubbaumblätter……… Unbeschreiblich schön! Wir verweigerten unsere Sonnenbrillen, um alles unverfälscht aufzusaugen und verblitzten uns unsere Augen.

Im Hintergrund die majestätische sich hinter jeder Kurve wandelnde Gebirgslandschaft mit ihren bis zu 2000m hohen Gipfeln. Manchmal erinnerte sie uns an die Fichtenhänge des Thüringer Waldes, dann an den dunklen Harz, die Felsentürme der Sächsischen Schweiz, die kargen Alpen. Und ab und an erklang in meinem Kopf das Liedchen vom „Mann in den Bergen“, einer amerikanischen Fernsehserie aus den Rocky Mountains, die ich in meiner frühen Jugend liebte.

Die gut gefüllten Stauseen zogen besonders Holger magnetisch an. Es war wohl seine Sehnsucht nach heimischen Süßwasserseen oder seine Begeisterung für die gigantischen Staudämme, die ihn zu diesen Orten hinzog. Für mich waren sie eine Möglichkeit, das Echo der Berge zu testen: „Was essen die Studenten?“ Hat geklappt!

In der kargen Landschaft Fuerteventuras trifft man immer wieder auf Ziegen. Hier, wo alles üppiger wächst, sieht man keines dieser Tiere. Holger hatte sein Unverständnis darüber kaum zum fünften Mal ausgesprochen, da standen wir plötzlich am Gipfel eines Berges vor einem Ziegen- und Schafgatter.

Wir hielten an, auf einmal kamen die Besitzer im Pickup angebraust, öffneten das Gatter und die Straße war mit Hunderten von Ziegen und Schafen verstopft. Wo kamen die plötzlich alle her? Es war uns ein Rätsel. Die Tiere hinterließen, nachdem sie sich glöckchenklingend in der Landschaft verteilt hatten, auf der Straße zahlreich ihre verdaute Nahrung. Bei unserem nächsten Stopp wunderte ich mich sehr über den derben Geruch und musste feststellen, dass sich in den Rillen unserer Reifen der Tierkot gut festgesetzt hatte.

Nach 5 Tagen mit Auto haben wir knapp 900 km über diese kleine Insel zurückgelegt. Wie das geht? Gran Canaria besteht gefühlt zu 90% aus Kurven, die somit die Streckenlänge zwischen Abfahrts- und Ankunftsort verdoppeln. Vielleicht gibt es auch deshalb nirgendwo Kilometerangaben auf den Hinweisschildern.

Wir haben ein Stück Autobahn befahren, das weder das Navi noch die Papierkarte kannte. Ich habe es deshalb darin für die Nachwelt eingezeichnet.

Die GC-604 erwies sich nach kurzer Asphaltstrecke als katastrophale Gesteinspiste, die mich an den Rand eines Schleudertraumas brachte und kurzzeitig zu einer kleinen Ehekrise führte. Holger fand das nämlich abenteuerlich, ich einfach nur doof. Obwohl selbst die Frau aus dem Navi gegen mich stimmte, siegte ich und wir drehten um.

Das Erlebnis „Parkschein“ will ich zum Schluss noch erzählen:

Wir hätten nicht nach Mogan fahren sollen! Schon von Anfang an sprach die Sperrung eines Straßenabschnitts dagegen. Die begrenzte Anzahl der überfüllten Parkplätze vor Ort war dann ein weiterer Grund. Wir fanden aber schließlich eine Lücke und marschierten durch die dortige Marina, die eigentlich unser nächstes Bootsanlegeziel werden sollte.

Ein Eis war teuer und schmeckte nicht. Die Marina war voll von Touristen und auch der Ankerplatz davor gefiel uns nicht. Schnell zurück zum Citröen und wieder weg. „Du Holger, da flattert was unter unserem Scheibenwischer.“

Anhalten-Nachsehen-Schock!!!

Wir hatten doch tatsächlich in einer Lücke geparkt, wo man einen Parkschein hätte ziehen müssen. Das war dort aber überhaupt nicht ersichtlich. Für uns ein eindeutiges Touristenabgezocke.

60,00 Euro sind ein ganz böser Preis für dieses Versehen und werden uns ebenfalls vom Festmachen in der Marina von Mogan abhalten. Wir sind mal gespannt, wieviel uns dieser Patzer mit Bearbeitungsgebühren letztendlich kosten wird. Die Rechnung wird wohl nach Deutschland gehen.

Nun sind wir also wieder Fußgänger. Das Auto ist weg und unsere ersten 5 km haben wir schon hinter uns.

Die Vorräte an Bord sind dank zahlreicher Einkaufstouren zu unserem Lieblingssupermarkt „Mercadona“ auch reichlich aufgefüllt.

Zwei Tage wollen wir noch in der Marina bleiben. Dann setzen wir uns wieder in Bewegung.

 

Gran Canaria im Frühling wird uns ein unvergessliches Erlebnis bleiben und ist für Naturliebhaber auf jeden Fall ein Traum!

 

Gegenwärtiger Stand der Ermittlungen zum hier entdeckten PCH-Kennzeichen : Keine neuen Erkenntnisse!

Skoda wurde zwar bewegt, aber Besitzer zeigt sich nicht. Am und im Gebäude keinerlei menschliche Bewegungen festzustellen.

Wir bleiben dran!

 

 

Fuerteventura - Morro Jable / Gran Canaria – Pasito Blanco :                                        Ein Leben an der Ankerkette, eine Woche lang 02.05.2018 – 09.05.2018

Die letzten drei Tage in der Marina von Gran Tarajal waren noch sehr abwechslungsreich.

Wir wurden von Land aus mit spanischer Musik aus der Konserve beschallt. Noch dazu müssen die Teilnehmer der Veranstaltung Kochtöpfe mitgebracht haben, denn permanentes Topfschlagen unterstützte das Bum Bum der Bässe. Bei näherer Betrachtung zeigte sich einmal mehr, dass laute rhythmische Musik die Spanier noch lange nicht zum Tanzen motiviert. Vielmehr sind sie bestrebt, sich über den Lärm hinweg angeregt zu unterhalten. Wir würden es „sich anschreien nennen“. Ein weiteres Phänomen spanischer Unterhaltungen ist auch, dass irgendwie alle reden und es scheinbar keine Zuhörer braucht. Lustig!

Der April klang mit Holgers Geburtstag aus. Mangels Gästen feierten wir beide mit Sekt allein. Oh nein, es war durchaus kein trauriger Tag, denn dank moderner Kommunikationsmedien erreichte uns neben vielen Telefonaten und Mitteilungen auch nachts noch ein Videoanruf von unseren Parchimer Freunden. Sie hatten sich trotz fehlendem Geburtstagskind zum Heringsessen versammelt und waren schon recht lustig drauf.

Am Kampf-und Feiertag der Arbeiter kämpften wir uns mehrere Berghänge in der Umgebung hinauf und wieder hinab, um in den Nachbarort Las Playitas zu gelangen. Das war ein schon lange geplanter Ausflug mit zahlreichen grandiosen Ausblicken, der aber für Gliederschmerzen am nächsten Morgen sorgte. Wir hatten wohl lange vernachlässigte Muskelgruppen wieder zum Leben erweckt.

Nachdem Holger sich noch sein Geburtstagsgeschenk, eine Hochseeangel, kaufte, wurde der 2. Mai auch der Tag des Abschieds von Gran Tarajal. Die 20 Seemeilen, die bis Morro Jable vor uns lagen, wurden, wie erwartet, mit böigen Winden nicht langweilig. Nach 4 Stunden Segeln ließen wir den Anker vor einer sandigen Badebucht ins türkisblaue Wasser sinken. Einfach nur diesen Ausblick genießen, mehr wollte ich an diesem Tag nicht.

Morro Jable wurde auch eine Zeit der Landgänge. Unsere Neuanschaffung aus Gummi brachte uns mehrmals souverän an den weißen Sandstrand, wo uns das Anlanden recht mühelos gelang.

Wir machten uns auf den Weg in den nahegelegenen Hafen, um dort die „Tortugas“(dt.Schildkröten) zu besuchen. In einer Aufzucht-und Rettungsstation versucht man hier, diesen Tieren Schutz zu bieten und sie zur Vermehrung anzuregen. Leider war die Station, als wir dort ankamen, schon geschlossen und so blieb uns nur der Blick durch den Maschendrahtzaun. In einem großen Wasserbecken hatte man ein Männchen und ein Weibchen zusammengeführt. Eine dieser Schildkröten winkte beständig über den Beckenrand. Ich sagte zu Holger: „Ob die wohl um Hilfe winkt, weil der für sie ausgesuchte Schildkröterich ihr nicht gefällt?!“

Wir entdeckten außerdem eine Plakatstrecke und ein Denkmal mit Hund zu Ehren von Willy Brandt und waren erstaunt. Er hatte doch tatsächlich schon 1972 Fuerteventura bereist, um auch mal auf einem Esel reitend dort seinen Urlaub zu verbringen. Damals gab es vom Flughafen der Insel bis nach Morro Jable noch keine befestigte Straße und er wurde mit dem Helikopter eingeflogen. Er hat sich danach wohl sehr für den Ausbau touristischer Beziehungen zwischen Westdeutschland und Fuerteventura eingesetzt. Die Nachwirkungen sind heute deutlich zu spüren. In Morro Jable spricht man überwiegend deutsch.

Wieder an Bord widmete sich Holger der Vergrößerung unseres Nahrungsmittelangebotes. Er warf die Angel aus und hatte nach ersten Versuchen genau zwei Fischlein am Haken. Der erste war einer, den wir schon kannten. Wir nennen ihn „Sardine“. So einer wie der zweite war uns bisher noch nicht an den Haken gekommen. „Du Carmen, ich glaube, der Fisch hat mich gestochen. Es tut auch weh.“ Mit diesen Worten versetzte mich Holger in höchste Alarmbereitschaft. `Gibt es hier giftige, stechende Fische?`, durchfuhr es mich. Ich lud gleich ein ganzes Fischlexikon aus dem Internet herunter. Und tatsächlich, Holger hatte uns ein „Petermännchen“ an Bord gezogen. Er ist einer der wenigen giftigen Fische und kommt nicht nur in diesen Gewässern hier vor. Er hat einen giftigen Rückenstachel und ebenfalls Gift an den Kiemen. So ein Schweinehund! Der soll sogar noch gut schmecken, aber auf diesen Test hatten wir beide keine Lust mehr. Dem Gift und Schmerz kann man mit einem Bad in kochend heißem Wasser entgegen wirken. Und so badete Holger sein Stinkefingerlein brav in jener Flüssigkeit. Zum Glück, es half!

Am nächsten Angeltag hatte er mehr Glück und wir konnten am Abend 13 Fische knusprig braten und, ganz klar, die Mehrzahl davon auch gleich verspeisen. Hmmm, lecker!!!

Am 5. Mai waren die Wetterbedingungen für den Segeltörn nach Gran Canaria sehr günstig. Moderater Wind und eine gemäßigte Welle waren vorhergesagt. Und so hieß es morgens um 7.45 Uhr:„Anker auf!“.

Es wurde dann wirklich eine sehr schöne Überfahrt, der ich im Vorfeld nicht so ganz traute. Zwischen den Inseln kommt es nämlich immer zu Düseneffekten und Wind und Welle verstärken sich dadurch kräftig. Wir konnten mit allen drei Segeln und überwiegend Halbraumwind zügig vorwärts kommen. Fuerteventura versank im Dunst und vor uns lag Gran Canaria. Es wollte an diesem Tag seinen Wolkenschleier kaum lüften. „Hast du eigentlich unsere Skier mit an Bord?“, war mein Kommentar zu den wolkenverhangenen dunklen Berghängen. Mir lief ein kalter Schauer den Rücken herunter.

An der südöstlichsten Ecke der Insel wurde es noch einmal hektischer. Der Wind drehte auf Raumkurs und die Welle schaukelte sich und uns auf. Und so schunkelten wir erwartungsvoll unserem Ziel entgegen. Ging es auf dem offenen Meer zügig voran, so hatten wir jetzt das Gefühl, gar nicht mehr recht vorwärts zu kommen. Wahrscheinlich wollten wir auch einfach nur noch ankommen. Der Leuchtturm von Maspalomas vergrößerte sich Stück für Stück und dann tauchten die weißen Sanddünen von Playa de Ingles auf. Nur noch einmal um den Leuchtturm biegen und wir hatten es geschafft.

Vorher holte Holger noch seine neue Hochseeangel ein. „Carmen, hol den Kescher! Ich hab was dran.“, sagte er und ich lief los. Mit Kescher in der Hand und Blick auf die Angelsehne wartete ich gespannt. Thunfisch, Tintenfisch, Hai? Wollte ich wirklich das Bootsdeck mit solch einem wabbeligen Meeresriesen teilen? Holger rollte und rollte kraftvoll die Sehne auf. Am Ende war da jedoch nichts, nur die Erkenntnis, dass sich die Angelschnur verheddert hatte. So blieb mir das Blutbad an Bord erspart.

Nach 13 Stunden und rund 82 Seemeilen fiel unser Anker auf Grund vor der Marina von Pasito Blanco. Von Land aus wurden wir bei unserem Ankermanöver bereits beobachtet. Dörte und Felix, Bootsnachbarn aus Arrecife, hatten uns per Whats App ein Foto von uns geschickt und gefragt, ob wir das wären. Ich antwortete „Nein, wir sind auf Gran Canaria vor Pasito Blanco.“ Genau! Also, waren wir es doch. Man kann schon mal den Überblick verlieren, wer man ist und wo. Glücklich und müde krochen wir nach einem Ankerbier in unsere Kojen.

Das Ankern im Süden von Gran Canaria ist wirklich ein Genuss. Warmer mäßiger Wind, eine angenehme Wassertemperatur von 20 Grad und ein herrlicher Ausblick auf Steilküste, Strand und Palmen sind Luxus pur. In der Ferne überragt der Leuchtturm von Maspalomas die Hotelkomplexe um ihn herum. Wir baden und entspannen bei Vogelgezwitscher.

Für Landgänge nutzen wir die Stege der nahen Marina zum Anlegen mit dem Schlauchboot. Hier ist es herrlich ruhig. Es gibt nur wenige Wohngebäude, einen kleinen Supermarkt und einen netten Yacht Club mit fantastisch kalten Getränken. Hier trinke ich die erste Pina Colada auf unserer Reise.

Bei einem Spaziergang durch die Wohnanlage entdecken wir einen PKW mit PCH- Kennzeichen. Wir haben auf den Inseln bislang nur Wohnmobile mit deutschen Kennzeichen gesehen. Und nun stehen wir vor einem kleinen Skoda und der hat ausgerechnet ein Parchimer Nummernschild. Bisher hat sich dessen Besitzer noch nicht gezeigt. Wir bleiben dran!

Ein weiterer Gang führte uns in die Urlaubersiedlung von Maspalomas, ein paar Kilometer entfernt. Vor vielen Jahren waren wir hier zu Gast im Hotel „H10“ und nun standen wir wieder in dessen beachtlicher Eingangshalle. Wir haben uns einfach mal reingeschmuggelt und Holger hat sich probeweise am Büfett angestellt. Bis dahin hat uns niemand beachtet. Ich glaube aber, wenn wir uns mit voll gefüllten Tellern an einen Tisch gesetzt hätten, wäre die Frage nach unserer Zimmernummer peinlich geworden. Dieses Risiko wollten wir dann nicht eingehen.

Übrigens, dieses Hotel wirkt noch genauso schick wie vor etlichen Jahren. Ein echter Tipp für eine Gran Canaria Reise, finden wir.

Nachdem wir noch bis zum Leuchtturm gelaufen waren, ging es zurück zu unserer Aplysia. Wir konnten sie von Land aus in der Ferne liegen sehen.

Zwischen Maspalomas und Pasito Blanco ist ein großer Golfplatz angelegt. Man muss ihn außen umrunden. Das bedeutete für unseren Hinweg einen Gang der Hauptverkehrsstraße ohne Bürgersteig folgend und der Weg zurück führte uns entlang des steinig felsigen Ufers. Ein riesiger Felsbrocken musste dabei überklettert werden und brachte mich mal wieder an den Rand meiner Höhenpanik.

Wir haben sie später vom Boot aus beobachtet: die Felsenkletterer. Nicht jede(r) hat dessen Übersteigung gewagt und musste umkehren.

Vielleicht noch ein Wort zu den Nächten vor Anker. Die können sehr unterschiedlich ausfallen und man muss dem Thema Schlaf gegenüber sehr tolerant sein. Es gibt natürlich immer Wind, Wellen und Schwell dort draußen. Wenn diese drei Komponenten sich allerdings nicht einig sind, woher sie kommen, dann wird es schaukelig. Rauf und runter ist ja noch in Ordnung, aber hin und her empfinde ich als unzumutbar. Die meisten Nächte waren durchaus OK, aber es gab auch die eine oder andere, in der Holger unruhig wanderte oder ich zum Buch griff.

 

Seit heute morgen um 11.00 Uhr ist es erst einmal vorbei mit der Ankerei. Wir sind in die Marina gefahren, haben unsere Aplysia bis frühestens nächste Woche Dienstag hier angebunden und werden morgen unseren bestellten Mietwagen abholen.

Vorhin beim Anmelden im Marinabüro hat dieses ganz schön geschaukelt. Vielleicht ein Erdstoß?????

 

Gran Canaria- wir kommen!

 

                                       

 

 

 

 

Fuerteventura – Du windig sandiges Eiland der Ziegen, Außenbacköfen und Windmühlen!                                                                                                         Gran Tarajal / Fuerteventura 20.04.2018 – 28.04.2018

                                       

 

 

Am 20. April holten wir unseren kleinen Fiat 500 vom Flugplatz ab. Er sollte uns durch Fuerteventura rollen und uns Einkaufstouren zu preiswerten Supermärkten ermöglichen.

Fährt man über die Insel, so muss sich das Auge erst einmal an die Kargheit der Landschaft gewöhnen. Die baumlosen Hügel und Bergketten wirken gigantisch und menschenleer. Die Bebauung in den Tälern ist schlicht und oft stehen bescheidene, weiße, gelbliche oder terrakottafarbene Wohngebäude weit auseinander. Man entdeckt kaum Ackerbau, wenige Kartoffelfelder vielleicht. Hin und wieder erblickt man große Zelte, in denen sicher Bananen und Tomaten angebaut werden.

Bei genauerer Betrachtung der steinigen Einöde gibt es dort aber durchaus Leben. Entlang der Wege wird auf Schildern vor Rehen und Kühen gewarnt, die eventuell die Straße überqueren könnten. Wir allerdings glauben, dass die eigentliche Warnung den vielen Ziegen gilt, die oft frei in der Landschaft umherlaufen. Wir haben aber durchaus auch ein paar eingesperrte Kühe, Esel, Kamele, Hühner mit Hahn und Schafe gesehen. Des Weiteren begegneten uns ein Wildkaninchen und zahlreiche Atlashörnchen auf unseren Touren.

Übrigens: Diese putzigen kleinen Hörnchen sind nur für Touristen eine Attraktion. Für die Bewohner der Insel stellen sie neben Mäusen und Ratten eine Plage und Bedrohung der hiesigen Fauna und Flora dar. Sie wurden in den 1960er Jahren als Haustiere eingeführt und verbreiteten sich seitdem unaufhaltsam.

In vielen Tälern kann man sich an Palmen und grünem Buschwerk erfreuen. Es soll sogar noch einen kleinen Wald geben, den die Bewohner der Insel liebevoll pflegen. Wir haben ihn allerdings nicht gefunden.

Zahlreiche Aussichtspunkte ermöglichen grandiose Weitblicke übers Land und machen den Betrachter sprachlos.

Einige kleinere Ortschaften sind recht liebevoll angelegt oder sind aufgrund ihrer Lage am Meer sehenswert. Wahrscheinlich wird man Fuerteventura aber nicht wegen seiner Sehenswürdigkeiten oder schönen Dörfer und Städte in Erinnerung behalten. Die gibt es so zahlreich nämlich nicht. Und so begegneten uns auf unseren Ausflügen auch kaum Reisebusse mit Touristen und der Autoverkehr war ebenfalls mäßig.

Fuerteventura ist aber sicher ein Hotspot für Badefreunde. Endlose Sandstrände, besonders im Süden der Insel ( die Costa Calma ), machen es möglich. Der stetige Wind zieht Wind- ,Wellen- und Kitesurfer an. Und nicht zuletzt wurden quer über die Insel richtig gute Wanderwege mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden angelegt, sodass ein Wanderfan sich hier durchaus austoben kann.

Auf einer unserer Fahrten hatten wir doch tatsächlich Jesus an Bord. Nein, nicht der vom Kreuz ( Obwohl, dort hängt doch jetzt der Osterhase, oder? )! Jesus war ein spanischer Tramper, den wir nicht nur ein Stück mitgenommen haben, sondern den wir bis direkt bis zu seinem Ziel, einem Hotel an der Costa Calma, brachten. Er konnte so viel Freundlichkeit kaum glauben und bedankte sich überschwänglich.

Eine andere Fahrt bescherte uns Felipe als Fahrgast, eine Begegnung der besonderen Art. Nicht nur, dass er sturzbetrunken war und dauernd etwas von einem schlimmen Tag, von Tod und Krankheit erzählte. Nein, plötzlich schlief er ein und als wir ihn weckten, wollte er Holger seine Armbanduhr aus Dankbarkeit oder Verzweiflung(?)schenken. Wir ließen ihn bei einer Bank in Gran Tarajal raus, da er Geld abheben wollte - so dachten wir. Plötzlich aber betrachtete er uns als sein Geldinstitut und erbat sich einen Euro. Das war zu viel für uns : Also Autotür zu und weg!

Auf unserer Tour zum südlichsten Zipfel der Insel machten wir Halt in dem kleinen, weit abgelegenen Ort „Cofete“. Dort gab es Ziege nicht nur meckernd, sondern auch als Speisenangebot in der kleinen Gaststätte des Dorfes. Das mussten wir probieren, und es schmeckte hervorragend.

Auf einer unserer letzten Ausflüge entdeckten wir im Tal „Vega de Rio Palma“ eine ausgetrocknete Talsperre. Sie wurde unter General Franco in den 1940er Jahren erbaut, hat aber nie die an sie gestellten Erwartungen erfüllt. So ist sie mittlerweile von Gestrüpp und einigen Palmen überwuchert und als solche kaum noch auszumachen.

Holger fragt sich immer wieder, ob die vielen Kanäle und Flussläufe, die die Insel durchziehen, denn auch einmal Wasser führen. Ich bezweifle das stark. Während eines heftigen halbstündigen Regengusses, den wir im Inneren unseres Zwergen-PKW am Ufer eines Flusses abwetterten, warteten wir dann schließlich auf das Wunder.Das Wasser schoss schließlich auch ordentlich an unserem Wagen vorbei. Als der Regen nachließ, starrten wir in das Flussbett und …...Nichts! Alles versickert. Es regnete dann auch noch in der Nacht und wir erwarteten am nächsten Morgen wenigstens Pfützen auf der Straße. Doch auch die gab es nicht.

Von einem anderen Wasserprojekt der Insel lasen wir kürzlich im Internet: Im Jahr 2010, Spanien erlebte gerade seine schwerste Wirtschaftskrise, beschloss die spanische Regierung, um die Konjunktur anzukurbeln, die Investition in den Bau einiger wahnwitziger Objekte. Unter anderem drei Schwimmhallen für Fuerteventura! Sie wurden gebaut, aber nie in Betrieb genommen. Irgendwie muss ich dabei an Berlin denken. Warum nur?

 

Nun sind wir schon seit ein paar Tagen wieder zu Fuß unterwegs. Einige recht schöne Spaziergänge um Gran Tarajal sind dabei herausgekommen. Einer davon führte uns auf einen der Berggipfel in unserer Nähe. Wir genossen den herrlichen Ausblick und waren in Gesellschaft einer Ziegenherde und der für Fuerteventura typischen Atlashörnchen, die sich hier lustig in den Felsen tummeln. Unser eigentliches Ziel, Las Playitas, hatten wir allerdings verfehlt. Der Weg endete am Gipfel. Holger wäre zwar gerne den Ziegenpfaden über den Bergkamm gefolgt, aber da fing ich an zu meckern, und noch eine Ziege mehr um ihn herum, das wollte er nicht riskieren.

 

Und zum Schluss:

 

Der Schlauchbootkauf-

Eine komische Tragödie in drei Akten

So könnte man diese Geschichte in einem Bühnenstück verarbeiten.

 

Im ersten Akt kaufen wir das Boot, sind glücklich, drehen eine Hafenrunde, verpacken es an Bord und stellen einige Tage später fest, dass es Luft verliert. Wir bringen es zurück zum Geschäft, der Verkäufer findet das Loch und will uns ein neues Boot besorgen.

 

Im zweiten Akt spitzt sich die Situation zu. Der Verkäufer gibt uns die Schuld, will das Boot nur reparieren. Ein neues Boot zu besorgen, würde viel Zeit benötigen und überhaupt „Manana!“. Holger bekommt seinen Stierblick und kocht vor Wut.

 

Im dritten Akt dann plötzlich die unerwartete Wendung:

Wir betreten den Laden und bekommen ein nagelneues Schlauchboot auf eine Sackkarre gestellt. Wir transportieren es zum Hafen, Holger pumpt es auf, wir drehen eine Proberunde. Seitdem hat es noch nicht einen Lufthauch verloren.

 

Happy Ending! Und die offenen Fragen: Was sollte das??? Wozu der ganze Ärger???

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Woher weht denn hier der Wind ?                                                                                     Gran Tarajal / Fuerteventura : 15.04.2018 – 20.04.2018

                                       

 

 

 

 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit doch vergeht. Mir wird es beim Schreiben meiner Texte schmerzlich bewusst. Knapp eine Woche ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Wir sind noch in Gran Tarajal und halten es hier gut auch noch ein paar weitere aus. Ab und an werden wir per E-Mail gefragt, was wir denn so lange auf den Kanaren machen. Wir müssten doch schon längst in der Karibik sein. Müssen wir? Nein! Wir haben Zeit und genießen jetzt jeden Schritt vorwärts, sei er auch noch so klein.

Nun also erst einmal Gran Tarajal auf Fuerteventura. Es ist mit ca.7000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Insel und ihre Bewohner sind hauptsächlich Einheimische. Auf Touristen trifft man hier kaum und dies bewirkt, dass das Leben im Ort sehr gemächlich verläuft. Während der Siesta sind die Bürgersteige hochgeklappt und die Fensterläden fest verschlossen. Am Abend wird auf der Strandpromenade „auf- und abpromeniert“. Die kleine Stadt klebt an einem Berghang. Das Leben in ihr spielt sich aber hauptsächlich ebenerdig am Wasser ab.

Gran Tarajal hat einen Strand mit schwarzem Sand, und wenn die Sonne besonders fleißig ist, dann muss man diesen entweder mit dicken Schuhsohlen oder schwebend überwinden. Wir haben beides nicht getan und erlebten einen grandiosen Erlösungs-Zisch bei der Berührung unserer schmerzhaft angebratenen Fußsohlen mit dem kühlen Atlantik. Trotzdem macht Baden hier wirklich Spaß! Nicht zuletzt, weil man noch auf Abstand zu seinen halb oder dreiviertel entblößten Nachbarn gehen kann.

   Über einer offenen Tür fiel uns eines Abends das Schild „Herzlich willkommen!“ ins Auge. Waren etwa auch wir damit gemeint? Aus dem in zartem Rosa geschmückten Raum drangen Tanzmusik und Lachen. Bei näherer Betrachtung erkannten wir dann allerdings sich räkelnde und aneinander rubbelnde Schwangerschaftsbäuche. Man brachte sich für Fotos in Position. Dort hatten wir wohl nichts zu suchen! Wir hatten Bekanntschaft mit einer sogenannten „Baby Shower“-Party gemacht. Ich kenne zwar „Pullerpartys“, bei denen man die Ankunft eines neuen Erdenbürgers begießt. Das Feiern der Schwangerschaft war mir jedoch befremdlich neu.

An einem anderen Tag knallte sich plötzlich ein fetter Katamaran gegen unseren Steg und hatte Mühe, sein Geschoss festzuzurren. Von Bord kamen außer russischem Geschrei keinerlei Anzeichen für die Beherrschung dieser Situation und so halfen Holger, ich und ein verzweifelter Marinero dabei, das Bootsmonster zu zähmen. Ein Charterboot birgt immer Risiken, wenn man es in seiner Nähe hat. Mein Risiko war diesmal ein dicker Holzsplitter, den ich mir beim Helfen in meinen Fuß rammte. Die Not-OP gelang zum Glück, allerdings mit einigen Mühen. Vielleicht waren die Männer an Bord ja auch einfach so verdutzt über meine russischsprachige Begrüßung und konnten deshalb nur hilflos Fender schwenken. Nach dem Festmachen der Leinen zeigten sich dann auch noch zwei Frauen, ein kleines Mädchen und ein Zwergdackel. Dieser „erfreute“ uns, als er wenig später allein auf dem Katamaran gelassen wurde, mit einem traurigen Heulkonzert in Dur. Holger unterstützte ihn dabei kräftig mit Gitarrenklängen.

Manchmal sollte man sich einfach dumm stellen! Diese Erkenntnis kam uns wenige Tage später zugute. Wieder einmal ging es gestern um die Verlängerung unseres Aufenthaltes hier. Wieder einmal bedeutete das Kontaktaufnahme mit dem Hafenbüro in einem staatlichen Hafen. In den privaten Marinas bezahlt man für den Aufenthalt zwar oft doppelt so viel Geld, es würde aber niemand von einem verlangen, die Anmeldung übers Internet selbst vorzunehmen. Ganz anders an einem Ort wie diesem. Unsere netten deutschen Bootsnachbarn, Jochen und Barbara, hatten uns bereits vorgewarnt. Und so kam es, wie es kommen musste. Der Hafenchef sagte: „Ihr müsst euch selbst übers Internet anmelden.“ Ich antwortete: „Internet? Was ist das? Wie geht das?“ Ihm fiel für mindestens 5 Sekunden alles aus dem Gesicht und ich konnte den weiteren Fortgang des Gesprächs nicht mehr einschätzen. Also versuchte ich es mit Lächeln und einem femininen Augenaufschlag. Es half! Fünf Minuten später hatten wir unsere Rechnung und die Erlaubnis für sechs weitere Nächte zu bleiben. Hurra, und ganz ohne uns völlig lustbefreit mit spanischen Onlineformularen auseinandergesetzt zu haben!

Stattdessen hat Holger uns bereits zwei Mal leckeren Fisch aus dem Hafenbecken geangelt und dabei Jochen, unseren bereits erwähnten Bootsnachbarn, mit dem Jagdfieber infiziert. Gestern standen die beiden Popo neben Popo den ganzen Nachmittag mit der Angel in der Hand und Jochen erlegte seine erste Dorade. Darauf wurde gestern Abend mit Honigrum und Bier angestoßen.

Eine Geschichte, die positiv begann, bei der wir aber noch nicht wissen, wie sie enden wird, ist der Kauf unseres neuen Schlauchbootes. Tatsächlich haben wir am Montag ein unseren Vorstellungen entsprechendes Objekt erworben und waren total froh, dass es uns so mühelos gelang, einen wirklich guten Ersatz zu bekommen. Es wurde uns sogar in den Hafen angeliefert. Wir pumpten es auf, drehten eine Proberunde durchs Hafenbecken und zurrten es dann auf dem Bootsdeck fest. Nie wieder sollte unser Schlauchboot über Nacht im Wasser verbleiben müssen! Die vorangegangenen Ereignisse waren uns dabei eine Lehre. Gestern nun streichelte Holger dann liebevoll über unseren neuen Besitz und stellte fest, dass eine Kammer des Bootes Luft verliert. Eine bittere Erkenntnis!

Nachher werden wir das Boot zur Beobachtung zurück ins Geschäft bringen. Wie das ganze ausgehen wird, wissen wir nicht. Der Verkäufer war bis jetzt sehr nett, also denken wir positiv. Holgers Kommentar zur Sache: „ Ich hatte bisher noch nie Glück mit neu gekauften Dingen!“ Damit hat er nicht ganz unrecht.

Zum Schluss noch die Sache mit dem Wind hier. Er weht wirklich innerhalb nur eines Tages aus den unterschiedlichsten Richtungen. Mal fällt er von dem gewaltigen Berg vor uns herunter. Dann plötzlich legt er Aplysia auf ihre Steuerbordseite, wenn er von West gegen sie in kräftigen Böen pustet. Plötzlich dann wieder umgekehrt - und wir liegen auf der Backbordseite. Kommt der Wind aus Nordwest, ist er warm. Kommt er aus Nordost, ist er kühl und die Temperatur fällt von einem Moment zum nächsten um mehrere Grad, um sich beim folgenden Winddreher wieder zu steigern. Vorhergesagte Wetterereignisse treffen vollkommen anders ein. Für heute zum Beispiel waren 19 Grad angesagt, wir durften uns aber sehr über 27 Grad freuen.

Nicht nur Wind und Wetter bleiben weiterhin spannend!!

 

 

 

Manches erfüllt sich und manches geht einfach schief :                                                                       Corralejo - Isla de Lobos - Gran Tarajal / Fuerteventura 07.04.2018 – 14.04.2018

                                       

 

 

 

 

Am Samstag, den 7.04. hatten wir uns auf ein Wiedersehen mit dem Hafenmeister von Corralejo „gefreut“. Wir sollten ja schließlich den Hafen nach drei Tagen wieder verlassen. Aber sein Büro war verriegelt und verrammelt. Ein Hafenpolizist mit Knüppel am Gürtel erklärte uns dann die Sachlage: „Es ist Samstag. Und am Wochenende arbeitet unser Hafenchef nicht.“ Gut für ihn und für uns! Nicht ohne ein Lächeln im Gesicht zogen wir wieder von dannen. Unser Wunsch, länger hier liegen bleiben zu dürfen, hatte sich somit von ganz allein erfüllt. Der Hafenmeister, dieses Schlitzohr, muss das aber schon vor drei Tagen ganz genau gewusst haben.

Wider besseren Wissens machten wir uns am Sonntag auf den Weg, um direkt bei Hertz ein Auto zu mieten. Es kam wie es kommen musste. Wir hätten über Internet vorher eins buchen müssen, dann hätten wir auch jetzt eins mitnehmen können. Somit blieben wir „räderlos“.

Am Montag ging‘s dann wieder zum Hafenbüro. Wir trafen auf einen neuen Capitano, der von gar nichts und schon gar nicht von uns etwas wusste. Er wollte uns am liebsten auf der Stelle aus dem Hafen haben. „Der Hafen ist voll!“, war seine Erklärung zu mehreren freien Stegen. Wann hatte er wohl zum letzten Mal einen Rundgang durch sein Reich gemacht? Eine Zeit lang ging es so im Gespräch noch hin und her, aber unser Verweis auf die doch sehr windige Wetterlage brachte dann den Sinneswandel: „Mittwoch ist OK,“ strahlte er uns plötzlich an. Ist das ein Mentalitätsproblem oder ist diese Art von Machtausübung irgendwie maskulin erregend? Wir wissen es nicht.

Da sich der Wind am Dienstag dann doch gemäßigter als erwartet zeigte, wollten wir unsere Rechnung bezahlen und weiter zur Insel „Isla de Lobos“. Also, wieder zum Hafenbüro. Dort war es dem Chef allerdings nicht möglich, uns unsere Rechnung auszudrucken. „Manana“, hieß es wieder einmal. Dieses spanische Wort beherrschen wir mittlerweile fließend, gesprochen und geschrieben!

Am Mittwoch wachte Holger mit Husten, Halsschmerzen und Fieber auf. Deshalb sind wir auch gar nicht unglücklich gewesen, als uns „El Capitano“ dann ernsthaft anbot, doch noch bis Donnerstag zu bleiben. Hatte er uns plötzlich in sein Herz geschlossen? Für Holgers Genesungsprozess war dieser Tag wirklich wertvoll.

In anderer Hinsicht wären wir besser einen Tag früher gefahren: Gegen Mittag ertönte ein lautes Stimmengewirr und es machte plötzlich „RUMS!“ an unserem Boot. Unser spanischer Bootsnachbar, der Angeltouren anbot, kam zurück von einer solchen. Allerdings hatte er sich an diesem Tag einen Aushilfskapitän ans Steuer gesetzt und so kam es, dass dieser den Rückwärtsgang funktionsunfähig einstellte und dachte, er wäre kaputt. Beim Anlegen eines größeren Motorbootes ist das eine äußerst unglückliche Situation, noch dazu, wenn die Hälfte der Mannschaft aus besoffenen Russen und Engländern besteht, und so rammte sein Anker mal eben eines unserer Fenster, verpasste ihm einen Kratzer und eine kleine Delle. Nachdem der Chef höchstpersönlich sein Boot erreichte, gab es erst mal lautes Gezeter und er machte seinen Hilfskäpt‘n zur Schnecke. Unser Fenster wollte er am liebsten eigenhändig ausbauen. Er rüttelte daran herum, bis Holger ihm mit hochrotem Kopf erklärte, dass das so nichts wird. Nach Beruhigung der Lage und näherer Betrachtung der Situation haben wir keinen ernsthaften, aber doch ärgerlichen, Schaden genommen. Holger bekam noch einen großen Angelköder geschenkt, damit er uns demnächst einen großen Thunfisch angeln kann.

Und dann brachen wir am 12.04. zur kleinen „Isla de Lobos“, nur 2 Seemeilen von Corralejo entfernt, auf. Das „Inselchen der Wölfe“ hat seinen Namen von den Mönchsrobben, auch Seewölfe genannt, die einst hier lebten. Als wir dort ankamen, lagen auf dem Ankerfeld schon einige Ausflugskatamarane. Unser Plan war eine Tour über die kleine Insel. Wir mussten ihn jedoch aufgrund der ziemlich kappeligen Wellen für diesen Tag aufgeben. Ohne pitschnass zu werden, hätten wir das Ufer nie und nimmer in unserem kleinen Beiboot erreicht.

Eine sehr schaukelige Nacht stand uns bevor, denn Wind und Schwell beruhigten sich kaum. Etwas genervt und kaputt erwachten wir dann am nächsten Morgen.

Es war Freitag der 13. und irgendwie kündigte sich dadurch das Unheil wohl schon an. Holger drehte seine morgendliche Runde übers Boot und kam mit erschrockenem Blick zu mir zurück: „Unser Beiboot ist weg.“ Ob es sich trotz einer super Knotentechnik losgerissen hatte oder jemand nachhalf, bleibt eine für immer unbeantwortete Frage. Vielleicht ist es ja mittlerweile an der afrikanischen Küste gestrandet und wird irgendwann von irgendwem zurückgebracht zu den Kanaren. Wer weiß? Der einzige Trost: Wir wollten uns sowieso ein größeres und stabileres kaufen. Nun müssen wir aber erst mal ein Geschäft für Schlauchboote finden. Auf Fuerteventura bestimmt keine leichte Aufgabe!

Wir hatten die Nase voll von Schwell, Windstärken zwischen 6 und 7 Beaufort und dem erlittenen Verlust unseres kleinen „Gummibootes“. So entschieden wir uns, mit achterlichem Wind und Welle ebenfalls von hinten weiter gen Süden zu ziehen. Es segelte sich auch recht gut bis ich den Begriff „Fallböe“ praktisch kennenlernte. Segelt man in südliche Richtung entlang der Küste von Fuerteventura, so werden die Berge immer höher und fallen steil hinab zum Meer. Dadurch entwickeln sich diese kräftigen Windböen, die mit viel Geheul und Kraft in unsere stark gereffte Fog fegten. Aplysia und Holger beeindruckten sie scheinbar wenig, aber mich haben sie erschreckt.

In Gran Tarajal sind wir freundlich empfangen worden. Es ist eine Marina, die genug Platz für Besucherboote hat, allerdings wie alle Häfen auf Fuerteventura nur einen bescheidenen Wohlfühlservice bietet. Duschen findet auf dem Steg statt, aber zumindest ist das Wasser dafür im geringen Preis von 12,00 Euro pro Nacht schon enthalten.

Den Ort haben wir uns vorhin schon etwas näher angeschaut. Er ist kaum bis gar nicht touristisch, obwohl er einen netten Badestrand hat. Es gibt eine Strandpromenade mit kleinen Bars und Rstaurants. Man findet hier einen Park mit echtem Rasen und Butterblumen. Der erste Springbrunnen auf den Inseln mit!! Wasser weckte unsere Aufmerksamkeit. Und…..wir haben einen Laden mit Schlauchbooten entdeckt. Allerdings ist heute Samstag und dieses Geschäft hat geschlossen. Unseren Hafenplatz haben wir bis morgen bezahlt. Vielleicht bleiben wir auch noch etwas länger?!

 

 

 

Bunte Mischung zu Ostern und drum herum:                                                      Lanzarote und Fuerteventura                                                                                 22.03.2018 – 04.04.2018

                                       

 

 

Es ist uns endlich gelungen, uns von Lanzarote abzunabeln, obwohl wir noch bis gestern dafür gebraucht haben. Nun sind wir aber wirklich eine Insel weiter gesegelt, auf Fuerteventura.

Arrecife wollten wir eigentlich schon am 24.03. verlassen. Es wurde der 27.03. daraus. Der Hauptgrund war sicher, dass noch mal ein ordentliches Paket Starkwind durchzog. Ich würde unehrlich sein, wenn ich verschweigen würde, dass Arrecife nicht auch andere Gründe zum Bleiben bot: eine angenehme Marina mit allen Annehmlichkeiten zu einem unschlagbaren Preis; mittlerweile einige Bekannte um uns herum, mit denen man ein nettes Schwätzchen machen oder ein Bier trinken konnte, Einkaufsmöglichkeiten fast um die Ecke ( Wenn man ohne Auto ist, weiß man das sehr zu schätzen. Und erst jetzt merken wir, wie preiswert Supermärkte außerhalb von Touristenballungszentren sind! ); ein super W-Lan und somit auch mal die Möglichkeit fernzusehen ( Das ist in den Marinas nicht selbstverständlich. ); die Möglichkeit, endlos auf einer tollen Promenade spazieren zu laufen; den Flughafen in leicht erreichbarer Nähe und und und………………….

Aber das alles war ja nicht der Sinn unserer Reise. Man kann sich nur so furchtbar schnell daran gewöhnen.

Am 27.03. ging es also nach einem Blick über die Hafenmauer und dem fragenden Kommentar der sehr netten Marina Angestellten Tanja: „Bei dem Wind?“ wirklich los. Nicht nur Windstärke und Welle waren noch beeindruckend, auch die Windrichtung-Ost- verursachte ein Wetterphänomen der Kanaren, den „Calima“. Was ist das? Das ist ein heißer Wind aus der Sahara, der aber auch mächtig viel Sand im Gepäck hat. Somit war unsere Sicht am Tag unserer Abreise recht getrübt. Lanzarote lag im Staubmantel und vermittelte ein bisher noch nicht gesehenes Bild.

Unser erstes Ziel war die nächst gelegene Marina, Puerto Calero, da diese über eine Tankstelle verfügt und uns der Zustand unserer Dieseltanks als recht leer erschien. Diese Marina bietet aber nicht nur die Möglichkeit des Tankens, sondern hat ebenfalls einen gewissen Wohlfühlfaktor. Sie lässt sich diesen allerdings auch gut bezahlen und deshalb überlegt man sich, wie lange man das möchte. Fast doppelt soviel wie in Arrecife mussten wir für diese eine Nacht hier berappen. Ach ja, und ein Luxuseis in der Luxusmarina kostete uns 7,50 Euro ( für 4 kleine Kügelchen ).

Dafür gab es das Barracuda-Gucken im Hafenbecken umsonst. Sehr faszinierend, was alles so im Meer herum schwimmt!

Auch am nächsten Tag erwartete uns der Atlantische Ozean wieder verhüllt in einem grauen Schleier. Die Sonne war gänzlich darin versteckt. Man erahnte ihre Anwesenheit nur aufgrund der angenehmen Temperatur auf dem Wasser. Weiter ging es in Richtung Süden. Unser Ziel nun, die bekannten Papagayo Strände am südlichen Ende von Lanzarote.

Am 28.03. um 14.30 Uhr ließen wir hier, zum ersten Mal auf unserer gesamten Reise, den Anker fallen und es klappte hervorragend. Der Anker saß fest und so verbrachten wir die Ostertage genau dort.

Was macht man, wenn man vor Anker liegt? Es genießen, lesen, Gitarre spielen, baden, Schlauchboot fahren, Würfelspiele spielen, die Menschen an Land und auf dem Wasser beobachten, sich sonnen, auch mal was essen oder was trinken. Feuerwerke hören, aber leider nicht sehen.

Mann angelt Fische und Frau brät sie. Sehr lecker!

Es gibt wunderschöne Sonnenuntergänge zu bestaunen und auch der Vollmond hatte Einiges an Schönheit zu bieten.

Holger reparierte ein paar Kleinigkeiten. Der Henkel einer Tasse mit Parchim-Motiv, der durch den Wellenschlag zu Bruch ging, wurde wieder felsenfest verklebt und die ausgefledderte Parchim-Flagge wurde durch gezielte Nadelstiche meinerseits wieder zu einer eleganten Erscheinung.

Außerdem standen wir dank Telefon und Internet auch ohne Landberührung immer in Kontakt zur Außenwelt. So erreichten uns auch zahlreiche Osterbilder aus dem Norden Deutschlands. Sie waren überwiegend weiß. „Weiße Ostern“- ich weiß nicht, ob da jemand das Wort „schön“ mit verbindet. Uns hat auf jeden Fall niemand etwas vom Wetter in Deutschland vorgeschwärmt. Wir haben im Stillen all jene beglückwünscht, die eine Auslandsreise in Richtung Süden über die Feiertage gebucht hatten und uns über unsere mehr als 21 Grad vor Ort gefreut.

Am Ostermontag entschieden wir uns gegen Mittag, in die unserem Ankerplatz nahe gelegene Marina Rubicon zu fahren. Wir wollten Wasser bunkern und Aplysia vom roten Sand befreien. Fährt man in diese Marina, so muss man zunächst erst an einem Rezeptionssteg anlegen. Man geht ins Büro, um sich anzumelden und in dieser Zeit geht ein Mitarbeiter der Marina ans Werk und vermisst das angekommene Boot am Steg. Vom Bugsprit bis zur äußersten Kante der Badeplattform wird alles in die Bootslänge mit einbezogen. So kam es, dass unsere Aplysia doch wirklich um einen Meter gewachsen ist. Unsere Bootspapiere sagen 12m, der „Marinero“ sagte13m. Holger überzeugte sich vor Ort und tatsächlich:13m! Ich persönlich glaube ja immer noch, dass das Maßband getürkt war. Vielleicht sind hier in Spanien aber auch neunzig Zentimeter gleich ein Meter? Nun ja, wir fügten uns in die Berechnungen und bekamen einen schönen Hafenplatz in einer ebenfalls wirklich kuscheligen Marina. Wir bekamen sogar die kostenlose Zugangsberechtigung für den Pool der Anlage. Wir nutzten ihn nicht, denn Holger war mit der Reinigung des Bootes beschäftigt und ich machte mich auf den doch recht weiten Weg zu einem größeren Supermarkt. Unsere Vorräte waren durch die Ankertage geschrumpft. „Die haben ja `ne Macke!“, dachte ich beim Anblick der Preise an den Regalen. Vieles war doppelt so teuer als vorher in Arrecife. Ja, willkommen in der schönen Welt der Touristenzentren! Hier waren wir schließlich mitten in Playa Blanca, also genau an einem solchen Ort.

Dass es selbst an einem Ort wie diesem auch anders geht, machte uns die abendliche Einkehr in eine Gaststätte deutlich. Wir haben uns nur ein paar hundert Meter weg vom Laufsteg der Urlauber bewegt und wurden für 18 Euro mit Getränken beide herrlich satt. Geschmeckt hat es und ein Schnäpschen gab es noch auf Kosten des Hauses.

Am 3.04. verließen wir Lanzarote nun entgültig. Mit achterlichem Wind und dergleichen Welle schaukelten wir flott und angenehm in Richtung Fuerteventura. „Wenn es uns gefällt, bleiben wir in Corralejo.“,sagten wir noch auf der Überfahrt. Wir blieben. Hinter der langen Kaimauer versenkten wir inmitten anderer Boote unseren Anker. Hierbei bekamen die Gezeiten wieder eine Bedeutung, denn Corralejo ist ein großes Riff vorgelagert und man muss schon genau hinsehen, dass man auch noch bei Niedrigwasser genug Flüssigkeit unterm Kiel hat.

Unser erster Eindruck von der Stadt: Sie ist quirlig, voll mit jüngerem Publikum. Viele davon sind hier um irgendeine Form von Wassersport zu betreiben: Windsurfen, Segeln, Wellenreiten, auf einem Stand-up-Board umherpaddeln, Kiteboarding, Tauchen, Jetski fahren- all das und noch viel mehr ist hier möglich. So kommt hier eine ganz spezielle Gemeinde zusammen und auch der Ort selbst wirkt mit seinen kleinen Gassen und Bars sehr entspannt und leger.

Heute mussten wir uns leider von unserem Ankerplatz verabschieden. Es tat plötzlich einen Rums und der Anker hielt nicht mehr. Der Versuch, uns an eine freie Mooring zu binden, wurde von Spaniern gestoppt, die uns freundlich darauf hinwiesen, dass unser Boot zu schwer für diese wäre. Hinter uns das Riff, um uns viele andere Boote- wir entschieden uns, per Funk um einen Platz am Steg zu bitten. Wir hatten Glück, denn es war wirklich einer frei. In unserem Hafenhandbuch steht, dass es hier nur 3 Besucherplätze geben soll. Wir konnten uns allerdings sogar zwischen zwei Plätzen entscheiden. Unsere Erfahrung: Sich Infos einholen ist gut und wichtig. Es selbst auszuprobieren ist auch gut und wichtig. Häufig stimmen die Infos und das eigene Erleben nicht hundertprozentig überein.

Noch ein Tageserfolg: Ich habe heute meine erste Runde mit unserem Beiboot allein im Hafenbecken gedreht. Als echte Ankerqueen muss ich dieses Fahrzeug doch beherrschen. Ich muss noch fleißig üben!

Wir haben hier leider kein W-Lan im Hafen, müssen uns dafür in eine Gaststätte am Ufer setzen. Somit werde ich diesen Laptop morgen in eine solche tragen, einen Kaffee trinken und diesen Bericht hochladen.

 

Nachtrag:

 

04.04.2018 – 06.04.2018

 

Schon wieder sind zwei Tage vergangen. Wie konnte das passieren?

 

Gestern haben wir uns im Hafenbüro beim „Capitano“ angemeldet. Da es uns hier gefällt, wollten wir eigentlich einen Stegplatz für eine Woche bezahlen. „El Capitano“ rollte mit den großen braunen Kulleraugen und machte uns klar, dass Durchreisende nur drei Tage geduldet werden. Wenn wir aber nach drei Tagen wieder kommen würden und ganz lieb „Bitte!Bitte!“ sagen, dann eventuell…….????? Also bleibt der morgige Tag spannend. Wir überlegen schon, ob vielleicht Bestechung mit Schokolade oder Rum helfen könnte.

Corralejo ist wirklich ein angenehmes Örtchen mit Gassen ohne Autos, kleinen Stränden und vielen Bars und ohne viel „Schicki-Micki“. Das gefällt uns! Eine leckere Eisdiele mit noch akzeptablen Preisen haben wir auch gefunden. Abends erklingt vom nahen Ufer Live-Musik und hier im Hafen gibt es den ganzen Tag über viel zu sehen. Die Fähren nach Lanzarote legen hier an und ab. Man kann zu der kleinen Insel Los Lobos mit verschiedenen Wasserfahrzeugen übersetzen.

Wir haben einen Stegplatz, von dem aus man herrlich baden gehen kann. Holger hat heute vom Boot aus einen Rochen entdeckt. Nun ja, die gehören halt hierher.

Bei mir kam heute mal wieder die gute alte Handwaschmaschine zum Einsatz, denn die Waschsalons des Ortes bieten keinen Selbstwaschservice und sind demzufolge auch nicht so preiswert. Ich habe sogar den Eindruck, dass ich es besser kann als jede Waschmaschine und trotzdem möchte ich diese technische Errungenschaft nicht auf Dauer missen und werde auch Holger mein Gefühl verschweigen.

Noch eine Errungenschaft der ganz anderen Art ist mir soeben geglückt: Holger hatte mal wieder einen „Kletter den Mast hoch!“ Auftrag zu vergeben. Und da kein anderer „Hier!“ schrie, blieb nur ich übrig. Bei meinem ersten Versuch in Arrecife habe ich unseren kleinen Mast nur bis zur Hälfte geschafft und konnte somit den damaligen Auftrag nicht erfüllen. Meine Höhenangst hatte einfach gesiegt. Holger musste selber hoch. Dafür benötigen wir aber dann immer noch einen zweiten Mann oder Frau zum Absichern. Heute habe ich den großen Mast zu ¾ bezwungen und den dazugehörigen Auftrag zur Zufriedenheit des Skippers erledigt. Ich bin schon ein Stück weit stolz darauf. Aber trotzdem glaube ich, dass nicht jeder Tag mein Masttag wird.

 

 

 

 

Lanzarote / Arrecife: 15.03.2018 – 21.03.2018                                                  Und immer noch…..Arrecife

                                       

 

 

Heute sitzen wir bei Windstärken zwischen 6 und 7 Beaufort auf unserer schaukeligen Aplysia. Der Nordwind bläst uns seit gestern mächtig um die Ohren und an ein Verlassen der Marina ist im Moment nicht zu denken.

Eigentlich war ich der Meinung, dass heute auf Lanzarote Vatertag gefeiert wird. Habe gestern extra noch für diesen Feiertag unsere Vorräte im Supermarkt aufgestockt, aber der Blick ins Internet verriet mir, dass der 19. März irgendetwas mit diesem Event zu tun haben muss. Nun gut, irren ist ja bekanntlich menschlich!

Womit haben wir die letzten Tage verbracht? Besonders Holger war sehr fleißig und hat unser Küchenfenster aus- und wieder eingebaut, da es bei Regen immer mal kleinere Tropfen durchließ. Die Leistung unserer Lichtmaschine ist nun dank Holgers Umbau deutlich erhöht und unser Teakdeck hat durch Holgers intensive Putzaktion wieder seinen ursprünglichen Zustand erreicht.

Wir laufen regelmäßig unsere Runden um Arrecife, Holger übt beharrlich auf seiner Gitarre und ich verschlinge ein Buch nach dem anderen.

 

Unsere Spaziergänge durch Arrecife zeigen uns, dass man beim Bau dieser Stadt auf ein schickes Erscheinungsbild entlang der Strandpromenade geachtet hat. Begibt man sich aber in die zweite oder dritte Reihe der Gebäude wird der Anblick trister. Viele Häuser sind gar nicht fertiggestellt. Enorm viele Geschäftsräume stehen leer.

Noch in Deutschland haben wir eine interessante Reportage über die Wohnsituation auf Lanzarote gesehen. Dort wurde berichtet, dass viele Wohnungen, auch gerade in Arrecife, zu Ferienwohnungen umgestaltet werden und somit „normale“ Wohnungen knapper und immer teurer werden. Bleibt man vor den Geschäften der Immobilienmakler stehen und betrachtet sich mal genauer deren Angebote und die Preise, so kommt man schon ins Grübeln darüber, welcher der Einheimischen sich ein solches Wohnobjekt leisten kann. Sind diese Angebote überhaupt noch für Bewohner dieser Insel gemacht? Aber Tourismus ohne Menschen, die in dieser Branche ihr immer geringer werdendes Einkommen verdienen, das geht doch auch nicht. Oder? Auch die zahlreichen Obdachlosen, denen man auf einem solchen Spaziergang hier begegnet, bringen einem zum Nachdenken. Einer von ihnen liegt versteckt hinter Steinen am Strand, einer neben der Bibliothek direkt an der Strandpromenade, mehrere auf Bänken in der Nähe des Supermarktes, eine Frau in einem Hauseingang, einer tarnt sich mit Gitarre, einer als Radtourist….. Sie begegnen uns immer wieder und betteln oft vor den Einkaufstempeln. In der genannten Reportage wurde auch berichtet, dass ganze Familien in ihren Autos auf Parkplätzen übernachten, weil sie sich die Miete einfach nicht mehr leisten können. Das haben wir so allerdings noch nicht bemerkt. Vorstellbar ist es aber schon. Mit diesen Gedanken im Kopf gehen wir anders durch diese Stadt, sehen nicht nur den schönen Touristenschein, sondern betrachten auch die Schattenseiten.

Wie schön wäre es, wenn die vielen Kreuzfahrttouristen ihr Geld den Einheimischen geben würden und nicht großen internationalen Reiseunternehmen. Eine Taxifahrt zu einer Sehenswürdigkeit der Insel mit einem fröhlichen Spanier am Steuer ist auf jeden Fall preiswerter als ein gebuchter Ausflug an Bord einer z.B.Aida.

 

Von Deutschland hören wir, dass dort der Winter noch einmal Einzug gehalten hat. Grrrrrr! Davon sind wir hier glücklicherweise sehr weit entfernt. Bei Temperaturen von mehr als 20 Grad lässt es sich schon aushalten. Wenn nun noch der Wind und besonders die Wellen etwas gnädiger werden, dann heißt es für uns endlich Leinen los. Wir hätten uns etwas mehr Beständigkeit der örtlichen Wetterbedingungen vorgestellt. Die stellt sich aber im Moment irgendwie nicht ein.

                                                                           

 

Lanzarote / Arrecife: 11.03.2018 – 15.03.2018       Da sind wir wieder !!!

                                                                                                                   

 

Am 11.03.2018 um 11.00 Uhr betraten wir wieder kanarischen Boden.

 

Im letzten Jahr brauchten wir für unsere Anreise noch 4 Monate, diesmal benötigten wir nur knapp 5 Stunden Flugzeit ab Hamburg.

Nach unserer ersten Ankunft im vergangenen November stellten wir uns die Frage, ob wir diese Reise wirklich gemacht hatten oder ob alles nur geträumt war. Es erschien uns so unrealistisch, plötzlich auf Lanzarote zu sein.

Diesmal fühlten wir uns wie hierher gebeamt. Wir vermuteten, dass wir an einer Art Jetlag litten, der uns zunächst wie in eine Wattewolke hüllte. Vielleicht war es aber auch einfach nur der Schlafmangel, denn wir hatten Parchim bereits am Vorabend mit dem Zug verlassen und verbrachten die Nacht schlaflos auf dem Hamburger Flughafen. Das war eine Erfahrung der besonderen Art:

Man begegnet Obdachlosigkeit ja nun schon weltweit, selbst in unserem ach so reichen Deutschland. Aber dermaßen direkt damit konfrontiert wird man in einer Kleinstadt wie Parchim doch eher selten bis gar nicht. Nun jedoch haben wir uns auf dem Flughafen im wahrsten Sinne des Wortes mit Obdachlosen die Bank geteilt. Man konnte diese armen Menschen nicht nur sehen, sondern leider auch sehr deutlich riechen. Sie wurden von der Flughafenpolizei geduldet und durften ein paar Stunden im Warmen verbringen. Für uns ein Moment, um in uns zu gehen und uns zu sagen, wie gut es das Leben mit uns gemeint hat!

Der Flug mit Easyjet nach Arrecife verlief relativ unspektakulär. Ein ziemlich ausgebuchter Billigflieger führt immer zu sehr „kuscheligen“ Sitzplatzverhältnissen. Und so kam es, dass Holger aus einem kurzen Nickerchen erwachte, nach links und rechts blickte und feststellte, dass er umzingelt war. In einer Panikattacke löste er sich aus dieser vermeintlichen Umklammerung und trat auf den Gang. Die junge Mitstreiterin in unserer Dreierreihe hatte glücklicherweise eine Bekannte im Flieger erspäht und neben dieser war auch noch zufällig ein freier Sitzplatz und somit entspannte sich unsere Situation deutlich. Holger konnte wieder durchatmen und ich meine Beine ausstrecken.

Arrecife empfing uns freudig mit Sonnenschein und 25 Grad. Wir hatten es fünf Wochen zuvor bei traurigen18 Grad und Regen verlassen.

Nun waren wir also wieder zurück auf unserer Aplysia, die recht ordentlich, so wie wir sie verlassen hatten, an erwarteter Stelle lag.

Seitdem sind wir damit beschäftigt, unsere Weiterreise vorzubereiten. Einkäufe sind zu tätigen, kleinere Reparaturen zu erledigen, unser neuer W-Lan-Verstärker einzubauen, Putzen ist angesagt und wir befinden uns auch mal wieder in der Warteschleife auf ein Paket. Dieses haben wir uns vor ca. 2 Wochen selbst hierher geschickt, da unsere Flüge ja nur mit Handgepäck gebucht waren. Wir hielten die Paketvariante für äußerst clever, was sich aber momentan nicht unbedingt zu bestätigen scheint. Normalerweise wollten wir heute die Marina Lanzarote verlassen, aber dieses Paket hält uns nun noch etwas hier fest. Außerdem sind die derzeitigen Wetterprognosen für unsere weiteren Reisepläne auch nicht allzu günstig. Wir möchten so gerne auf unserer bevorstehenden Tour nach Fuerteventura vor der Südküste Lanzarotes den Anker werfen.

 

Also jetzt erst mal genug Zeit, um auch noch ein paar Anmerkungen über unseren Besuch in der Heimat zu machen. Die fünf Wochen waren schön, denn wir hatten Gelegenheit, intensiv Zeit mit unseren Familien und unseren Freunden zu verbringen. Vor allem unsere kleine Enkeltochter Ida versetzte uns in blankes Entzücken, denn nun ist sie schon 1 Jahr alt, beginnt mit Sprech- und Gehversuchen und ist nach wie vor einfach gut drauf.

Wir erlebten die wohl kältesten Tage und Nächte dieses Winters mit bis zu 18 Grad im Minus. Dafür aber auch die mit dem meisten Sonnenschein. Wir hatten Mühe damit, uns bei diesen Temperaturen vor die Tür zu begeben und glücklicherweise keinerlei Berührung mit dem Thema Grippewelle.

Wir feierten unter anderem einen „Thüringer Abend“ mit unseren Freunden, an dem neben original Thüringer Bratwürsten auch reichlich Bier und Schnaps aus dem genannten deutschen Mittelgebirge verzehrt wurde. Wir hatten alles von unserem Besuch in Thüringen mitgebracht.

Holger gönnte sich ein paar Einblicke in die Fortführung seines Unternehmens und ich meinerseits sorgte bei meinem Arbeitgeber dafür, dass wir unsere Reise verlängern können.

Wir drückten alle zum Abschied, der mir, ich gebe es zu, dieses Mal noch schwerer fiel als im Sommer des letzten Jahres.  

      

Deutschland 2.02.2018 - 11.03.2018           Auf Heimaturlaub

                                                                                                                          Deutschland, 26.02.2018

Liebe Aplysia,

 

wir grüßen dich aus dem kalten Deutschland und hoffen, es geht dir gut in Arrecife. Wir haben im Internet gelesen, dass über die Kanaren gerade ein schwerer Sturm zieht und machen uns somit schon Gedanken um dich. Aber du liegst eigentlich sicher in der Marina und wir denken positiv.

Vor mehr als drei Wochen haben wir dich verlassen, um nach Deutschland zu fliegen. Eine Entscheidung, die im Vorfeld lange von uns durchdacht wurde. Wir wollten unsere Familien wieder sehen, Freunde drücken und die Fortsetzung unserer Reise organisieren.

In den vergangenen Wochen haben wir all das getan.

Wir haben die Fortschritte unserer fröhlichen Enkeltochter Ida bestaunt. Sie ist nun schon ein Jahr alt.

Wir haben Ente mit Mutti Lore gegessen und ihr viele Stunden von unseren Erlebnissen mit dir erzählt.

Wir donnerten als Überraschungsgäste in die Geburtstagsparty einer Freundin und wurden begeistert begrüßt.

Wir stellten die Weichen dafür, dass wir unsere Reise verlängern können und somit noch viele gemeinsame Abenteuer mit dir erleben dürfen.

Nun sind wir im verschneiten Thüringen, und verbringen eine schöne Zeit mit der dort wohnenden Familie.

Es ist hier schon mächtig kalt im Moment. Die Temperaturen fallen in den zweistelligen Minusbereich und wir sehnen uns nach dem milden Wetter der Kanaren.

Liebe Aplysia, in zwei Wochen sehen wir uns wieder. Dann werden die Leinen gelöst, die Segel gesetzt und es geht weiter mit unserer tollen Reise. Wir freuen uns auf dich.

 

Dein Skipper Holger und Carmen

 

Lanzarote / Arrecife 13.01.2018 – 23.01.2018:                                                      Zehn weitere Tage auf Lanzarote sind Geschichte und Geschichten.

 

 

 

Eine Woche lang wagten wir uns erneut mit einem Mietwagen in versteckte Ecken der Insel. Wir bestaunten meterhohe Wellen, wenn sie sich auf die schroffen Felsen der Insel stürzten. Wir wanderten über Hügel, ließen uns dabei ordentlich vom Wind durchpusten und genossen die unglaublichen Ausblicke übers Land und übers Meer. Wir entdeckten den kleinsten Hafen und die kleinste Kirchenglocke der Insel. Wir verbrachten lustige Stunden mit unseren deutschen Bootsnachbarn Tom und Susi aus Kühlungsborn. Wir besuchten den Timanfaya Nationalpark, um Lanzarotes jüngste Vulkane zu bestaunen.

Wir fanden das „Alcatraz“ von Lanzarote- das Inselgefängnis.

Wir entdeckten auch endlich einen Friedhof. ( Wir hatten uns nämlich schon gefragt, an welchem Ort die Inselbewohner ihre letzte Ruhe finden und sind dabei auf merkwürdige Gedanken gekommen.)

In einer Gaststätte bestellte Holger sich Brathähnchen mit Bildern eines knusprig gegrillten Broilers im Kopf. Der Kellner servierte ihm wenige Augenblicke später einen Teller mit Hähnchenschnitzeln. So ist das mit Wunsch und Wirklichkeit.

Dazu noch eine zweite Geschichte: Wir wollten mit Susi und Tom einen Vulkan besteigen. Ich hatte mir so sehr gewünscht, den Gipfel zu erreichen. Die Wirklichkeit war aber, ich musste aufgrund meiner Höhenangst auf der Hälfte der Strecke den Rückweg antreten, fiel dabei noch auf Popo und Hand und kam ziemlich deprimiert wieder auf ebener Erde an. Mein anschließender einsamer Spaziergang durch die Lavafelder um den Berg herum bewirkte dann, dass man mich schon polizeilich vermisst melden wollte.

Viel Spaß hatte Holger beim Einkauf mit Susi und Tom im Supermarkt. Er konnte seinen berühmt berüchtigten Einkaufsscherz durchziehen:

Man packe einem anderen etwas unbemerkt in den Einkaufskorb und beobachte die Person beim Bezahlen dieser Ware an der Kasse.

In diesem Fall handelte es sich um eine Tüte tiefgefrorener Ananasstückchen, über die Tom zwar beim Bezahlen verwundert den Kopf schüttelte, die er aber trotzdem brav in seine Einkaufstasche packte. Holger hatte sein Ziel erreicht. Ein gurgelndes Lachen von seinem Beobachtungspunkt neben mir bestätigte es.

Ein weiterer Spaß ereignete sich in unserer Marina. Es ist:

 

Die Geschichte von den verlorenen Schuhen

 

In jener Nacht hatten wir sehr viel Wind. Wie gewöhnlich ließ Holger seine super Thailand-Gummilatschen mit integrierten Fußnoppen auf unserem Steg stehen. Am Morgen wollte er, wie gewohnt, hineinschlüpfen, aber sie waren weg. Verzweifelt über diesen herben Verlust, begab er sich am Rande des Hafenbeckens auf die Suche. Tom kam ihm entgegen und freute sich, obwohl auch er schon seit einem Tag auf der Suche nach seinem auf die gleiche Weise verlorenen Schuh war. Holger betrachtete ihn vom Kopf bis zur Sohle und erkannte rasch den Grund seiner Freude. Er hatte wieder Schuhe: Holgers Schuhe! „Die kamen an unserem Boot vorbei geschwommen. Susi hat sie raus gefischt.“, erklärte er und gab das Paar Schuhe traurig zurück. Wenige Stunden später allerdings hatte auch er seinen verloren geglaubten Fußschoner wieder zurück. In einem Gespräch mit einem Bootsnachbarn stellte sich heraus, dass dieser seinen Schuh aus der See gerettet hätte. Schuhe und Besitzer waren wieder vereint und eine kleine lustige Geschichte bleibt uns im Gedächtnis.

 

Nun sind wir wieder Fußgänger und machen unserem Titel alle Ehre. Morgens und abends umrunden wir Arrecife zu Fuß. Immerhin kommen wir so auf ein Etmal von ca. 13 km pro Tag. Nach den doch recht „autofaulen“ Tagen tut das uns und unseren Body-Mass-Indexen richtig gut.

Wir warten auch mal wieder recht geduldig auf die Lieferung eines Ersatzteils, unser neues Rotorblatt für das Windrad. Ich erinnere an Holgers Pechtag, der doch Schicksal spielte und zu einer freudvollen Begegnung führte.

Gestern habe ich einen Bildungstag eingelegt. Ich googelte mich durch Lanzarotes Geschichte, lernte dabei etwas über die ersten Bewohner der Insel, die Guanchen.

Ich machte mich schlau über Cesar Manrique, den Künstler und Architekten, der das heutige Aussehen Lanzarotes so maßgeblich geprägt hat. Kein Haus höher als eine Palme, kein Massentourismus auf seiner Insel- das waren zwei seiner Leitsätze, die mittlerweile allerdings vielerorts gebrochen wurden. Er starb bei einem Autounfall und erlebte nicht mehr mit, dass es heute nun doch mehr Autos als Einheimische auf seiner Insel gibt.

Ich las von der Franco-Diktatur in Spanien, die 1936 begann und erst 1977 mit den ersten freien Wahlen in Spanien endete. Es interessierte mich, weil auch auf Lanzarote Menschen seit dieser Zeit vermisst werden. Man hat damals Gegner einfach verschleppt, es gab Konzentrationslager und Kinder wurden ihren Eltern weggenommen, um sie auf dem rechten Weg zu erziehen.

Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln:

Ich fand nämlich auch heraus, dass demnächst der Karneval hier Einzug hält mit Paraden und Musikkapellen. Besonders lustig finde ich daran, dass an Aschermittwoch eine große Sardine aus Pappe und Holz durch die Straßen getragen wird. Männer folgen ihr und beweinen das Ende der tollen Tage mit rot geschminkten Augen. Zum Abschluss wird jene Sardine verbrannt und es gibt ein Feuerwerk.

 

 

 

Lanzarote / Arrecife 11.01.2018 / 12.01.2018:                                Verrückt!!!!!!!!!!!!!!

 

 

 

 

An dieser Stelle möchte ich von zwei Tagen erzählen, die Entscheidungen und Ereignisse auf sehr seltsame Weise miteinander verkettet haben:

 

Der 11. Januar war kein guter Tag.

Wir wollten die Marina für einen Segeltörn verlassen.

Holger war dabei, alles an Deck ordnungsgemäß zu sichern und zu verpacken. Ich tat dasselbe im Innenbereich unserer Aplysia. Alles wie immer.

Auf einmal hörte ich einen lauten Schrei: „Sch...e!“ Wenn Holger so reagiert, wusste ich sofort, es muss etwas wirklich Blödes passiert sein. Als ich Blickkontakt zu ihm hatte, erkannte ich das Problem. Er war mit einem unserer Bootshaken in unseren Windgenerator gekommen. Eines der drei Rotorblätter war nun ein Stück kürzer. „Nicht zu ändern! Wird teuer! Trotzdem fahren wir jetzt raus!“ Das waren unsere ersten Trotzreaktionen.

Wir hatten uns noch nicht ganz wieder auf unsere Aufgaben konzentriert, da hörte ich wieder ein: „Sch...e! Sch...e!“ Holger stand vor mir mit der Antenne für unseren Wetterempfänger in der Hand. „Keine Lust mehr! Muss ein Zeichen sein, dass wir heute nicht rausfahren sollen!“ ,Nun gut, dann eben nicht‘, dachte ich und widmete mich anderen wichtigen Arbeiten, wie dem Lackieren unserer Türen und dem Shopping in der Marina. Holger begann mit seinen Reparaturtätigkeiten und bekam dabei auch noch Zahnschmerzen.

Diesen Tag haben wir rasch mit frühem Schlafengehen beendet.

 

Der 12. Januar sollte nun aber unser Segeltag werden. Das Wetter war nahezu perfekt dafür. Also, nichts wie los!

Um 10.30 Uhr lösten wir unsere Leinen und bewegten uns in Richtung Hafenausfahrt. Dort lagen wieder mehrere Kreuzfahrtschiffe herum, unter anderem eine riesige Aida. Wir steuerten mit Staunen über diese gigantische Erscheinung um sie herum, als plötzlich unser Handy klingelte und eine Stimme uns aufforderte: „Schaut mal zum Achterdeck. Ich winke euch.“ Dort stand doch wirklich und wahrhaftig unser Hafenmeister Andy aus Kröslin und winkte uns eifrig zu. Er hatte unsere Aplysia sofort wieder erkannt und konnte diesen Zufall wohl auch kaum glauben. Wir verabredeten uns für einen Kurzbesuch gegen Abend auf unserem Boot und verbrachten eine sehr lustige halbe Stunde mit ihm und seiner Freundin Frederike.

 

Wären wir nur einen Tag früher rausgesegelt, wäre Andy zu dieser Zeit irgendwo im Bauch der Mega-Aida mit irgendetwas anderem beschäftigt gewesen, so hätte es diese Begegnung nie gegeben.

Woran soll man dabei glauben? Zufall? Höhere Mächte, die uns an Strippen wie Marionetten lenken und leiten? Nicht zum ersten Mal auf unserer Reise sind wir einfach nur fassungslos.....

.....und, wie in diesem Fall, auch nur sehr glücklich über den unverhofften Besuch aus der Heimat.

 

Lanzarote / Arrecife 14.12.2017 – 10.01.2018:                                                      Unser Jahreswechsel

 

 

 

 

Zunächst einmal wünschen wir euch ein gesundes neues Jahr. Mögen viele eurer Wünsche in Erfüllung gehen! ( Ich spreche absichtlich nicht von guten Vorsätzen! )

 

Wir haben eine sehr ruhige Weihnachtszeit verbracht:

Der 24. Dezember wurde uns mit vielen Grüßen aus der Heimat versüßt und wurde außerdem zum Strandtag. Außerdem konnten wir uns mit den noch verpackten und von mir bis dahin gut versteckten Abschiedsgeschenken bescheren. Wir brauchten uns gegenseitig nichts zu schenken, denn wir lebten inmitten unseres größten Geschenkes – dieser Reise.

Am 25. Dezember hatten wir ein dem Anlass würdiges Weihnachtsessen: Gulasch, Rotkohl und Knödel; Zutaten, die größtenteils von mir bis dahin im hinteren Teil des Schrankes verwahrt wurden. Wir schauten uns „ Neues aus Büttenwarder“ an und hatten ein minimales Weihnachtsgefühl.

Der 26. Dezember ist in Spanien kein Feiertag und so schlossen wir uns dem an.

Geschenke gibt es hier übrigens erst am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen und bis dahin ist hier auch Weihnachtszeit mit Weihnachtsdeko und Weihnachtsgedudel aus den Lautsprechern in unserer Marina.

 

An den Tagen bis zum Jahreswechsel waren wir noch viel mit unserem Mietauto unterwegs.

Auf einem unserer Ausflüge machten wir Halt auf einer Kamelfarm, die sich als Heim für zahlreiche weitere Tiere entpuppte. Irgendwie machte mich der Anblick von Hühnern, Enten, Ziegen, Eseln und Pferden glücklich. Man trifft sie nämlich nicht allzu oft auf Lanzarote.

Wir versuchten, unser Hotel von vor 15 Jahren in Playa Blanca wieder zu finden. Beim Durchqueren einer Anlage merkten wir aber bald, dass wir einen Eingang zu früh benutzt hatten und uns ausschließlich unter Engländern befanden. Bei näherer Betrachtung stellten wir fest, dass unser damaliges Hotel recht unbelebt daneben herumstand. Entweder war es im Umbau befindlich oder nicht mehr sehr gefragt wegen zu großer Entfernung vom Badestrand. Wer weiß!

 

Unser Silvesterabend begann ganz unspektakulär, denn in Spanien fangen Feiern grundsätzlich später an. Wir machten uns chic und gingen in unser Lieblingsrestaurant. Ohne Vorbestellung und noch recht früh am Abend ( 21.30 Uhr )hatten wir Glück, einen kleinen Tisch für uns Zwei zu bekommen. Das Rumpsteak, medium gebraten, schmeckte köstlich zum Wein. Um kurz vor 0.00Uhr verteilte die Kellnerin plötzlich Wundertüten. Ihr Inhalt variierte, aber niemand in der Gaststätte war nach dem Auspacken noch wieder zu erkennen. Wir hatten Hütchen auf den Köpfen, silberne und goldene Perücken, lustige Brillen, Knollennasen und Tröten im Mund. Man stößt hier nicht mit Sekt auf das neue Jahr an, sondern kaut auf 12 Weintrauben herum. Ein Brauch, der Glück für die folgenden 12 Monate verspricht. Wir haben ordentlich gekaut!

Im Anschluss ging es zum Kirchenvorplatz, wo sich eine Liveband aufgebaut hatte. Die Rockröhre der Sängerin animierte Holger und mich zum kräftigen Mittanzen. Bei den meisten der anderen Zuhörer reichte es zum Mitwackeln. Das waren wir irgendwie schon gewohnt. Plötzlich aber kam eine kleine Frau mit lockigem Haar auf mich zu und redete in Englisch auf mich ein, was ich doch für einen Tanzgott an meiner Seite hätte. Ich machte ihr Mut, es mit Holger doch einmal zu versuchen. Da bin ich ganz großzügig! Die beiden fanden aber nicht den gleichen Schritt und gaben es rasch auf.

Unser Silvesterabend endete bei einer Flasche Sekt an Bord unserer Aplysia und der Einsicht, wie geil unser zurückliegendes Jahr verlaufen ist!

 

Mangels eines Autos haben wir uns an den zurückliegenden zehn Tagen im neuen Jahr wieder mehr zu Fuß bewegt. Stundenlange Abendspaziergänge durch Arrecife, eine Fahrradtour zum Flughafen von Lanzarote oder Spaziergänge entlang der endlosen Uferpromenade lockerten unsere schon etwas eingerostete Muskulatur wieder auf.

Dabei behilflich war mir auch der chinesische Besitzer eines „China Ladens“. Wir waren dort auf der erfolglosen Suche nach einer Lesebrille für Holger, als jener Ladenbesitzer anfing, seiner Tochter den Nacken zu massieren. Ich stellte mich einfach daneben und zeigte aus Spaß auf den meinen. Im selben Moment saß ich auch schon auf einem Hocker und er machte sich gekonnt ans Werk. Seine Frau kam mit Handyfotos, die belegten, dass der Chinese einst in China als professioneller Physiotherapeut gearbeitet hat.

Begegnungen gibt es!

 

Seit Jahresbeginn sind wir sehr stark mit der Frage beschäftigt: Wie geht unsere Reise weiter?

Wir sind in den vergangenen Wochen vielen Menschen begegnet, die uns von ihren interessanten Reise- und Lebensmodellen berichteten. Und so machen auch wir uns Gedanken über die weiteren Etappen unserer Reise. Noch immer liegen 6 Kanarische Inseln vor uns, die wir auf jeden Fall besuchen und näher entdecken wollen. Und dann? Es gibt so viele Möglichkeiten……………………...

 

 

 

 

 

Lanzarote / Arrecife :                                                                                                                                   Aplysias Jahresrückblick

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 2017 geht zu Ende und das ist für mich einmal die Gelegenheit, mich zu Wort zu melden. Außerdem gibt es sowieso im Moment wenig für mich zu tun, denn meine beiden Eigner, Holger und Carmen, haben mich fest im Hafen von Arrecife vertäut.

Wie war das noch zum Jahresanfang?

 

Januar-März 2017

 

Wieder einmal liege ich auf dem Trockenen in dieser riesigen Bootshalle. Gemeinsam mit mir teilen sich die vielen anderen Yachten um mich herum ein Schicksal: mastlos, verpackt und einsam liegen wir hier herum und langweilen uns. Nur selten kommt einmal ein Bootsbesitzer vorbei und bringt etwas Abwechslung in den Tag. Was ist nur mit meinen Leuten los? Wollen die denn nichts mehr von mir wissen oder bin ich vielleicht schon verkauft?

Ich bin soooo allein!

 

April-Juni 2017

 

Ich freue mich sehr, denn endlich liege ich wieder schwimmend in meinem Element: Wasser. Am Steg in Kröslin schaukeln mit mir meine Freunde aus der Bootshalle, nun wieder glücklich mit Masten. Holger und Carmen waren auch sehr oft bei mir und haben meine Wehwehchen beseitigt. Irgendwie wollen die in diesem Jahr nicht enden. Der arme Holger musste meinen Bauch einer Komplettoperation unterziehen, beginnend am Bug und am Heck mit der Bilgenpumpe endend. Aber, wie immer, hat er mich schmerzfrei bekommen.

Ich freue mich auf unsere Segelsaison auf der Ostsee, frage mich aber, warum die dauernd von den Kanaren und der Karibik erzählen?

 

Juli 2017

 

Bisher wurde ich leider nur selten aus der Marina bewegt.

Irgendwie ist in diesem Jahr alles anders! Holger und Carmen waren meistens nur bei mir, um etwas zu bringen, etwas zu holen oder etwas an mir herumzuschrauben. Die haben wohl im Moment sehr viele andere Dinge zu tun. Ich hörte so etwas wie Ärger mit der Krankenversicherung, Abmeldung aus Deutschland und Sabbatjahr. Was haben die bloß vor? Mir ist, ehrlich gesagt, unwohl!

Wir hatten aber auch schon nette Besucher an Bord. So etwas niedlich Kleines, Zappeliges, das sich noch nicht allein über die Bootsplanken bewegen konnte, verbrachte eine Nacht an Bord und wir segelten gemeinsam nach Wolgast. Ich hörte, dass dieser Winzling den Namen Ida trägt und Enkeltochter ist. Holger und Carmen hatten nur Augen und Ohren für sie und waren mächtig von ihr begeistert.

 

Ja, und am 22. Juli kamen sie dann mit vielen Kisten und Tüten bei mir an. Als alles in mir verstaut war, lag ich bestimmt mehrere Zentimeter tiefer im Wasser. Ich spürte, dass Aufregung und Vorfreude in der Luft lagen und als sie dann noch Abschied mit ihrem Sohn feierten, war mir klar, dass dies ein längerer sein würde.

Einen Tag später legten wir ab, aber mir ging es nicht so gut. Gegen Abend wurde mein Schmerz im Getriebe immer größer und plötzlich funktionierte es nicht mehr. Holger und Carmen konnten mich, trotz meines Schadens, sicher in die Marina von Barhöft bringen. Und hier musste ich erst einmal geheilt werden.

 

August-Oktober 2017

 

Jetzt gibt es keine offenen Fragen mehr. Der Weg ist klar, es geht in Richtung Westen und dann nach Süden. So eine lange Reise habe ich noch nie gemacht! Am schönsten ist, dass ich nicht einen Tag mehr alleine sein muss. Holger und Carmen fühlen sich pudelwohl auf mir. Natürlich muss ich gepflegt werden und Holger hat den Schraubenzieher immer griffbereit, aber es macht ihm Spaß, sich um mich zu kümmern.

Wir haben es gemeinsam bis nach Portugal geschafft, obwohl die Segelbedingungen nur selten optimal waren. Und nun, in Sesimbra, warten wir auf unseren ersten Besuch aus Deutschland. Ich habe Holger und Carmen flüstern hören, dass sie mich dann für eine Woche verlassen wollen, um in einer Ferienwohnung zu bleiben. Bah, ihr denkt doch wohl nicht, dass ich jetzt heule? Sturmfreie Bude! Das wird cool!

 

November-Dezember 2017

 

Ich habe die Zeit alleine mit mir genutzt, um stolz auf den bisher zurückgelegten Weg zu schauen. Wie viele meiner Yachtfreunde haben sich schon so weit getraut?

Und nun höre ich täglich von Holger: „ Wir müssen weiter … nach Süden … dorthin, wo es auch im Winter warm bleibt...haben keine Zeit mehr zu verlieren!“

Und so brachen wir am 16. November zu unserem bisher größten Abenteuer auf, der Überfahrt von Portugal zu den Kanarischen Inseln. Mir ging es gut, keine Schmerzen! Ich war bereit! Sechs Tage und sechs Nächte auf dem Meer- das war schon ein besonderes Erlebnis, auch für mich. Als wir aber am Morgen des siebten Tages im Hafen von Arrecife ankamen und Holger und Carmen sich so freuten, war ich einfach nur mit ihnen glücklich.

 

Nun geht dieses Jahr zu Ende- ein aufregendes, ungewöhnliches, einmaliges Jahr!!

Wir verbrachten Weihnachten bei sommerlichen Temperaturen, genau so, wie sich das meine beiden Menschen gewünscht haben. Wenn sie zufrieden sind, dann bin ich es auch. Überhaupt sind wir BEST FRIENDS!

 

In diesem Sinne wünschen wir- Holger, Carmen und Aplysia- euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! 

 

 

 

Lanzarote / Arrecife : Weihnachtsgrüße von Lanzarote

 

FELIZ NAVIDAD!!!!

 

Wir wünschen allen, die unsere Reise verfolgen, eine schöne Weihnachtszeit.

 

Lanzarote / Arrecife : 3.12.2017 – 13.12.2017                                              Adventszeit bei mehr als 20 Grad

 

 

Vor ungefähr 15 Jahren hatten wir bereits die Möglichkeit, mit unseren Kindern Lanzarote zu besuchen. Nun konnten wir uns mit unserem Ford Ka wieder an Orte begeben, an die wir uns noch mehr oder weniger gut zu erinnern glaubten.

 

Als erstes Ziel setzten wir uns den Sonntagsmarkt in Teguise. Den hatten wir als traditionell und sehr interessant in Erinnerung. Außerdem gab es dort einen Stand, der uns damals eine leckere Thüringer Bratwurst verkaufte.

So menschenreich hatten wir dieses Ereignis allerdings nicht in Erinnerung. Mittlerweile bieten hier Händler an mehr als 400 Ständen ihre Waren an, die allerdings wenig mit Traditionellem zu tun haben. Klamotten, Taschen und Perlenketten bestimmen das Markttreiben in permanenter Wiederholung. Thüringer Bratwurst haben wir dann auch noch gegessen, aber auch dieser Geschmack war uns anders in Erinnerung geblieben.

Wunderbar allerdings war es, einigen Straßenmusikern zuzuhören, die mit eigenwilligen Instrumenten ihre eigenwillige, aber sehr unterhaltsame Musik zum Besten gaben. Die hatten es wirklich drauf, die Leute mitzureißen und perfekt zu unterhalten und verkauften somit mit großen Erfolg ihre CDs.

 

Ein weiteres uns bereits bekanntes Ziel, das wir mehrfach anfuhren, waren die Papagayo Strände im Süden. Die hatten wir als wunderschön und recht einsam in Erinnerung. Aber auch hier war die Zeit nicht stehen geblieben. Wir erschraken uns, als wir zum ersten Mal den Blick von der Klippe in Richtung Strand senkten und dort Handtuch an Handtuch entdeckten. Glücklicherweise gibt es hier mehrere Strandbuchten und wir fanden eine, wo es doch etwas weitläufiger zuging. Das Wasser war herrlich warm. Das pure Vergnügen!

 

Wir entdeckten aber auch uns noch unbekannte Orte, wie zum Beispiel den Surferstrand „Playa de Famara“ im Norden der Insel. Da es in den letzten Tagen recht stürmisch hier war, machten wir uns auf den Weg dorthin zum Wellengucken. Das Aussteigen aus dem Auto fiel schwer, denn der Wind peitschte uns den Sand erbarmungslos in die Augen. Wir entdeckten dort Sanddünen auf Lanzarote. Diese Insel besteht also nicht nur aus dunklem Lavagestein.

 

Bei Sturm schauten wir vom berühmten Aussichtspunkt „Mirador del Rio“ auf die nördlich vorgelagerte Insel La Graciosa. Beeindruckend, wie Lanzarote hier plötzlich 500m steil zum Meer abfällt. Neben mir musste ein Mann seine Faszination mit mir teilen und rief, sich dabei ständig wiederholend: „Ist das nicht unglaublich!“

 

Auf unseren Fahrten über die Insel ist uns bewusst geworden, wie viel sich besonders in den Touristenorten verändert hat. Sie haben sich vergrößert, sind weiter in die endlosen Lavafelder vorgedrungen. Wie lange wird diese Insel noch ihre faszinierend natürlichen Papagayo-Sandstrände vor diesem Ansturm an Menschen schützen können? Wir stellten uns diese Landschaft mit Hotelkomplexen vor und wurden sehr nachdenklich.

Auf Lanzarote leben ca. 130 000 Menschen. An Touristen erreichen die Insel monatlich ungefähr die gleiche Anzahl. Tourismus ist wohl wie überall Fluch und Segen für die Insulaner.

 

Auf Lanzarote wächst nicht viel und trotzdem hatten wir den Eindruck, dass mittlerweile hier mehr ergrünt und angebaut wird als noch vor etlichen Jahren: z.B. kleine kanarische Kartoffeln oder auch Wein.

Auch die Anzahl der Palmen in der Landschaft hatten wir als wesentlich bescheidener in Erinnerung. Uns kam es so vor, als ob sich nicht nur die Anzahl der Straßen, sondern auch der Baumbestand entlang dieser Routen erhöht hat.

Erinnerungen können aber auch täuschen und eine junge Verkäuferin in einem Aloe Vera-Geschäft bestätigte unseren Eindruck nicht. Allerdings, war die vor ca.15 Jahren überhaupt schon geboren?

 

Wir schafften es, auch praktische Dinge zu erledigen. Nach langer Suche fanden wir z.B. eine Gasstation in Hafennähe zum Befüllen unserer leeren Flasche. Nur Nachfragen und ein paar glückliche Zufälle führten uns dorthin. Holger versuchte vorher glücklos das Einfüllen an der Tankstelle, hatte allerdings den falschen Adapter dafür.

 

Wir machten einen Probesegeltag, um zu testen, ob unsere Erneuerung des Ruderlagers erfolgreich war. Jedoch verließ uns genau an dem Tag nach kurzer Zeit der Wind auf See. Und so genossen wir den Sonnenschein und den Außenblick auf die Insel.

 

Wir hatten uns vorgestellt, in den nächsten Tagen auf eine der anderen Inseln zu wechseln. Allerdings erreichten uns hier in der Marina permanent Nachrichten darüber, wie schlecht es momentan mit Langzeitliegeplätzen von mehr als einem Tag in den dortigen Häfen aussieht. Immer wieder würden Boote aus den Häfen einfach rausgeschmissen oder müssten per Los auf Anlege- oder auch Ankerplätze hoffen. Somit entschieden wir uns für die sichere Variante und sicherten uns unseren hiesigen Hafenplatz bis auf weitere Zeit. Von hier aus werden wir nun erst einmal Touren unternehmen in der Gewissheit, jederzeit zurückkehren zu dürfen.

 

Wir wollten, dass unser kleiner Ford Ka uns weiterhin begleitet und fuhren zum Autovermieter. Für den doppelten Tagespreis hätten wir ihn noch länger fahren dürfen. Wir entschieden uns daraufhin im Internet einen anderen Wagen bei einem anderen Vermieter zu bestellen zu wesentlich besseren Konditionen.

Somit fahren wir jetzt VW Polo für ca. 7,50 Euro am Tag. Prima!

 

Mal sehen, was wir auf den Fahrten mit ihm alles erleben werden!

 

 

 

 

 

 

Lanzarote / Arrecife : 22.11.2017 – 3.12.2017                                                        Die ersten Tage auf den Kanaren

 

 

 

Nun sind wir schon seit mehr als zwei Wochen, gefühlt sind es schon zwei Monate, wieder unter Spaniern. Eine kleine Zusammenfassung der Ereignisse steht an.

 

In unserer ersten Woche hier in Arrecife waren wir vor allem eins: lahm. Das Wetter war super und wir genossen das „Hafenkino“. Am benachbarten Steg gab es täglich viel zu sehen, denn von dort aus starteten interessante Regattaboote zu ihren Wettfahrten. Die Jungs und Mädels aus Spanien, Russland, Großbritannien und Schweden waren hochmotiviert und die Vor- und Nachbereitungen für ihre Wettkämpfe waren immer sehr professionell und umfangreich und gaben genügend Stoff zum Zugucken. Wir wählten unseren Favoriten und verfolgten im Internet, ob der dann auch wirklich gewonnen hat.

 

Außerdem machten wir in dieser Woche mehrfach Bekanntschaft mit Tapas und Sangria und nahmen sie in den Kreis unserer Freunde auf.

 

Am 29.11. verließen wir gemeinsam mit unserer Aplysia das Wasser, um an ihrem Ruderproblem zu arbeiten. Wir wurden um 15.00 Uhr mit dem Kran heraus gehoben. Um 16.00 Uhr endet der Arbeitstag in der Bootswerft der Marina und um 16.00 Uhr hingen wir immer noch im Kran. Also hingen wir auch die ganze Nacht im Kran, denn hier wird pünktlich Feierabend gemacht. Ich weiß nicht, ob uns so eine „Hängenacht“ in Deutschland beschert worden wäre??? Hier auf jeden Fall, kein Problem!

Holger hatte am kommenden Tag das untere Lager am Ruder rasch ausgebaut und der Werftchef versicherte uns, dass auch das kein Problem darstellen würde. Am Tag darauf hätten wir ein neues. So hatten wir Zeit, um Aplysias Unterwasserschiff wieder etwas heraus zu putzen. Neue Farbe, Politur und ein geschliffener Propeller verschönerten unser Zuhause. Bis zum Dunkelwerden legte Holger den Polierlappen nicht aus den Händen.

Unser Trockenplatz ermöglichte uns auch einen prima Ausblick auf die an- und ablegenden Kreuzfahrtgiganten: mehrere Costas und Aidas u.a. bauten sich vor uns auf. Jedes Mal hatte man das Gefühl, als ob eine kleine Stadt aus dem Meer aufgetaucht wäre. Was für eine gigantische Lichtershow in der Nacht! Wir verglichen die Größe unseres 12-Meter-Zwerges mit diesen Riesen und waren uns wieder einmal einig, dass das nicht unsere Form des Umherreisens ist.

Am nächsten Mittag passierte wirklich das nicht für möglich Geglaubte: unser Ersatzteil kam und konnte eingebaut werden. An diesem Freitag hatte Aplysia um 15.00 Uhr wieder Wasserkontakt und wir konnten an unseren vorherigen Stegplatz zurückkehren.

 

 

Unser nächstes Projekt: ein Mietwagen!

Da wir davon gehört hatten, dass es am Flughafen wesentlich preiswerter wäre als bei uns in der Marina ein Auto zu mieten, machten wir uns also zu Fuß auf den Weg dorthin. Die Sonne schien herrlich und der Weg dorthin schien auch nicht so weit zu sein. Bei Google-Maps wurde uns schon vorher erklärt, dass das Ziel nicht zu Fuß erreichbar wäre, aber wer glaubt denn so was?

Nach etlichen Kilometern waren wir den startenden und landenden Fliegern auch schon sehr nahe gekommen, aber die Straße hörte auf, die Sonne knallte mit aller Macht auf unsere schon etwas breiigen Gehirne und Google-Maps errechnete den noch verbleibenden Weg von 4km per Fahrrad. Wir entdeckten einen Trampelpfad neben der Autobahn. Es musste also schon andere Menschen vor uns gegeben haben, die dieses Ziel zu Fuß verfolgten. Also los, und tatsächlich erreichten wir den Flughafen, aber es war Samstag- ein beliebter Tag, um in Lanzarote mit dem Flieger zu landen und sich ein Auto zu mieten. Somit blieben für uns nur Angebote, die den Preis in unserer Marina weit überstiegen. Glücklicherweise gab es eine Buslinie, die uns zurück in die Marina brachte. Von dort aus bestellten wir uns dann per Internet einen Mietwagen für 7,00 Euro am Tag, den wir am nächsten Tag bei „Orlando“ abholen konnten. Und das ist schon die nächste Geschichte:

Wir also wieder mit dem Bus zum Flughafen, denn dort( laut Check24 ) würde unser Traumwagen auf uns warten. Am Flughafen gibt es zahlreiche Autovermieter, aber nicht „Orlando“. Nach etlichen wenig zielführenden Gesprächen, gerieten wir an einen Spanier, der gleich zum Telefonhörer griff und uns helfen wollte: „Soll ich Antonio oder Francesco anrufen?“,fragte er. Ich antwortete: „Ich glaube, heute ist Francescos Tag!“ Es stellte sich heraus, dass die Internetangebote wohl eher für Flugreisende gedacht sind und man mit einem kleinen Shuttle-Bus vom Flughafen direkt zum Autovermieter gefahren wird. Francesco kam, sammelte uns ein und endlich war der bestellte VW Polo zum Greifen nahe. Wenn uns nicht plötzlich eine Kasko-Autoversicherung von 80,00 Euro wieder trennen sollte. Die würde den unschlagbaren Preis verdoppeln, uns aber gegen selbst verursachte Unfälle absichern. Wir hatten nicht vor, einen solchen zu verursachen, also keine Versicherung. Das bedeutete auch keinen VW Polo, sondern „nur“ einen Ford Ka. Na und? Vier Räder und ein Motor, dazu noch knallrot - genau das,was wir brauchten, um Inselentdecker zu sein.

Von unseren Entdeckungen und Begegnungen im nächsten Bericht mehr.

 

 

16.11.2017-22.11.2017 : Auf dem Atlantik                                                      Sechs Tage und sechs Nächte nur Wasser, Wasser, Wasser überall

 

Wir verließen Portimao und somit das europäische Festland am 16.11. um 9.45 Uhr nicht ohne Anspannung. So lange waren wir bisher noch nicht auf dem Wasser unterwegs gewesen.

Das Wetter hatten wir immer wieder aufmerksam gecheckt und für die nächsten Tage sollten sowohl Windrichtung als auch Windstärke relativ gut passen. Wir wussten aber auch, dass man sechs Tage nicht wirklich perfekt vorhersagen kann. Somit blieb nur die Hoffnung.

Eine zweite große Frage konnten wir uns auch noch nicht beantworten: Wie werden wir den Schlafrhythmus gestalten? Alles andere würde sich managen lassen. Da waren wir uns sicher.

Was kann man von 6 Tagen auf dem Ozean erzählen? Es war eine Zeit, in der ich viel an meinen Vati denken konnte, in der man überhaupt oft seinen Gedanken freien Lauf ließ. Völlig losgelöst- das beschreibt wohl den Zustand ganz gut. Andererseits war man immer beschäftigt mit Geräteüberwachung und der richtigen Einstellung von Erwin, unserer Windsteueranlage. Unsere Aplysia schaukelte uns durch die See, nicht schnell, aber souverän.

Wir hatten auch einige Besucher um uns herum im Wasser und an Bord.

Mehrfach haben uns Delfine ihre Spring- und Schwimmkünste vorgeführt. Nach wie vor verlieren die Begegnungen mit ihnen nicht an Faszination. Im klaren tiefblauen Wasser des Ozeans konnten wir sie knapp unter der Wasseroberfläche zum Anfassen nahe beobachten. Sie hatten wieder viel Spaß daran, vor unserem Bug hin und her zu schwimmen und uns lange zu begleiten.

So viele Kilometer vom Festland entfernt, erwartet man nicht unbedingt, dass kleine Vögel, ein sehr großer Schmetterling und eine ebenso überdimensionierte Libelle auf dem Boot landen. Aber genau das taten sie in ganz unterschiedlicher körperlicher Verfassung.

Die kleinen grünen Vögel waren frech und putzmunter. Sie pickten überall auf unserem Deck herum, hatten wohl Hunger. Einer setzte sich sogar auf meinen Fuß und zwitscherte auf mich ein. Was er mir wohl sagen wollte?

Für den größeren schwarzen Vogel mit Schwimmflossen allerdings waren wir so etwas wie die Rettungsplattform in letzter Sekunde. Fix und fertig verkroch er sich gleich in eine Ecke an Deck und ließ sich sogar von Holger in die Hand nehmen. Wasser und Zwiebackkrümel jedoch verweigerte er.

Irgendwann flogen all die Tierchen wieder davon, wobei mir der Abschied von der Libelle am wenigsten schwer fiel. Sie ist mir nämlich im nächtlich beleuchteten Deckshaus lange um den Kopf herum geschwirrt.

200 Seemeilen vor den Kanaren erreichte uns in regelmäßigen Abständen eine beunruhigende Funkmeldung. Alle Seeleute sollten gut Ausschau nach einem vermissten Boot mit 80 Menschen an Bord halten, das sich auf dem Weg vom Senegal zu den Kanaren befand. Ein Kreuzfahrtschiff konnte das nicht sein! Das war uns klar. Wir machten uns so unsere Gedanken darüber, was mit den armen Menschen wohl passiert sein könnte. So kommt man plötzlich sehr direkt mit der Flüchtlingsproblematik in Berührung. Die Kanaren sind nach wie vor ein häufig angelaufenes Ziel und für Viele endet die große Sehnsucht nach etwas mehr Wohlstand tödlich.

Die letzten 60 Seemeilen, wir konnten die ersten Lichter von Lanzarote schon sehen, wurden noch einmal sehr anstrengend für uns. Der Wind hatte auf Süd gedreht und wir starteten nach einem Versuch, gegenan zu kreuzen, den Motor, um auf gerader Linie auf unseren Zielhafen zuzusteuern. Die Wellen waren spürbar und sehr unangenehm, sodass keiner von uns Beiden noch zur Ruhe kam.

Wir hatten auch bemerkt, dass Aplysia unter Segeln auf der Steuerbordseite überhaupt nicht lief. Holger hatte vorher schon immer wieder an den Wanten herumgestellt, aber es wurde einfach nicht besser. Nun, so kurz vor der Hafeneinfahrt, eröffnete er mir seine letzte Erkenntnis: „Ich wollte es dir nicht früher sagen, denn sonst hättest du Panik bekommen. Unser Ruder muss einen Schaden haben.“

Letztendlich schaukelten wir am Morgen des 22.11. in die Hafeneinfahrt von Arrecife. Um 7.30 Uhr machten wir die Leinen an Lanzarote fest und schauten kaputt, stolz und noch etwas ungläubig auf das Zurückliegende.

Nach sechs Tagen Balancehalten auf wackeligem Untergrund ist der erste Kontakt mit festem Boden unter den Füßen eine spannende Geschichte, denn der Körper versucht immer noch, die nicht mehr vorhandenen Schwankungen auszugleichen. Dazu rattert noch das permanente Motorgeräusch der letzten Stunden im Kopf. Wir mussten also nicht nur Aplysia, sondern auch uns erst einmal anlanden.

Vor allem aber blickten wir mit viel Vorfreude auf die schöne Zeit auf den Kanaren.

 

Entlang der portugiesischen Küste VI: 11.11.2017 – 16.11.2017                           Algarve ( Lagos und Portimao )

 

 

Kommt man in den südlichen Teil Portugals, so merkt man gleich, hier ist das touristische Zentrum. Die Orte begrüßen den Seefahrer mit hohen Hotelbauten und dem Anblick von langen Sandstränden neben wunderbar rotbraun schimmernden Felsen. Dazu das türkisblaue Meer. Wunderbar und durchaus ein lohnendes Urlaubsziel. Während Orte wie Nazare und Sesimbra sich speziellen Ansprüchen von Besuchern widmen, wäre die Algarve ein Ort für den normalen Urlaubsgast, der super Wetter, Badevergnügen und ein schönes Hotel in Strandnähe sucht. Das ist unser Eindruck von dieser Region, der wir leider nicht allzu viel Zeit gewidmet haben.

Neben einem kleinen Spaziergang durch Portimao und dem Erledigen einiger Besorgungen, haben wir die meiste Zeit an Bord verbracht. Der Grund: Auf unserer nächtlichen Überfahrt hierher erhielt ich die traurige Nachricht, dass mein Vati für immer eingeschlafen ist. Meine vielen Gedanken an ihn und die Wünsche an die Sternschnuppen während unserer Nachtsegeltouren haben nicht mehr ausgereicht. Er war nun einfach zu schwach, um weiter zu leben. Ich habe lange gebraucht, um für mich zu akzeptieren, dass ich nicht auf der Beerdigung in Deutschland von ihm Abschied nehmen werde.

 

Entlang der portugiesischen Küste V : 1.11.2017 – 8.11.2017 Sesimbra- Besuch aus Deutschland

 

Holger hatte mich schon vor ein paar Tagen gewarnt: „Wenn wir zurück auf Aplysia sind, werden wir uns erst einmal wieder an das Leben an Bord gewöhnen müssen.“ Er sollte recht behalten. Vor zwei Stunden haben wir unser Schiff betreten- nach einer Woche Urlaub vom Urlaub an Land.

 

Vor einer Woche noch waren wir voller Vorfreude auf die Kinder und das Enkeltöchterchen Ida. Wir schliefen schlecht und wanderten bis zur Ankunft unruhig hin und her. Wird es der Kleinen auch gut gehen auf der weiten Reise im Flugzeug hierher? Wie werden sie wohl auf die Überraschung mit der Ferienwohnung reagieren?

 

Und dann standen sie plötzlich vor uns und die Freude war groß. Nach drei Monaten, in denen wir uns nur über Fotos und Telefon gesehen bzw. gehört haben, konnten wir sie endlich in den Arm nehmen und feststellen, dass so ein Baby unwahrscheinlich schnell wächst und Fortschritte macht. In das Lächeln von Ida haben wir uns sofort verliebt.

 

Dann die Umleitung zur Ferienwohnung:

„Wir müssen euch da unbedingt sofort noch etwas zeigen!“

„Ach so? Wirklich gleich?“

„Ja, jetzt sofort!“

Wir blickten in sechs fragende und müde Augen.

Günther erwartete uns bereits vor Ort und Peter sagte: „Schöne Finka hier!“

Meine Antwort: „Ja, wir wollten unbedingt, dass ihr beim Unterschreiben des Kaufvertrages mit dabei seid!“ Da war er baff und es wurde Zeit, mit der Wahrheit heraus zu rücken. Aber auch die kam beim Rundumblick durch die Wohnung gut an. Überraschung gelungen! STRIKE!!!

 

Wir haben die Woche sehr genossen mit „Dadada“- und „Heididei“- Spielen, mit „Hoppe Hoppe Reiter“- und „Alle meine Entchen“- Gesängen, mit Idas Lachen und ihren ausführlichen Berichten auf Babydeutsch.

Wir waren am Strand und haben ihre Füße sowohl im Sand versteckt als auch im Atlantik gebadet. Wir haben eine kleine Segeltour vor unserem Hafen unternommen und nach Delfinen Ausschau gehalten. Wir haben im Gras gelegen und das sonnige Wetter genossen.

Wir haben es uns mit einander gut gehen lassen!

 

Nach so einer Woche fällt es schwer, Abschied zu nehmen und es bleiben ein dumpfes, leeres Gefühl im Magen und jede Menge Feuchtigkeit in den Augen zurück. Zweifel kommen auf, ob man nicht doch zu weit weg von all den Menschen ist, die einem viel bedeuten.

Und trotzdem wollen wir morgen weiter, wieder ein Stück Richtung Süden. Ein neuer Hafen mit Orten, die man nicht gemeinsam besucht hat, hilft hoffentlich dabei,die Wehmut zu besiegen.

 

Entlang der portugiesischen Küste IV : 27.10.2017 – 31.10.2017 Sesimbra- Wundersames und Wundervolles

Am 27.Oktober war es wieder soweit: Leinen los!! Mit Ziel Sesimbra südlich von Lissabon verließen wir, im Gepäck viele Erlebnisse, Nazare.

 

Der Wind war anfänglich mit uns, verließ uns aber von Zeit zu Zeit. Auf dieser Reise war von fast allem etwas dabei: Wind von Null bis viel aus allen Richtungen kommend, tagsüber Sonne, nachts der Mond, keine Wellen, etwas höhere Wellen…. Eine bunte Mischung, die Holger mit Segel setzen und Segel wieder einrollen stark beschäftigte. Es war aber auch unser erster Törn auf dieser Reise, bei dem wir uns etwas intensiver mit „Erwin“, unserer Windsteueranlage, beschäftigten. Das Ergebnis war beeindruckend, denn sie steuerte uns durch achterlichen Wind und auch auf der Kreuz souverän.

 

Zwei Begegnungen sollen nicht unerwähnt bleiben:

 

Zum einen, die mit Delfinen in der Nacht. Plötzlich machte es „Platsch“ neben mir und ich schrie erschrocken. Holgers Kopf tauchte aus Aplysias Bauch auf: „Carmen?“ Er hat gedacht, ich wäre ins Wasser gefallen. Dabei vermutete ich nur irgendwelche unheimlichen springenden Wasserwesen neben mir. Wie Delfine hörte sich das Gespringe nämlich nicht an. Deshalb auch meine blöde Frage: „Sind das Springfische? Bleiben die im Wasser?“

Dann war es aber einfach nur wundervoll! Im Wasser leuchtend, begleiteten uns Flipper und seine Freunde vorm Bug hin und her springend über eine lange Zeit. Wir verfolgten, auf der Bootsspitze sitzend, fasziniert ihr Treiben.

 

Die andere Begegnung ereignete sich allerdings schon am Tage und war eher wundersam. Ein Katamaran begleitete uns seit Nazare und näherte sich stetig. Wir beobachteten etwas verwundert die Annäherungsversuche, denn der Atlantik bietet doch nun wirklich ausreichend Platz zum Abstandhalten. Plötzlich zückt der Skipper sein Fernglas und entdeckt wohl an Aplysias Hinterteil das Wort „Parchim“, denn er schreit uns entgegen: „Kennt ihr Martin Doller?“ Wir sind baff und Holger antwortet: „Klar! Das ist doch mein Anwalt.“ Es stellt sich heraus, dass Herr Doller aus Parchim auf diesem Katamaran bereits in der Karibik gesegelt ist und dass er demnächst auf den Kanaren den selben wieder besteigen wird. Zufälle gibt`s! Oder wie nennt man das, wenn man unter Milliarden von Menschen mitten auf dem Atlantik diesem einen begegnet, der dann wiederum den kennt, den man auch kennt? Wir machen beide Fotos von einander, verschicken Whats-App-Nachrichten an Martin und grübeln erneut über Zufälle im Leben.

 

Sesimbra erwartet uns in einer Bucht mit Sandstrand. Am Fuße einer Bergkette klebend, besitzt es sowohl eine Burg und alte kleine Häuschen als auch moderne Hotelbauten und einen Campingplatz. Im Sommer muss es hier lebhaft zugehen. Im Moment wirkt es eher gemütlich. Neben dem Fischereihafen liegt die Marina, in der wir am Mittag unsere Aplysia wieder einmal in „Ketten“ legen.

 

Entgegen unserer Gewohnheit, machen wir uns abends auf den Weg, um in einer Gaststätte etwas zu essen. Am ersten Abend landen wir bei Peking-Ente im China-Restaurant, am zweiten bei Sushi im Japanischen Lokal. Wie konnte das passieren? Wir haben einfach die wundersame Vorgehensweise und die Speisekarten der Portugiesen noch nicht durchschaut. Außerdem ist hier vieles regional sehr unterschiedlich. Hier in Sesimbra gibt es hauptsächlich Fisch und Meeresfrüchte, was ja erst einmal nicht schlecht ist.

Wir wagten uns in eine Gaststätte mit Grill, wollten am Tresen den Fisch bestellen, der dort hinter Glas ausgestellt lag. Der Angestellte nahm den auserwählten Flossenträger in die Hand, klatschte ihn auf eine Waage und fragte, ob er es sein soll. In der Karte sieht man nur den Kilopreis und erschreckt sich beim Berechnen der eigenen Auswahl. Außerdem verarbeitete ich die Bilder, wie mir der Fisch angeboten wurde, nur schlecht und somit verließen wir das Lokal mit knurrendem Magen.

An einem weiteren Abend gegenüber des Chinesen konnten wir zahlreiche wartende Menschen vor einem portugiesischen Lokal beobachten. „Das hab ich zum letzten Mal in der DDR erlebt, dass man auf einen Platz im Esslokal warten muss“, sagte ich erstaunt. Der Wirt kam immer wieder an die Tür und rief eine Nummer, worauf einige der Hungrigen eintreten durften. Wie kam man an diese Nummer? Die Antwort blieb offen.

 

Ein weiteres wundervolles Ereignis vermischt sich mit etwas Wundersamen:

 

Wir bekommen morgen Besuch aus Deutschland. Juchhu!! Unser Sohn hat sich mit Frau und Baby Ida angekündigt und wir sind in großer Vorfreude. Eine Überraschung haben wir uns ausgedacht und für die Woche eine Ferienwohnung mit Pool und Palmen reserviert. Da wir sowieso keine Weiterreise geplant haben, erscheint uns der Platz in einer Wohnung als angenehmer für ihren Aufenthalt und unsere gemeinsame Zeit. Wir werden ein Auto haben und können uns voll dem Luxus des Landlebens hingeben.

 

Wundersam an dieser Geschichte ist nur, dass der Besitzer dieser Ferienwohnung, die wir relativ wahllos im Internet aufgespürt haben, ein deutscher Segler ist. Günther hat seine Segelyacht neben uns in der Marina geparkt und sich vor etlichen Jahren das Häuschen in Sesimbra gebaut. Da es nicht weit weg vom Hafen liegt, machten wir uns nach geglückter Internetrecherche zu Fuß auf den Weg dorthin, um direkt bei ihm zu buchen und es uns vor Ort einmal anzuschauen. Und dabei kam dann dieser erneute Zufall ans Tageslicht.

Günther kann uns sicher in den nächsten Tagen auch in die geheimnisvolle Welt der portugiesischen Restaurants einweihen.

 

Etwas Wundersames ereignete sich auch mit mir. Nach einem notwendigen, aber lästigen Einkauf im portugiesischen Supermarkt, der mich wieder mal an meine Grenzen brachte, brauchte ich erst mal eine Dose Entspannungsbier. Da der Weg bis zum Boot sehr weit war, kramte ich sie sofort vor der Supermarkttür aus unserem Hawazuzi und trug sie stolz durch die Straßen, vorbei an einer Schule, wo gerade der Unterricht beendet war und etliche Schüler uns entgegen stürzten. Mit Bierdose in der Hand dachte ich laut: „Das wäre dir in Deutschland nie passiert!“

 

 

Entlang der portugiesischen Küste III : 23.10.2017 – 26.10.2017 Nazare- Hafenbar und Hafenfäule

Wir hatten Nazare und Umgebung erkundet und nun irgendwie das Gefühl, man könnte die Leinen lösen und weiter segeln. Der Wind hätte gepasst, wäre da nicht die noch ausstehende Seekartenbestellung aus Wien gewesen. Versprochen wurde uns eine Lieferzeit von 2-5 Tagen, wir befanden uns nun schon im 8.Wartetag und nix passierte. Auf Nachfrage bekamen wir die Sendungsverfolgungs-App zugeschickt und sahen, dass unsere Sendung sich noch nicht mal in Portugal befand, sondern im spanischen Madrid auf weitere Beförderung wartete. Also hieß es auch für uns: Weiter warten!

 

Wir nutzten die Tage, um Putz- und kleinere Reparaturarbeiten am Boot und an uns selbst durchzuführen.

Wir gingen noch einmal auf Einkaufstour mit rotem Hawazuzi.

Wir spazierten nochmals am Strand entlang, um uns die Füße im Atlantik zu kühlen und den, auch bei fehlendem Wind, tosenden Wellenbergen davonzulaufen. Beim letzten Mal hatte ich dabei eine einzige falsche Entscheidung getroffen und war bis zum Slip pitschnass. Diesmal hingen Holgers Shorts triefend an seinen Beinen. Lustig!

Wir haben den Strand immer unter starker Beobachtung mehrerer Bademeister im Baywatch-Style erlebt, da die Strömung hier wohl absolut nicht zu unterschätzen ist. Später hörten wir von mehreren Toten jährlich, die wohl die Warnungen nicht so ernst genommen hatten.

Spätestens seitdem einer unserer Freunde vor einigen Jahren in Thailand durch eine Strömung beim Baden ums Leben gekommen ist, sind wir nicht mehr die unerschrockenen Helden.

 

Ansonsten hatte uns die sogenannte Hafenfäule voll erwischt. Das bedeutete, dass wir das Hafengelände kaum noch verließen. Allerdings stellte sich auch das als durchaus lohnende Erfahrung heraus. So ein Fischereihafen hat einige spannende Ecken und Menschen zu bieten. Wir hatten die Zeit und die Lust, einige davon etwas näher kennen zu lernen. Und wo lernt man Leute kennen? Wenn man rausgeht oder in der Hafenbar landet.

 

Auf einem unserer Spaziergänge treffen wir Ralf und Katrin an ihrer Segelyacht an Land. Schon von Weitem hatten wir das Wort „Rostock“ an ihrem Boot entdeckt und sind neugierig auf die Ossis geworden. Sie sind sehr fleißig bei aufwändigeren Umbauarbeiten und werden im nächsten Jahr weiter segeln. Mit ihnen haben wir uns dann auch zu einem Ausflug in die Hafenbar verabredet. „Elenas Hafencafe“ ist Treffpunkt und Herzstück für Fischer und andere Durstige. Neben einer guten Auswahl an hochprozentigen Flüssigkeiten kann man sich hier auch mit dem Lebensnotwendigen, wie Brot, Milch und Käse eindecken. Außerdem bekommt man noch eine Portion russische Herzlichkeit kostenlos dazu. Elena stammt nämlich aus Moldavien und betreibt das Cafe mit ihrer ganzen Familie. Ich hätte nicht gedacht, dass auf dieser Reise mein Studium der russischen Sprache irgendeine Bedeutung bekommen würde. Hier aber war der Moment der Wahrheit, die Anwendung des viele Jahre begrabenen Wissens. Und ich kann nicht ganz stolzbefreit sagen, dass es nicht gänzlich misslang.

 

Wir lernen Dodi kennen, eine nette Deutsche, die schon seit ca. 8 Jahren im Hafen lebt und ihre 14m-Yacht alleine umbaut. Von den Fischern adoptiert, wohnt sie in einem kleinen Wohnwagen neben ihrem Boot und arbeitet sich täglich ein Stück durch ihr gewaltiges Projekt. Unseren Respekt hat sie. Außerdem stellt sich heraus, dass sie wiederum einen Segler namens Dirk Kaiser aus Schwerin kennt, bei dem wir einst am 1. Mai 2011 zum ersten Mal unsere Füße auf eine wirkliche Segelyacht gesetzt hatten. Diese kleine Segeltour war damals ein Weihnachtsgeschenk unseres Sohnes und hat schon auch irgendwie zum Verändern unseres Lebens beigetragen.

Auf jeden Fall stellte Dodi die Telefonverbindung zu den Azoren her und Holger konnte dem Dirk direkt von dieser Zufallsbegegnung berichten.

 

Zufall? Manchmal passieren Dinge zwischen Himmel und Hölle, die mich an der Zufälligkeit von bestimmten Ereignissen zweifeln lassen. Wir sollten das schon recht bald wieder erleben.

 

Erwähnen möchte ich auch den Dudelsack spielenden Spanier, der uns beim 2. Besuch in der Hafenbar einen kleinen Einblick in sein spielerisches Können gab.

 

Außerdem im Gedächtnis geblieben ist mir der zaubernde Fischer, der uns mit seinen Kunststückchen zum Lachen und Staunen brachte.

 

So ein Kneipenabend sorgt nicht nur für „Köppi-Aua“ am nächsten Morgen, sondern auch für neue Bekanntschaften und Verbindungen zu lieben Menschen, die vielleicht andauern. Mit Katrin und Ralf wollen wir auf jeden Fall Kontakt halten. Und wer weiß, wo man sich wieder sieht? Die Welt ist schließlich auch nur ein Dorf!

Entlang der portugiesischen Küste II : 9.10.2017 – 22.10.2017 Nazare- Trachten, Trockenfisch und ganz viel Wetter

Wir sind in Nazare und wir bleiben noch in Nazare.

Begründen lässt sich das vielfältig: unpassender Wind, zwei Paketbestellungen, von denen wir erst eine erhalten haben, und noch dazu ist einfach schön und preiswert hier.

 

Unsere Fahrt hierher war eine spannende Erfahrung, hatte allerdings mit Segeln mangels Wind größtenteils wieder einmal nichts zu tun. Wir entschieden uns für eine Nachttour, hatten allerdings mit dem pünktlich zum Sonnenuntergang einsetzenden Nebel nicht gerechnet. Und so kam es, dass wir einen kompletten Blindflug hinlegten. Wieder einmal nur das Radar, das AIS und wir.

Wenn ich ehrlich bin, war das „wir“ meistens Holger. Ich hatte mir fest vorgenommen, nicht einzuschlafen, bin es aber ganz im Gegensatz zu meinem Skipper, mehrfach. Er bekommt deshalb die Heldennadel in Gold fürs tapfere Durchhalten bis in den Hafen.

Fischernetze, denen wir noch am Tag ausgewichen sind, mussten nun einfach ignoriert werden. Holger bestätigte mir immer wieder, dass mit unserem Langkiel nicht viel passieren kann. Ich glaubte ihm bibbernd.

 

Ein Spektakel der ganz besonderen Art ereignete sich mitten in diesem Nebelbrei. Erst waren es nur die Wellen rechts und links neben dem Boot, deren Kämme immer wieder in blauem Licht leuchteten. Dann kamen die Delfine und überall, wo sie durchs Wasser schossen, leuchtete es blau. Unbeschreiblich schön! Wie nicht von dieser Welt! Eine unwirkliches Fantasieuniversum! Wir begründeten uns diese Erscheinung mit dem hohen Planktongehalt des Atlantik.

Bereits davor hatte es beim nächtlichen Toilettengang während des Spülens schon hin und wieder Sterne ins Becken geregnet, wenn man das Licht ausließ.

 

Wir erreichten Nazare am nächsten Mittag. Der Nebel lichtete sich erst wenige Meter vor der Hafeneinfahrt und offenbarte die Schönheit dieses Ortes.

Wir waren baff und müde.

 

Sommertage erwarteten uns, die wir mit langen Spaziergängen durch den Ort und Wettergenuss verbrachten. Um uns herum allerdings waren die Folgen der Trockenheit immer deutlich zu erkennen. Riesige Rauchwolken erschienen am Himmel hinter der Stadt. An einem Abend konnten wir die Türen unserer Aplysia nicht öffnen, so sehr roch es nach Rauch.

Der Ausläufer eines Hurrikans, der in Richtung Irland rollte, streifte uns und brachte erst heiße Saharaluft aus Süden und dann die Abkühlung und Regen.

 

Wir entdeckten viel in Nazare:

 

Viele ältere einheimische Frauen tragen hier noch konsequent ihre Schürzen- und Kopftuchtracht in Verbindung mit Kniestrümpfen, in der Regel schön bunt. Nur Witwen sind komplett schwarz gekleidet. Das haben sie früher schon so gemacht, als sie ihre Fischermänner am Strand erwarteten, um deren Boote auf Land zu ziehen und den Fang zu trocknen.

 

Trockenfisch wird auch heute noch am Strand in überschaubaren Mengen verkauft. Holger hat ihn probiert und mochte ihn ganz gern. Für mich zu exotisch!

 

Wir fahren mit der Seilbahn ins Oberdorf und entdecken neben einer Stierkampfarena, die momentan geschlossen hat, auch den fantastischen Ausblick übers Meer und ins Hinterland. Gleitschirmflieger schweben über unsere Köpfe hinweg. Wunderschön!

 

Wir treffen in einer Kneipe den Kommissar aus der Trickfilmreihe „Der rosarote Panther“. Er unterhält sich sehr laut und aufgeregt mit seinen Freunden, weil der Panther ihm wohl wieder entkommen ist. Hahaha!!!

 

Wir stehen erstaunt vor verschlossenen Geschäften und müssen uns an die komischen Öffnungszeiten erst einmal gewöhnen. Ab Mittag bis zum späten Nachmittag geht hier nix mehr.

 

Morgens um drei Uhr essen wir einen Döner, der uns von einer Frau verkauft wird, die noch dazu etwas Deutsch spricht. Begegnungen gibt es!

 

Wir treffen auf zwei Schweden. Einer von ihnen ist hierher ausgewandert. Er interessiert sich sehr für unsere Segelreise. Welch ein Zufall, als wir den Beiden einige Tage später im Supermarkt wieder begegnen. Wir fahren im Jaguar zum Auswandererappartment, um uns dort die Visitenkarte einer Autovermietung geben zu lassen. Sehr nett!

 

Das Mieten eines Autos stellt sich allerdings als nicht ganz so leichte Aufgabe heraus, die uns aber nach mehreren Anläufen doch gelingen wird.

 

Drei Tage wird der Fiat Panda unser treues Transportmittel und bringt uns an unwahrscheinlich interessante Orte um Nazare herum. Außerdem trägt er unsere Schmutzwäsche zum Waschsalon und ermöglicht uns umfangreiche Einkäufe bei Lidl und Aldi. Etwas Vertrautheit stellt sich ein, als ich ins dortige Wurstregal schaue und bekannte Verpackungen entdecke, in deren Besitz ich mich sogleich bringe.

So schrecklich es auch ist, dass diese Supermarktketten ganz Europa vereinheitlichen, so schön ist es doch beim Einkauf nicht jedes Etikett erst einmal decodieren zu müssen, denn viel Portugiesisch ist nicht in unserem Sprachrepartoir enthalten.

 

Wir fahren an Orte, wie Tomar, Fatima, Alcobaca, Caldas da Rainha, Obidos und Peniche.

 

Wir fahren quer durch erloschene Waldbrandgebiete, wo es manchmal noch vereinzelt raucht und der Begriff „verbrannte Erde“ ein Bild bekommt.

 

Wir fahren entlang der Küste in südliche und nördliche Richtung und begreifen, wie wichtig der Sommertourismus für dieses Land sein muss. Überall erstrecken sich große moderne Komplexe mit Ferienappartments, die allerdings im Moment meist verlassen sind. Golfhotels reihen sich aneinander. Das Ufer ist dicht bebaut und doch tut die Architektur dem Auge nicht weh, da man sich mit den Stockwerken zurückgehalten hat.

Jedes 10. Objekt steht zum Verkauf. Vielleicht doch ein bisschen zu optimistisch gebaut?

 

Fatima:

Bis Oktober kommen immer in der Nacht vom 12. zum 13. eines Monats hunderttausende Pilgerer hierher, um das hier geschehene Wunder zu preisen.

Wir waren zum Glück am 19. dort und so waren wir nur über die gewaltige Größe des Kirchenvorplatzes und das merkwürdige Verhalten einiger Leute dort verwundert. Über den bestimmt 1km langen Platz krochen ein paar von ihnen auf Knien. Im Hintergrund loderte eine Flamme (Höllenfeuer?), in die Kerzen und Körperteile aus Wachs geworfen wurden. Mit Hölle hatte das weniger zu tun als mit guten Wünschen für Kranke und Verwandte. Eine Open-Air Messe mit Gesang wurde abgehalten und wir bekamen Gänsehaut. Für Holger war das wohl alles zu viel Religion, denn er fing als Ungläubiger schon an, sich zu bekreuzigen. Ich war, ehrlich gesagt, etwas verwirrt.

Verwirrt war ich auch über das Stück Berliner Mauer, was hinter Glas in einer Ecke stand. Dank Google weiß ich nun, dass ein portugiesischer Auswanderer vom Lothar de Maizier anno 1990 dieses Stück für Fatima erbeten hatte und doch glatt geschenkt bekam - als Symbol für das Ende des Kommunismus. Soso!

Verwirrt war ich dann allerdings auch noch, als mich ein kleiner asiatischer Junge mit leerer Coladose in der Hand fragte, wo es denn das heilige Wasser hier gibt. MICH!

 

Obidos:

Eine komplett erhaltene Altstadt mit begehbarer Stadtmauer, alten Häuschen und einer Burg versetzte uns in Erstaunen und Entzücken. Jedoch ging es auch vielen anderen Touristen ähnlich und so war der Bummel durch die engen Gässchen eher vergleichbar mit dem Zug einer müden Karawane. Trotzdem unbedingt sehenswert, auch wenn man wie ich dank meiner Höhenangst auf das Besteigen der unbefestigten Stadtmauer verzichten muss.

 

Peniche / Cabo Carvoeiro:

Hier hatten wir nicht nur den westlichsten Punkt Europas mit einem tollen Ausblick erreicht, sondern auch das Mekka der Surfer. So viele auf einmal im Wasser hatte ich bisher noch nicht gesehen. Eine Surfschule reiht sich hier an die nächste und überall diese coolen Surferboys. Wow!

 

Seit gestern tut sich was in Nazare. Die Wellen sind gewaltig angestiegen und so verbrachten wir den gestrigen Tag erst am Strand und dann auf einem alten Fort, dem Aussichtspunkt der Stadt, um stundenlang auf die riesigen Wellenberge zu starren. Einige Surfer waren unterwegs, ließen sich mit Scootern in die Wellen ziehen, um dann auf ihnen herabzuschlittern.

Gigantisch! Unbeschreiblich! Von so einem Anblick ist man wie hypnotisiert und kann sich nur schwer losreißen. Die Saison für die großen Wellen beginnt hier erst und wird jedes Jahr ein gigantisches Ereignis, von Mercedes gesponsort und mit vielen Kameras aufgezeichnet. In der „Hall of Fame“ sind die Fotos und Bretter der ganzen Surferlegenden ausgestellt. Auch ein deutscher Name taucht auf. Ich hab ihn aber vergessen. Ich glaube, irgendein Sebastian, aber nicht Vettel.

 

Gestern war Samstag und auch in Portugal ist dies ein Tag zum Ausgehen. Jedoch wird Feiern hier wohl etwas anders verstanden als bei uns. Es geht spät los, OK. Es geht aber eigentlich auch gar nicht so richtig los.

Die Frauen hübschen sich gewaltig auf, um dann die Straße auf und ab zu flannieren. Bei Livemusik und Disco wackeln sie dann mit ihren Popos umher, stehen aber in der Regel auf einem Fleck und starren nach vorn. Die Männer stehen dahinter und schauen interessiert in die Runde. So auch gestern.

Wir haben in den letzten drei Monaten noch nicht ein Mal getanzt und so überkam es uns und wir legten einfach los. Das versetzte die Portugiesen wohl etwas in Erstaunen. Die Frauen aber wollten das auch und so geschah es, dass sie ihre Männer in Bewegung versetzten und mittanzten.

Um 6 Uhr verließen wir glücklich das Lokal.

Damit wurde der heutige Tag ein Gammeltag zur Heilung von Oberschenkel- und Kopfschmerzen.

Entlang der portugisischen Küste I : 6.10.2017 – 9.10.2017   Von der Grenze zu Spanien bis nach Porto

Unser erstes Anlanden in Portugal ereignete sich in Viana do Castelo.

Castelo, heißt wohl da ist ein Schloss oder ein Tempel in der Nähe? Jawohl, wir legten unsere Aplysia an einen Steg mit Ausblick auf einen riesigen Fitnesstempel, wo man durch beleuchtete Scheiben den Schweiß förmlich riechen konnte. Toll!

Außerdem lag der Steg am Ufer eines Flusses. Das bedeutete durch Ebbe und Flut bedingte Strömung mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Und die war auch deutlich spürbar mit 3-5 Knoten.

Am deutlichsten haben wir sie am nächsten Morgen gespürt, als es plötzlich gegen unser Boot gongte. Wir schauten hinaus und bemerkten, dass unsere britische Nachbarin auf ihrem kleinen 6 m Boot versuchte, vom Steg abzulegen. Die Strömung erwischte sie und drückte ihr Boot gegen unseres und ihr Beiboot hing irgendwie zusammengepresst dazwischen. Das Ablegen gelang schließlich mit unserer Hilfe und einem chirurgischen Schnitt durch ihre Heckleine. Was macht ein zartes Persönchen auf einem so kleinen Boot alleine auf dem Atlantik? Diese Frage haben wir unbeantwortet mehrfach durchdacht.

Unser Ablegemanöver gelang weniger spektakulär dank unserer starken Maschine. Einmal die „Lore“ auf Vollgas gebracht, rauschten wir davon.

Nach unserer Nebelfahrt am Tag zuvor,

bei der Holger so angespannt war, dass er erst aus einer Möwe einen Schwan machte und etwas später sogar anstelle des Meeresvogels ein Fischerboot zu erkennen glaubte,

hatten wir diesmal eine sonnige Fahrt vor uns.

Das Ziel: Leixoes- ein Hafen an der Flussmündung des Rio Douro, der durch Porto fließt. Zunächst einmal wollten wir uns mit dem Gedanken, Porto zu besuchen, nicht anfreunden. Und so streiften wir durch Leixoes, entdeckten den wunderbar langen Sandstrand und ein Restaurant, wo wir den Sonnenuntergang genießen konnten.

Hier lernten wir auch „Francesinha“ kennen, nicht etwa eine junge attraktive Portugiesin, nein vielmehr ein portugiesisches Sandwich mit Fleisch und Wurst und Käse überbacken und in einer alkoholischen Tomatensoße schwimmend. War lecker!

Unsere netten holländischen Hafennachbarn konnten nicht verstehen, warum wir Porto nicht besuchen wollten. Immer wieder redeten sie auf uns ein und als wir heute aus der Tür schauten, steckte ein Stadtplan von Porto am Boot. Das war wohl der letzte Schubs in die richtige Richtung, denn eine halbe Stunde später standen wir an der Haltestelle und warteten zusammen mit zwei Portugiesinnen, die immer wieder erfolglos auf uns einredeten, auf den Bus.

Dieser Ausflug wurde ein perfekter Tag in einer mehr als sehenswerten Stadt. Wir schlenderten durch enge Gassen, die steil hinab zum Fluss führten. Wir tranken ein kühles Bier am Ufer des Rio Douro und beobachteten dabei die anderen Touristen. Wir fuhren mit einem Wassertaxi über den Fluss und genossen die wunderbare Gesamtansicht der Altstadt. Zwei Musikstudenten hatten ihre Geigen ausgepackt und begannen in herrlichster Art und Weise Rock und Klassik zu spielen. Dazu der Anblick dieser Stadt. Momente, die mir Gänsehaut bereiteten.

Eine Seilbahn brachte uns schließlich hinauf auf einen Felsen und mich an den Rand der Höhenpanik. Der Ausblick war aber fantastisch.

Den Rückweg traten wir über die „Ponte Dom Luis I“, eine fast 50m hohe Brücke, an, was ebenfalls Einiges an Tapferkeit von mir verlangte. Aber dafür gab es immer wieder dieses grandiose Panorama zu bewundern.

Einen perfekten Tag beendet man mit einem perfekten Abend. Wir entschieden uns fürs Essengehen. Mit der Kellnerin gab es zunächst ein kleines Verständigungsproblem, das sie allerdings nicht weg lächelte. Stattdessen warf sie mir einen dominanten Blick zu, der mich fast wieder zur Tür hinaus beförderte. Holger beruhigte mich und meinte: „Die hat wohl ihre wahre Begabung noch nicht erkannt: Domina mit Peitsche!“ Ach so.